reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Patina!

Vorbereitungen Silvester 2019. Circa zwanzig Jahre wenn nicht mehr war die wichtigste Party des Jahres im ähnlichen Trott verlaufen (Eckpunkte: In Schale werfen, Primaessen, befreundete Menschen, lustig, mehr Getränke, fremde Menschen, noch lustiger, Mitternacht, Sektflasche, Überschwemmung, Gsundsneues, BöllerscheißeaberRaketeschonschönirgendwie … etc. pp., Neujahrsproblematik). Dieses Jahr sollte es etwas wirklich Besonderes sein. Etwas Außergewöhnliches. Nämlich: nichts. „Party? Na!“ hatte ich ausgerufen und stattdessen „Patina!“ postuliert, mir in Windeseile eine sehr letzte Chance auf eine sehr winzige Bude in einem sehr bayerischen Wald organisiert und mich beim dortigen Hauswirt versichert, dass hier nichts, aber auch wirklich gar nichts an Silvesterbohei geboten sein wird. „Auch nicht macht die Dorffeuerwehr ein mittelheimliches Spanferkelgrillen, zufällig?“ hab ich besorgt gefragt und solches mehr, und aber „Naa!“ war die Antwort und es blieb sie auch. Sehr beruhigt bin ich einen Berg hinaufgegondelt, nur um oben keine Aussicht vorzufinden „Bestes Omen für das neue Jahr!“ hat mir das gefallen, und bin ich noch um einen See herumgekrautert und in Vorfreude aufs heimelige Couchsilvester verfallen. Und dann hab ich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Den nämlich, bei dem man Einkehr halten musste, weil wegen der vielen Wanderschaft und großer Durst und eh schon im Ort und keine Gefahr weil das größte Remmidemmi findet vor der Dorfkirche statt, da machen die Dorffrauen nämlich Plätzchenausverkauf mit Glühwein und einer schönen Auswahl un- oder wenn dann höchstens kirschgeweihtem Wasser, so ein Silvestergottesdienst, da musst du dich schon stärken vorher oder vielleicht auch hinternach, aber die Bude ist jetzt zu, „Aber du!“, hat der kirschbegeisterte Teufel hilfsbereit souffliert, „beim Wastl-Gasthaus-Pension-mit-Hausmetzgerei ist heut Silvesterspezial mit DJ Musik, da gehen wir jetzt geschwind vorbei und erfragen was da später noch geboten ist.“ Es war 17 Uhr und ich zögernd einverstanden, und so bin ich also den Berg wieder hinuntergetapst, im Outfit hat’s an der Festlichkeit eher gemangelt, und so gelangte man zum Wastl, der zwar spärlich besetzt, jedoch vollauf reserviert und im wahrsten Sinne hochdekoriert war. „Drinnen saßen stehend Leute, schweigend ins Gespräch vertieft“, nämlich eine erkleckliche Ansammlung von Menschengut, das mit wenig oder sichtbar zu hohen Erwartungen Platz genommen hatte. Der bestgekleidete Gast trug Nadelstreif und Fliege, es handelte sich um einen Säugling, DJ Musik trat alle Viertelstund aus den Gemächern und legte schmissiges aus der Schlagersammlung auf. Vereinzelt wippten Schultern. Ich war hingerissen. Träumte von Schieber mit dem Hausmetzger und Pogo mit der Kellnerin, vom Flipperduell mit Wastl und Entern der DJ Musik-Anlage, von Begegnung und Verbrüderung und … „Wir haben noch 7 Euro. Und außerdem dreckstehende Wanderklamotten an. Möchtest du fragen, ob wir Klamotten leihen und anschreiben lassen können?“ hat die kirschentgeisterte Stimme der Vernunft mich dann geweckt und das Halali geblasen. „ICH KOMME WIEDER!“ hab ich der Kellnerin versprochen und also das alte Jahr mit einer großen Lüge abgeschlossen. Kam ich gar nicht wieder. Dafür selig couchend im neuen Jahr an. Mach’mers gemeinsam? Dann hiev ich mich für euch wieder: runter vom Sofa!

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~