reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Nürnberg, alaa…ssmichdochinruhmitdiesemfasching!

Am gestrigen Donnerstag wurde ich auf den offiziellen Beginn der ach so närrischen Zeit aufmerksam gemacht – gleich doppelt, hielt nämlich erst der amtshöchste Kasper stolz grienend eine so rote wie durchschnitte Krawatte in eine Kamera, derweil sich eine Kölner Freundin lauthals über Urlaub bis Aschermittwoch freute und dazu kryptisch eine Garderobenmarke fotografierte. Meine Frage, ob das die rheinländische Chiffre für „Ihr findet mich bis einschließlich Mittwochmorgen in der Pilsbar unten am Eck“ sei, wurde wutschnaubend und händeringend verzweifelt mit einem „Kannst du nicht einfach bitte herkommen? Ich kann das unmöglich erklären!“ beantwortet, woraufhin ich mich um ihre geistige Gesundheit sorgen und darlegen musste, dass ich schließlich Nürnbergerin sei und darob sofort zu Staub zerfiele, sobald ich mit diesem „Karneval“ in Berührung käme. Ja gut, ich mein: Auch hier ist „Fasching“. Damit wir das nicht vergessen, wird diese ausgelassen-fröhliche, bunte, wildtreibende Jahreszeit vom vereinzelten Verkauf von Krapfenboxen markiert und dadurch, dass der ein oder andere besonders frivole Metzger auch mal eine Luftschlange über die Wurstauslage wirft. Weiters finden wir in den Grabbelregalen der einschlägigen Discounter zwischen der wirklich wichtigen Saisonware – Weihnachtsartikel „jetzt 90 Prozent reduziert“ und vorsichtshalber, man weiß ja nie, ob man in den kommenden acht Wochen noch schafft, sich einzudecken, schonmal aufgetürmte Osternestbestückungsprodukte – auch gelegentlich eine saulustige Perücke, bei der man sich fragt, wer da hernach als Flokati gehen wird, oder das „niedliche Hummelkostüm für die ganze Familie“, das wohl noch von Halloween übrig war. Fürderhin gab’s vor Wochen mal eine Randnotiz, dass dem allerhöchsten Faschingsadel ein kleines Malheur unterlaufen und irgendwas mit Puderzucker verwechselt worden ist, was weder Karnevalist noch Öffentlichkeit weiter scheren muss, soll sich doch zumal letztere lieber darüber echauffieren, dass irgendwo auf einer Wiese Holzhütten nicht ordnungsgemäß abgebaut worden sind über den Winter, weswegen sie die Heerscharen von Bürgern, die im herrlichsten Sibirien- und Schmuddelwetter auf besagter Wiese weder Picknicken noch Capoeira üben noch Konzerte besuchen noch sich sonst irgendwie tummeln wollten, wahnsinnig gestört haben. Dafür hätten besagte Bürger aber auch gar keine Energie gehabt, denn die gilt es schließlich aufzusparen, um sich am kommenden Sonntag, während die ganze Innenstadt seit Tagen in einem einzigen tosenden Freudentaumel sich befindet, sich in den Armen liegt und feiert, als hätt‘ das letzte Stündlein geschlagen, beim ältesten Faschingsumzug der Galaxie gewaltig zu entladen. Wer sagt, die hohen Besucherzahlen speisten sich allein aus Ungläubigen, die sich von dem Elend lieber selbst überzeugen wollen, der lügt! Auf!

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~