reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Coronare Herzkrankheit

Jetzt wir alle so auch grad nach den jüngsten gesellschaftlichen Entwicklungen ja unbedingt und fröhlich: Glaube, Liebe, Hoffnung, wenngleich irgendwie zähneknirschend. Also eher so dass man halt mit dem Finger links und rechts in die Mundwinkel sich einhakt, also in die eigenen, eh klar, und sich dann mit leichtem, doch beherztem Zug ein freundliches Lächeln ins Gesicht zaubert. Kollateralschaden, dass das eher klingt wie Glauwe, Liewe, Hochnung, aber mei, so is das grad, man muss Abstriche machen. Hihi, „Abstrich“. Musste ein Spezl letztens auch machen, deswegen ich dann so am Telefon „Hey du, geht’s eigentlich wieder oder kotzt du noch?“ und er „Geht wieder total gut – und ich bin vier fucking Coronakilo losgeworden!“ Die mehrtägige intestinale Unpässlichkeit habe sich also sozusagen gelohnt, man fühle sich gleich viel leichter, also weniger beschwert, also halt wegen der erdrückenden Last des schlechten Gewissens, dass man vor lauter Artigkeit und Regelbefolgerei im Daheimsein einer kollektiven Schwangerschaft ausgesetzt, nachgerade hilflos ausgeliefert ist, weil ins Fitness hast nicht dürfen und raus bloß ein bisschen zur Flanage und Promenur und aber wegen Solidarität, Suffort Your Locals und Ofhhawereitschaft (Lächeln!!) tagtäglich mehrfach ein üppiges Mahl bestellt anstatt einfach wie’s ja auch gegangen wäre, und zwar sehr gut, möcht ich sagen, mangels der allgegenwärtigen Verlockung und Versuchung opulenter Buffets, durchhängender Grillbanketttafeln und um die Nase summender Flyingfingerfoods, also einfach daheim jeden Tag schön eine Möhre und eine Prise vom Salat und zur Leibesertüchtigung einmal übers Feld gepflügt und dann wieder ab zurück ins Körbchen, nein, gespiesen haben wir gar königlich, und jetzt ab Montag müssen wir auch noch trinken aus Gründen der Kulturerrettung, und jetzt stell dir vor: An manchen Orten musst du sogar essen um kulturrettungstrinken zu dürfen, da soll sich noch eins auskennen! Ich hab grad einmal nachgerechnet, also wegen der Schwangerschaft: 0,375 Kilo macht die so pro Woche, und jetzt sitzen wir seit acht Wochen daheim: drei Kilo – bämm, Oida! Easy! Ich bin jetzt deswegen unter die Heimtrainer gegangen. Jeden Morgen stülp ich mich schön in meinen Aerobicdress hinein, zum Glück sitzen die Handgriffe von der engen Winterstrumpfhosenzeit noch 1a, da gerät das Umziehen gleich zur Aufwärmübung, nur das mit dem fließenden Atmen klappt noch nicht so gut. Dann also jedenfalls leg ich mich superentspannt auf meine Matte und schau 27:58 Minuten der netten Dame im Fernsehen zu, wie sie gar unappetitlich schwitzt, und immer wenn sie sagt „Bauchnabel einziehen bis er vom Boden abhebt“, dann kichere ich kurz hysterisch und schnips mit noch ein kleines Osterküken vom Saisonabschlussausverkauf zwischen die Kiemen, Foodsaving und so, essen gegen Kükenschreddern! Danach bin ich schwer. Also schwer erschöpft. Und tät direkt einmal mutig wieder eine Prognose wagen, nämlich dass das mit den Coronaren Herzkrankheiten künftig nocheinmal eine ganz neue Bedeutung erfährt. Wohlsein!

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~