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Nachbericht: Rock im Park 2017 (1)

Als Nürnberger waren wir natürlich am letzten Wochenende auch mehrheitlich bei Rock im Park. Und mehrere Leute heißt auch mehrere Meinungen. Hier kommt die erste. Und die ist quasi dramatisch:

Das Ende einer großen Liebe?!

Ach Rock im Park, ich weiß noch damals, unser erstes Kennenlernen.
Es war im Juni 2000. Du warst noch schnuckelig und so anders.
Du warst mein erstes Festival und ich habe mich direkt in dich verliebt.
In dieses 3 Tage nur von Bier und Dosenfutter ernähren. In den Geruch von Dixieklos.
In die versifften Gäste, in die Jeans voll Schlamm.
In das erste Mal bei KoRn Crowdsurfen. In die Bierkühlbox im VW-Bus, die selbst Montagmorgen noch kaltes Bier lieferte.
17 Jahre war ich dir treu und habe dich bis auf zwei Mal jedes Jahr aufs Neue besucht.

Mit dem Alter wurde auch der VW-Bus gegen das heimische Bett getauscht, aber wenn ich bei dir war, dann war es eigentlich wie immer.
Doch du hast dich über die Jahre hinweg verändert. Jedes Jahr ein kleines Bisschen. So, dass man es kaum merkt.
Die Headliner wurden größer, du hast auch etwas zugelegt. Irgendwann warst du doppelt so groß wie am Anfang.
Das Stadion wurde zum Zeppelinfeld, statt Alanis Morissette spielt Rammstein.

Rage against the Machine schauen trotzdem immer noch vorbei. Wie alte Freunde.
Genauso wie die Toten Hosen. Aus einem reinen Rock-Festival wurde jetzt eine Mischung aus Metal und Pop.
Macklemore gibt sich mit In Flames die Klinke in die Hand. Und auch wenn sich mein Musikgeschmack geändert hat, diese Mischung aus Wacken und Splash gefällt mir nicht.
Auch wenn ich Marteria abfeierte, so war es einfach nicht wie früher. Klar, da war auch mal Moby da, oder Seeed, aber irgendwie hast du dich zum Negativen geändert.

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Du bist nicht mehr das Rock im Park in das ich mich verliebt habe. Ich weiß nicht warum, ich versuche Gründe zu finden, aber ich finde sie nicht.
Ich kann einfach nicht genau den Finger darauf legen. Vielleicht ist es eine Kombination aus vielen Gründen.
Vielleicht bin ich zu alt, vielleicht bist du zu groß geworden.
Du gabst dir dieses Jahr wirklich Mühe, hattest mit Prophets of Rage, System of a Down, Rammstein, Beginner, Marteria, Kraftklub, Crystal Fighters und Feine Sahne Fischfilet richtig gute Mucke da.
Aber ich wurde nicht warm damit. Lag es an zu vielem 5€ Bier. Sehr gut möglich, aber das hatte ich in anderen Jahren auch.
Nur kostete es damals noch keinen Fünfer.
Lag es an einem Luxus-Campingplatz? Gut möglich.
Am beschissenen Einlasssystem? Auch gut möglich.
Am Publikum? Eher nicht.
Bei meinem letzten Besuch erhielt man auch als Nürnberger nach Vorlage des Ausweises sein Müllpfand wieder ohne etwas abzugeben.
In diesem Jahr wurde mir geraten doch meinen Hausmüll einzupacken.

Du warst schon immer Kommerz, aber irgendwie hattest du noch Charme.
Der starb spätestens mit der Verleihung eines „Rock im Park“-Awards an deine Securities.
Klar, die Jungs machen gute Arbeit, aber das war zu viel des Guten.

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Bei TV-Serien spricht man von „Jumping the Shark“ und du hast mit dieser Aktion einen Vorwärtssalto mit anderthalbfacher Schraube über einen Hammerhai gemacht.

Deshalb werde ich unsere gemeinsame Zeit in Ehren halten und immer in positiver Erinnerung.
Aber Rock im Park, ich möchte unsere Beziehung beenden und auch mal andere Festivals treffen.

In ewiger Verbundenheit, dein Simon

// Text: Simon Strauss / Bild: Pressfreigabe //