reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Pürschelbär

Im Jahr 2014, so ist zu lesen, gingen bei der Gesellschaft für deutsche Sprache knapp 500 Anfragen zu Vornamen ein. Davon konnten knapp 400 bestätigt werden, nur 44 Namen wurden abgelehnt. Darunter befinden sich Schönheiten wie „Blitz“, „Holunder“ oder „Celle“, wobei sich bei letzterem der Verdacht aufdrängt, es handele sich um eine ostdeutsche Übernahme der seltsamen Angewohnheit Prominenter, Kinder nach deren Zeugungsort zu benennen. Während ich mich frage, warum eigentlich niemand auf die Idee zu kommen scheint, seine Tochter „Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf“ zu nennen und damit zur Königin zu krönen, fällt mir die Geschichte vom „Pürschelbär“ wieder ein, die ich euch nicht länger vorenthalten kann, hat sie mich doch über Tage und Wochen vom Schlafenessenatmen abgehalten, weil aus mir eine Lachlava quoll, sobald ich mich der Geschichte entsann. Und das war oft.

Und das war so: Am ersten Tag des neuen Kindergartenjahrs drapieren sich Zwergenmenschen artig im Stuhlkreis, um reihum den KindergärtnerInnenden ihre Namen entgegenzukrähen. „Mia!“, „Luca!“, Fünn!“, quakt es fröhlich, „Sophie!“, „Willem-Alexander!“ und „Schantal!“ und wie man halt so heißt, „Emma!“, „Jonas!“, „Pürschelbär!“ Nanu, merkt die Erzieherriege auf, was war denn das? Vorstellig werden möge der Knabe, insistiert man. „Pürschelbär!“ – „Nein nein, Schätzchen, wie heißt du denn?“ – „PÜRSCHELBÄR!“, beharrt das Kind, und in seinem Gesichtlein zeichnet sich Unsicherheit ab, die bald in ausgewachsene Verzweiflung umschlägt, nämlich, als auch mehrere weitere Fragen die immer gleiche Antwort nach sich ziehen. „Pürschelbär, ich heiße Pürschelbär!“, weint das Kind verzweifelt in seine Kuscheldecke hinein, derweil außenrum der Mob in Tumult verfällt. „PÜRSCHELBÄR!“, krakeelt man hocherfeut, „Der heißt Pürschelbär!“

Bevor die Meute sich anschickt, einen Galgen aus Scoubidou zu knüpfen, schultert ein Pädagoge den aufgelösten Pürschelbär und eilt mit ihm nach draußen, wo stolz die namensgebenden Erzeuger warten. Man wisse jetzt auch nicht mehr weiter, beharre der Nachwuchs doch darauf, er höre auf den Namen Pürschelbär, rapportiert der Pädagoge, um aus erstauntem Elternmund zu hören, der Sprössling heiße selbstverständlich „Pierre-Gilbert“, was man daran jetzt so ungewöhnlich fände. Nun, das Kind fand dann zur Ruhe sowie seinen neuen besten Freund, von dem er später am Mittagstisch berichtete, er hieße „Scheißen“. Pierre-Gilbert und Jason sind bis heute eng verbandelt, aber so geht das eben, wenn das Schicksal seine wunderlichen Wege schmiedet.

/ Text: Katharina Wasmeier. Bild: Hannah Rabenstein /

~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa!“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten ~