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Gefragt: Wrongkong

Wrongkong feiern aktuell ihr 10-jähriges Bestehen und laden hierfür am 12.11. zur großen Gala in den Festsaal des KunstKulturQuartiers, um mit allen Fans und Freunden gebührend zu feiern.

Wir haben Tommy und Cyrena im Vorfeld getroffen und über die letzten 10 Jahre befragt:

HDIYL: Ihr werdet manchmal als Duo mit Liveband, aber auch als 5-köpfige Band beschrieben, was trifft aus eurer Sicht eher zu?

Tommy: Grundsätzlich ist es so, dass die Musik nur von uns beiden gemacht wird. Man muss das vielleicht etwas trennen. Wenn es um das Musik machen geht, sind wir ein Duo, aber als Wrongkong sind wir ne Band. Eigentlich hat es als Studioprojekt gestartet vor 10 Jahren, da gab’s die Band noch nicht.

HDIYL: Werden dann die Instrumente im Studio von den Bandmitgliedern eingespielt, oder macht ihr das auch alleine?

Tommy: Ja, es gibt schon ab und zu mal ein Gitarrensolo, oder so, aber grundsätzlich mach ich die Musik alleine und dann arbeiten wir die Sachen aus.

HDIYL: Wenn ihr jemanden, der euch nicht kennt, einen eurer Songs vorspielen müsstet, der die Band am besten beschreibt, welcher wäre das und warum?

Cyrena: Es ist wahnsinnig schwierig für sowas nur einen Song auszuwählen, finde ich. Es gibt Sachen, die uns vielleicht unbewusst beeinflussen und das fließt so mit rein und wir haben auch nicht unbedingt eine Richtung in der wir immer arbeiten. Wir haben alles Mögliche an Musikrichtungen schon ausprobiert und gemacht. Wüsstest du ein Lied?

Tommy: Naja, so ein bisschen ist ja schon immer Disco dabei gewesen auf jeder Platte. Ich finde schon, Real Boy, weil‘s auch lustigerweise unser erstes Lied war, das wir für Wrongkong gemacht haben; wenn‘s ein Lied gibt, dann trifft es das glaub ich am ehesten. Weil da auch so ein Element drin ist, das sich durchzieht.

HDIYL: Was war für euch als Band das Schönste in den letzten 10 Jahren?

Cyrena: Ich glaube am schönsten war unser Ausflug nach England. Wir waren davor schon im Ausland, aber nicht weit weg. Österreich, Schweiz, Tschechien und Polen. England, da war es wirklich ein Bisschen wie ein Urlaub mit Wrongkong. Wir haben unsere zwei Konzerte gehabt, auf dem „Why Not“ Festival und in Glasgow gespielt und zwischendurch konnten wir ganz schön diese Reise zusammen genießen.

HDIYL: Was wünscht Ihr Euch für die nächsten 10 Jahre als Band?

Tommy: Dass wir uns treffen und ein Interview zu 20 Jahren Wrongkong machen können.

HDIYL: Ich halte das mal fest und setze einen Terminblocker.

Tommy: Wenn’s uns noch gibt, dann ist es erstaunlich und erfreulich gleichermaßen.

HDIYL: Ihr seid ja beide schon länger als 10 Jahre als Künstler unterwegs, sei es als DJ und Producer, oder Cyrena als Tänzerin, was hat sich für einen Künstler in den letzten 10 Jahren verändert?

Tommy: (lacht) Man kann kein Geld mehr verdienen. Ganz einfach.

HDIYL: War es früher viel einfacher mit seiner Kunst Geld zu verdienen?

Tommy: Das ist glaub ich so ein ganzheitlich gesellschaftliches Problem, die Mittelschicht schmilzt komplett weg und das ist im Musikbusiness ganz extrem. Vor 10-15 Jahren konntest du als Mittelgroßer Act von Musik leben und das geht jetzt nicht mehr. Entweder du gehörst zu den oberen, die verdienen jetzt noch besser als früher, oder du verdienst ganz schön wenig. Das hat sich schon extrem verändert, die Plattenverkäufe zum Beispiel.

HDIYL: Ist die Wertschätzung für Kunst vielleicht auch jetzt eine andere, im monetären Sinn?

Tommy: Ich glaube die Wertschätzung für die Kunst an sich hat sich nicht verändert, weil Musik oder Kunst für jeden immer noch ein total wichtiges Ding ist und ich finde auch, das ist auch der Kleister unserer Gesellschaft. Eines der wichtigsten Dinge, glaube ich. Aber es hat sich die Wertigkeit für die Leute geändert. Dass Musik einen Wert hat. Ich habe eine Tochter im Teenageralter, bei der merkst du ganz klar, dass sie gar nicht auf die Idee kommt sich irgendwo Musik zu kaufen. Streaming ist da schon das höchste der Gefühle was noch geht, aber es gibt ja noch tausend andere Möglichkeiten. Dementsprechend wächst hier eine ganze Generation mit einem ganz anderen Bewusstsein dafür auf und das ist natürlich schon problematisch.
Man merkt ja jetzt schon, dass du sehr sehr viel junge Musiker hast. Bis du 20 oder 25 bist, da probieren sich viele Leute aus, nur irgendwann kommt dann der Zeitpunkt wo du überlegen musst, was du mit deinem Leben machst. Wenn du dann kein Geld mehr mit Musik verdienen kannst, musst du eben was anderes tun. Und dementsprechend glaube ich, werden die älteren Bands immer älter, es gibt immer Ausnahmen, aber grundsätzlich wird der Künstlerkreis der 25-45-jährigen immer weiter schmelzen, weil das alles eine öffentliche Förderung nicht auffangen kann, was hier an Geld verloren gegangen ist.

HDIYL: Das nimmt fast schon unsere nächste Frage vorweg, welche Entwicklung in der Musikszene oder der Musikindustrie konnte man vor 10 Jahren nicht erwarten?

Cyrena: Ich glaube das Internet hat viel geändert.

Tommy: Das war ja abzusehen, es wollte nur niemand sehen. Mit dem Anfang von Napster war klar, wohin die Reise geht. Jegliche Kunst von der du eine 1:1 Digitalkopie machen kannst, hat das Problem. Dasselbe hast du im Filmbereich, da ist Napster halt Netflix. Ist aber eigentlich auch nichts anderes. Eigentlich sollte man malen oder Bildhauer werden, da ist selbst ein 3D-Druck keine digitale Kopie davon, sondern ist nur nachgemacht.

HDIYL: Worüber habt ihr euch zuletzt so richtig aufgeregt?

Cyrena: So als Band?

HDIYL: Kann auch persönlich sein.

Tommy: Also mich regt den ganzen Tag nur auf, wie viele Idioten es gibt, die ihr rechtes und antisemitisches Gedankengut gedankenlos den ganzen Tag auf Facebook teilen. Das unter dem Deckmantel der Esoterik versuchen zu verstecken und alle fallen darauf rein. Die grassierende Dummheit der Menschen ist kaum noch zu stoppen. Nicht dass das nicht schon vor 20 Jahren genauso gewesen wäre, das aus diesen Esoterikzirkeln die schlimmsten Faschisten und Antisemiten kommen, aber es ist nicht totzukriegen. Gerade gestern habe ich mit einem guten Freund darüber gesprochen. Da gibt’s eine auf Facebook, eine Bekannte, die kenne ich seit 25 Jahren. Ich mein, die hat schon immer nen Knall gehabt, aber das gibt es nicht wie das gerade im Moment abgeht. Videos von armen Hunden, die in der Ukraine verstümmelt werden. Gepaart mit Flüchtlingen. Hundert Flüchtlinge, die angeblich ne weiße Frau ins Gebüsch ziehen. Ein Dummfug der da momentan geteilt wird. Wenn man dann mal auf die Seiten schaut, ins Impressum, dann sieht man ja sofort was das für Seiten sind. Das macht mich momentan wütend und auch Angst.

HDIYL: Was sind Eure musikalischen guilty pleasures? Was würde man überhaupt nicht bei Euch im Plattenschrank vermuten?

Tommy: Ha, da gewinn ich auf jeden Fall! In meinem Plattenschrank ist glaub ich nix drin was es nicht gibt. Bei mir findet man auf jeden Fall ‚ne Judas Priest Platte, genauso wie man ‚ne Leonard Cohen Platte findet. Ich bin musikalisch schon mein ganzes Leben sehr offen.

HDIYL: Und irgendwas Aktuelles? Teeniepop auf den du heimlich abgehst?

Tommy: Teeniepop ist jetzt übertrieben, aber ich finde The Weeknd gut. Du bist doch so eine alte Teeniepopperin.

Cyrena: Ich hab auch so ziemlich alles. Sogar Countryplatten, obwohl ich als Kind Country gehasst habe, weil es bei uns überall im Radio war. Oder ganz skurrile Weltmusik Platten, die total billig waren, irgendwo in irgendeiner Ramschkiste, so Trinidad Steel Drum Band, hör ich nicht jeden Tag, aber ab und zu.

HDIYL: Welchen Künstler hat man momentan so gar nicht auf dem Radar, obwohl er unglaublich gut ist? Was ist Euer Geheimtipp?

Tommy: KAYTRANADA. Würde ich sagen.

Cyrena: Überhaupt nicht auf dem Radar hier in Deutschland, Mystery Lights.

HDIYL: Vielen Dank für das Interview.

Falls ihr es nicht zum Konzert in Nürnberg schafft, hier noch alle Termine der 10 Years Anniversary Tour im Überblick:

★ 9.11. Würzburg | Die Kellerperle
★ 11.11. Bayreuth | Glashaus Bayreuth
★ 12.11. Nürnberg | KunstKulturQuartier (Festsaal)
★ 16.11. Hamburg | Pooca Bar
★ 18.11. Zürich | Amboss Rampe
★ 24.11. München | Cord Club
★ 25.11. Luxemburg | De Gudde Wëllen
★ 26.11. Frankfurt | Lotte Lindenberg

www.wrongkong.de
www.facebook.com/wrongkong

/ Text: Simon Strauß / Bild: Pressefreigabe /