reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Only food runs

Nach dem Offenbarungseid von neulich Woche bin ich geteert, gefedert und mit Schimpf und Schande aus der Stadt gerollt worden. In einer Welt der Mykologen war ich das Fungizid, so schien es, das durch seine pure Existenz das waldige Myzel bedroht. Während also die einen mit Pilzmessern und Weidekörbchen auf mich einhoben, raunten mir die Pilzi-, nein: Pazifisten unter ihnen Räte zu, die Weisheit, die reine Lehre, jahrhundertelang tradiert, hinter bemoosten Stämmen einander zugeflüsterpostet: „Schwamm ist gut, Lamelle böse“ und „Maronen gehen immer“. Ich so: „Ok cool“, kann ja sozusagen nichts mehr schiefgehen, und sogleich bin ich schwer gebeugt unter der Last meiner Ausrüstung in einen Wald gesaust, ganz weit weg, hinter den sieben Zwergen bei den sieben Bergen, so weit dass man gern noch Kieselsteine oder Krumen dabei gehabt hätte weil kein GPS und man weiß ja: Vor lauter auf den Boden starren kommst du vom Weg ab und verläufst dich sakrisch. „Vor lauter auf den Boden starren haben wir uns jetzt sakrisch verlaufen“, hat dann auch die Gretel zum Hänsel gesagt und sogleich einen kleinen Mulm verspürt. Weil die Ausrüstung war schon gut, nämlich aber im Auto gelegen, und deswegen leichte Kalbslederne und mangels Weidenkorb auch keine Jacke mehr, weil die hat man zu einem Sackerl zusammenstümpern müssen. Geschwitzt hab ich trotzdem, weil aus großer Furcht. „Mei schau, lieb!“ hab ich nämlich gleich am Abenteueranfang gerufen und zwischen Stein und Moos und sonstigem Naturunrat ein wunderschönes Cranium gezogen. Zu groß für einen Nager, zu klein für Hund, aber schön mit Zähnen wo man sagt: Arg viel Gras und Körner hat der nicht zu kauen vorgehabt. „Only food runs!“, hat der Hänsel da sogleich geschlaumeiert und wollt sagen: Wenn jetzt die Mama von dem toten Bärluchslöwe kommt, bleibst du lieber stehen. Ich so: „HAHAHAHA hier gibt’s doch keine so großen Raubtiere, du Depp! Aber was ist gleich wieder zu tun wenn die Wildschweinrotte …?“ und hab dabei meinen Blick übers umgepflügte Moosgrün schweifen lassen und hier und da einen kleinen Abrieb an einer Baumrinde gefunden, den ich lieber übersehen hätt. Das Jackensackerl hat sich sehr gefüllt, dann auch noch Kapuzen und Hosentaschen und Arme und grad als ich sehr eins war mit der Natur sagt der Spielverderber: „Du, welche Hasen und Rehe sind das gleich wieder, die drei Meter einen Baum hochkraxeln und dabei mit ihren süßen Pfötchen die Rinde vom Baum runterreißen … ?“ Sagen wir so, ich hab dann auch gefunden, dass es jetzt wieder langt, eine Stadtsehnsucht hat mich befallen und auch eine Sofaschwere, und später daheim hab ich ja noch Schwammerl putzen müssen. „Und du bist dir jetzt sicher dass das alles Maronen sind?“ hat sich der Spielverderber dann auch gleich gemeldet, nämlich als ich fertig war mit zwei Kilo Arbeit. Sagen wir mal so: Es gab dann doch nur Salat. Und vielleicht ist ja sich mit Strohsternen zu beschäftigen auch ehrenwert.

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~

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