Konzertbericht: Kettcar

Am zweiten Tag meines Konzertmarathons stand das heimliche Highlight auf dem Plan.
Die Hamburger Indiepioniere von Kettcar hatten sich angekündigt und dafür gesorgt, dass das Erlanger E-Werk seit Monaten bis auf den letzten Platz ausverkauft war.

Für mich gab es an diesem Abend gleich zwei Highlights. Kettcar und die Vorband. Fortuna Ehrenfeld verfolge ich bereits seit längerem und das erste Album „Das Ende der Coolness Vol.2″ lief bei mir monatelang auf Heavy Rotation.
Verständlich also, dass ich leicht euphorisiert war.

Und so viel schon mal vorweg, meine Euphorie musste nicht den Hauch eines Dämpfers aushalten, sondern wurde nur bestätigt. Fortuna Ehrenfeld eröffneten den Abend mit einem richtig tollen Set, welches beim Publikum auch gut ankam. Bei einem gemeinsamen Bierchen am Merch-Stand nach dem Konzert konnte man sich auch davon überzeugen, dass hier eine wirklich sympathische Kombo am Werke ist. Im Rahmen der Konzertreihe „deine neue Lieblingsband“ sind sie übrigens am 13.03. wieder in Erlangen. An eurer Stelle würde ich hingehen!

Kettcar schafften es dann, dass der Abend gänzlich perfekt wurde. Eine tolle Lightshow, bei der die Videos zu den Songs teilweise im Hintergrund abliefen, eine perfekte Setlist, gute Stimmung auf der Bühne. Ein Traum.
Bei der Setlist war ich etwas überrascht, dass „Sommer ’89“ schon relativ früh gespielt wurde, aber vielleicht wollten sie den Song einfach nicht zum Rausschmeißer machen. Dafür ist die Aussage einfach zu wichtig. In meinen Augen einer der wichtigsten Indiesongs der letzten Jahre, der es, wie auch das komplette neue Album, schafft bislang unpolitische Fans zu politisieren. Ein Freund von mir erzählte, dass er beim ersten Hören Tränen in den Augen hatte. Bis zu diesem Abend konnte ich das nicht verstehen und fand es etwas zu dramatisch. Bei den letzten Klängen hatte ich aber auch eine Gänsehaut und feuchte Augen. Ganz ganz groß!

Es war ein wunderbarer Mix aus neuen Songs und den alten Klassikern. Es wurde der Academy gedankt und an den Landungsbrücken rausgefahren. In einer kleinen „Emo-Runde“ (O-Ton Marcus Wiebusch) wurden die Balladen ausgepackt. Rettung, 48 Stunden und Balu ließen die Herzen höher schlagen. Bei den Zugaben wurde es noch einmal politischer. Es wurde der Marcus Wiebusch Song „Der Tag wird kommen“ gecovert, welcher das Thema Homosexualität im Profifußball behandelt. Auch hier lief im Hintergrund das Video, für das Fangruppen aus ganz Deutschland gewonnen werden konnten. Diese Tatsache zeigt deutlich, dass es eigentlich kein Thema mehr sein sollte.

Nach einem unglaublich guten Konzert endete der Abend erst mit nem Bierchen mit Fortuna Ehrenfeld, um danach festzustellen, dass man 2 Stunden auf den nächsten Zug warten muss. Also doch noch nen Absacker trinken. Zum Glück gibt es in Erlangen dann doch ein paar Kneipen. VGN, get your shit together! Kein Zug und keine S-Bahn zwischen 23 und 1 Uhr? What the Fuck?!

Aber auch dies konnte die Freude über einen wunderbaren Konzertabend nicht trüben.

kettcar.net/
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/ Text und Bilder: Simon Strauß /