reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Darmwinde

You say „Fasching“, I say „No“! Aber unflätig kann ich trotzdem. Schlüsselerlebnis „Sport“: Zum Zwecke der Dehnung und Kräftigung möglichst erniedrigende Haltung bittegefälligstdanke von allen auf dem Boden einzunehmen. Totenstill leidend dergestalt verharren. Plötzlich: Eine donnernde Flatulenz durchbricht das Mucksmäuschenschweigen. Für den Bruchteil einer Sekunde aus 30 Köpfen lauthals denkend: Um Gottes Willen wie peinlich zum Glück war ich das nicht aber wer war das denn zefix dass ich nicht schauen kann ich würd ja jetzt sterben … etc. pp. Ins Gedankenwirrwarr ertönt ein Ruf: „MAMA!“ rügt der seine Mutter begleitende und bis dato schweigend in der Ecke sich geduldende Knabe streng die windige Weibsperson, von der man nur mutmaßen kann, dass sie in der Folge lieber weitere 17 Stunden in der Demutshaltung verharrt wär als jemals sich wieder hätt aufrichten zu müssen. Der Furz (oder die Darmwinde als „Vorrichtung zum Ziehen schwerer Lasten im Darm“, so eine Definition der einschlägigen Flatologie) genießt, das können wir wohl mal so festhalten, gesamtgesellschaftlich betrachtet eine eher niedere Stellung, trotz dessen er einen jeden betrifft; aber es hat ja auch erst einer Charlotte Roche bedurft, um der in kollektivem Entsetzen aufjaulenden Kulturhoheit zu eröffnen, dass es so etwas wie „Popel“ wirklich gibt. Entfleucht einem armen Menschlein dann doch einmal ein Malheur, werden hurtig Goethe, Schiller oder irgendein Chinese zitiert und eilig die kontaminierte Örtlichkeit verlassen und eine andere aufgesucht. Lieber hat man mit puterrotem Kopf und sich heimlich vor Schmerzen (haha!) windend unterdrückt, als dass man sich die Blöße eines peristaltischen Kontrollverlustes gibt. Auch ich bin freilich nicht frei von diesem Joch, das einem bereits in der grausamsten aller zivilisatorischen Instanzen aufgesattelt wird: dem Kindergarten. Deshalb nächstes Schlüsselerlebnis „Solarium“: Wegen frühlingslustbedingter Käseleibphobie Aufsuchen des Münzmallorcas im Anschluss an eine ausgiebige und darob schweißtreibende Einheit „Körperoptimierung“ (falls Unbedarfte unter euch sind: nackert auf Plexiglasscheibe legen, mit Hautkrebs bestrahlen lassen). Jetzt saugt sich aber so ein nassschwitziger Körper sauber fest auf so einer Scheibe, und wenn man sich dann nochmal umpositionieren will, geschehen furchtbare Dinge. Akustischer Natur. Es folgen 15 Minuten größtmöglicher Scham, die kurze Überlegung, vielleicht erst am nächsten Tag wieder aus der Kabine zu treten, ein dezidiertes Referat über Haft- und Scherkräfte zu halten oder frivoler Angriff nach vorn à la „Na, auch gestern zu viel vom Sauerkraut erwischt?“ statt eines schlichten Ade zur Solariumswärterin. Kann nur schiefgehen. Deswegen also dann doch wie immer: Schweigen, nichts damit zu tun haben, lächeln und gehen. „Bada Bing – Faschingsedition“ (Stereo, Klaragasse), „My Club Party“ (Desi, Brückenstr), „Abschlussfeier der TH Design Absolventen“ (MUZ, Fürther Str), „Querbeat“ (KK, Königstr) und am Samstag „Pirate Queen Karneval“ (Mississippi Queen, Hafen), „Beachparty“ (Z-Bau, Frankenstr), „Drama“ (Zentralcafé, Königstr), „Pull the Trigger“ (Hirsch, Vogelweiher), „Single Party“ (T90, Flughafen). Wenn’s um auf dem Parkett um dich plötzlich sehr licht wird, dann hat das nichts damit zu tun, dass alle deinen Tanzstil so geil finden und besser sehen wollen. Nur so am Rande bemerkt. Geh lieber heim!

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~