reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Fünf Phasen des Schuhs

Weitestgehend widersetzt man sich aktuell noch dem ähm Genuss überzuckerter Qualitätsalkoholika, wenn ich das grad richtig beobachte. Selbstverständlich muss man aber ja immer auf der Höhe sein so mit von wegen was bewegt den Bürger, uns sei’s auch nur zum Saufen, deswegen hab ich schon auch einmal inspizieren müssen im Gallischen Dorf, was da so geschlürft wird. Es gab Erkenntnis, sogar deren vielerlei, zum Beispiel dass im Ginpunsch ein Lachgas drinzusein scheint und für Menschen mit Sulfit-, sprich Weinallergie hilfsbereit Substitut gereicht wird nach dem Motto „Mach einfach irgendeine Flüssigkeit warm und schütt einen Schnaps hinein, voila!“ Ich hab mir das angeschaut und mich dabei an der Hopfen-wirklich-sehr-kalt-Schale festgehalten und gefunden dass es sauber warm ist eigentlich. Nach so ungefähr einer Stunde hab ich Anschiss bekommen, und zwar nämlich von unterm Tisch: „Ist ja super“, hat’s geschimpft, „dass du da oben deinen Dickschädel in der Wärmelampe dünsten kannst, aber hier unten bei uns ist alles nur halb so witzig in den Sneakern!“ Es kam also, wie es kommen musste, und wenige Tage später, bei einer erneuten Inspektion, wurde ich neugierig empfangen. „Undundund hast du was gekauft?“ – „Ja schau“, hab ich eine Tüte gezeigt, „natürlich hab ich was gekauft. Nur halt überhaupt nicht das, was ich wollte. Aber es hat dem aufgestauten Kaufdrang irgendeine Erlösung beschert werden müssen.“ Die Erlösung hat er gefunden in einem Paar wirklich sehr schöner Stiefel, die ungefähr exakt dem entsprochen haben, was ich gesucht hatte, mit einem winzigen Manko: Es sind Stiefel statt Boots, innen von Kunstfell zart geküsst statt meterdick schafsbewollt, aus sensiblem Wildleder statt robustem GoreTex und hab ich was vergessen? Ach ja, hellbraun statt schwarz. Kannst du also sagen: Alles richtig gemacht. Ja naja. Fast. Doch es folgt der Winterschuhkauf dem gleichen Muster wie die fünf Phasen der Trauer: 1. Leugnen (ist doch gar nicht so kalt) 2. Zorn (schon kalt, aber alle Winterschuhe unfassbar hässlich, wollte weder polarexpeditieren noch um 30 Jahre altern, kann doch alles nicht wahr sein) 3. Verhandeln (boah na gut geh ich halt in alle bislang gemiedenen Geschäfte auch, versuche mich mit dieser unfassbar hässlichen Mode anzufr… NEIN ICH KANN EINFACH NICHT!!!) 4. Depression (mein Leben ist furchtbar, nichts macht mir Spaß, ich werde im Winter ganz sicher erfrieren oder nur daheim sein müssen weil ich einfach keine gescheiten Schuhe finde und in meinen alten abgelatschten Tretern verende) 5. Akzeptanz (Gib mir Moonboots, Hochalpinstiefel, silberglänzend mit Spikes und hüfthoch istmirscheißegalwiedasaussieh Hauptsache NIE MEHR KALTE FÜßE!!). Also ja, es ist jetzt grad alles ganz spezialfurchtbar. Aber mit der Weisheit des Alters sehe ich dem Zyklus gelassen entgegen und versuch mir zu merken, wo es die spezialhässlichsten Modelle gegeben hat. Für dann so in vier Wochen. Für den Christkindlesmarkt trägt man eh am besten Gummistiefel wegen der Schunkelei und Hochdietassen und Hosianna.

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~