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Gefragt: A Tale Of Golden Keys

Im Rahmen des Nürnberg.Pop Festivals haben wir einige der Local Heroes interviewt. Und welchen besseren Anlass würde es für die Veröffentlichung des Interviews mit Hannes und Flo von A Tale of Golden Keys geben, als die Veröffentlichung des Debütalbums am kommenden Freitag.

HDIYL: Welche Frage wurde euch bis dato noch nie in einem Interview gestellt, obwohl ihr es euch immer gewünscht habt?

Hannes:
Das ist eine sehr gute Frage, wir werden nämlich immer so Sachen gefragt wie „Woher kommt euer Name?“ und so blöde Fragen, die man gar nicht beantworten will. Aber eine Frage, die wir gerne mal gefragt werden würden, gibt’s so eigentlich nicht.
Flo: Vielleicht, wie heißt deine Katze?
HDIYL: Und wie heißt deine Katze?
Flo: Ich hab keine.

HDIYL: Dann anders herum gefragt, welche Fragen hasst ihr bei Interviews?

ATOGK: Wir hassen sie jetzt nicht, aber die Namensfrage finden wir kritisch, weil sie eigentlich in jedem Interview gestellt wird und auch überall im Internet zu finden ist.
HDIYL: Sehr gut, wir werden sie euch nicht stellen.
Flo: Ja, da denkt man sich dann eben, da hättet ihr auch zwei Minuten googeln können, dann wüsstet ihr die Antwort.
Hannes: Oder auch die Frage, wie würdet ihr eure Musik beschreiben? Das ist zwar ne berechtigte Frage, aber auch immer schwer zu beantworten.
HDIYL: Hör rein, dann weißt du’s…
Hannes: Genau, hör’s dir halt an. Es ist auch schwierig sich selbst in Schubladen zu packen. Es ist auch immer interessanter zu sehen wie die Musik auf Leute wirkt und welchen Eindruck sie davon haben.

HDIYL: Da sind wir auch schon bei eurer Musik, ihr bringt jetzt bald euer erstes Album heraus. Wie war denn der Entstehungsprozess? Habt ihr erst mal Demos aufgenommen, die dann wieder verworfen wurden, oder habt ihr euch hingesetzt und gesagt, jetzt fangen wir an und dann wurde es direkt am Stück durchgezogen?

Flo: Unterschiedlich. Es ist auf jeden Fall ein Entwicklungsprozess gewesen. Wir haben nach unserer letzten EP wieder angefangen Songs zu schreiben. Wir haben dann noch drei Songs im Studio geschrieben. Es hat sich dann so entwickelt und die zehn stärksten Songs kamen aufs Album.
Hannes: Das ist aber auch so ein typischer Entstehungsprozess für ein erstes Album. Das sammelt sich so über die Zeit an. Im letzten Jahr hatten wir uns eine Woche lang eine Hütte gemietet zum Songwriting.
Flo: Wir sind prinzipiell Leute, die monatelang für nen Song brauchen, aber im Studio haben wir es dann in einer Stunde geschafft, vom Songschreiben bis zum Aufnehmen, stand in einer Stunde alles. Es ist ganz unterschiedlich auf dem Album.

HDIYL: Bei unserer Recherche ist uns auch aufgefallen, dass ihr auf Facebook einen winzigen Friseursalon -das Friseurteam Seubert-geliked habt, und da würde uns mal interessieren weshalb?

Flo: Das war früher mein Friseur, da war ich immer beim Chef zum Haare schneiden. Das ist noch so ein Überbleibsel aus der Anfangszeit.
Hannes: Sehr gute Frage übrigens, sehr gut recherchiert.

HDIYL: Da ihr ja eine lokale Band seid, noch ein paar lokale Fragen. Eventuell wart ihr ja schon als Besucher beim Nbg.Pop, wie waren da eure Eindrücke?

Flo: Ich war tatsächlich noch nicht als Besucher da.
Hannes: Ich auch nicht. Ich spiel ja bei Like Lovers auch mit und hab vor 2 Jahren mit Like Lovers hier gespielt, letztes Jahr waren wir hier und dieses Jahr spiel ich gleich zweimal. Wir waren also noch nie wirklich als Besucher da, wobei das echt Schade ist, weil man dann viel mehr Zeit hätte sich alles anzusehen.

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HDIYL: Wo würdet ihr in Nürnberg am liebsten mal spielen, in welcher Location?

Flo: Wir haben eigentlich so gut wie alles schon durch.
Hannes: Vielleicht im neuen Z-Bau, eben weil er jetzt neu ist.

HDIYL: Habt ihr eine lokale Band-Empfehlung, die man sich unbedingt mal anhören sollte, bzw. fürs nächste Jahr Nürnberg.Pop unbedingt buchen sollte?

Flo: Unsere lokalen Helden sind eigentlich „The Audience“, aber die gibt’s leider nicht mehr.
Hannes: Das ist jetzt zwar nicht richtig lokal, aber es gibt eine Würzburger Band, „Shaky Foundation“, mit denen haben wir mit Like Lovers schon öfter gespielt. Die find ich sehr schön. Richtig junge Typen, die richtig gut Musik machen.

HDIYL: Was habt ihr dieses Jahr noch geplant?

Flo: Das Album kommt ja am 23.10. raus und wir werden vielleicht über den Oktober verteilt, noch ein paar Geheimshows spielen. Dann steht ne große Tour an, Ende November bis Anfang Dezember. 14 Shows ziemlich am Stück und nicht wirklich ein Off-Day. Und dann hoffen wir natürlich, dass das Album gut ankommt.
Hannes: Das ist gerade alles sehr aufregend für uns, weil wir bislang alles selber rausgebracht haben und bei Konzerten verkauft haben. Das ist das erste Mal, dass das jetzt in einem größeren Rahmen passiert.

HDIYL: Was ist euer Lieblingsbuch zur Zeit?

Hannes: Ich hab als letztes „In Zeiten des abnehmenden Lichts“ von Eugen Ruge gelesen. Weiß nicht, ob das euch was sagt, das ist so eine Art DDR Buddenbrooks. Aber so ein All-Time-Lieblingsbuch hab ich gar nicht.
Flo: Ich mag Hemmingway ganz gerne, aber da auch so durch die Bank. Das letzte was ich gelesen hab war Kafka, „Die Verwandlung“, das hat mich etwas aus den Fugen geworfen. Und sonst muss ich halt an der Uni jede Menge Bücher lesen. Da sind immer wieder nette Bücher dabei, aber Hemmingway ist mein Lieblingsautor.

HDIYL: Dann schwenken wir zur Musikindustrie, was sind hier Faktoren mit denen ihr euch nicht anfreunden könnt?

Flo: Radiomusik, also nicht alles was im Radio läuft ist schlecht, aber das meiste, da kann ich wenig mit anfangen.
Hannes: Man hat halt das Gefühl, dass von den großen Labels und auch von den kleinen, gar nicht mehr der Mut da ist, neue Sachen an den Start zu bringen. Alle Sachen die jetzt irgendwie groß werden, sei es Mumford & Sons zum Beispiel, die wollte vor 6 Jahren auch noch keiner hören, so Folkpop. Die sind halt Mainstream geworden, weil jemand die Eier hatte das da reinzubringen, auch wenn ichs jetzt nicht mehr gut find. Aber ich hab das Gefühl in Deutschland wird viel versucht, einfach nur dem Geschmack der da ist zu entsprechen und etwas abzuliefern, dass sich da gut einfügt und risikolos ist. Das finde ich sehr schade.

HDIYL: Wie würdet ihr spontan die letzten 10 Jahre auf dieser Erde beschreiben?

Flo: Ich glaub der Mensch verfällt wieder in den Naturzustand und es kommt zu einem Kriegszustand. Jeder gegen Jeden. Jeder versucht um die letzten Ressourcen zu kämpfen. Bisschen so Mad Max mäßig. Es gibt nichts auf der Welt und es geht nur darum sich das wieder anzueignen. Totale Anarchie.
Hannes: Ich find gerade das, was man in den letzten Monaten so sieht ist ja irgendwie die Spitze der Entwicklung der letzten 10 Jahre. Und ich finde das teilweise schon beunruhigend.
HDIYL: Quasi die Prä-Stufe zur Endzeitstimmung? Oder ist das schon zu drastisch formuliert?
Hannes: Was so generelle Werte im gesellschaftlichen Zusammenleben angeht, da sieht man aktuell wieder deutlich wie anscheinend die Mehrheit wirklich innen drin gepolt ist.

HDIYL: Danke für das Interview.

Heute Abend spielen die drei Jungs ein kleines Releasekonzert im mono-Ton Schallplatten Laden. Infos dazu gibt es hier. Passend dazu werden exklusive Hardtickets für ihr Konzert am 09.12. im Festsaal verkauft. Also nix wie hin!

ataleofgoldenkeys.com
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/ Text: Leo Zimmermann & Simon Strauss / Bild: Tobias Schrenk/