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Nachbericht: Rock im Park 2017 (2)

Endlich hab ichs auch geschafft, meinen Nachbericht fertigzuschreiben. War nicht ganz so einfach, weil ich mir die Erinnerungen erst von verschiedenen Stellen bestätigen lassen musste. Aber im großen und ganzen sollte es so gewesen sein…

Lange war ja gar nicht klar, ob ich überhaupt hingehen werde. Wie jedes Jahr war die Planung gleich Null und erst am Freitagvormittag erfolgte die Bändchenübergabe. Dafür kann dem Überbringer gar nicht genug gedankt werden und natürlich werde ich mich auch diesmal wieder 12 Monate lang revanchieren!

Freitag also kurzfristig alle Termine nach vorne verlegt, um pünktlich um 15:30 Uhr vor der Becks Stage zu stehen um die Crystal Fighters zu sehen. Alles andere am Freitag hatte ich schon irgendwann und -wo mal gesehen oder interessierte mich nicht. Nach Hetzerei und Stress um 15:20 Uhr da gewesen um als erstes zu hören, das die Band aus organisatorischen Gründen erst Nachts um 2 spielen wird. Ganz toll! Umsonst gestresst! Und Nachts um zwei Uhr hatte ich im Stereo die Gäste zu beschallen & bespaßen. Nun gut. Dann erstmal die Lage checken ob man jemanden findet, den man kennt. Und natürlich sollte der erste Getränkestand langsam angesteuert werden.

Etwas plan- und ziellos am Gelände umhergeirrt, dann doch aber recht schnell die „Crew des Todes“ erblickt. Das sollte sich als nützlich erweisen, immerhin hatten die Alkohol dabei! Da musikalisch nix wirklich interessantes anstand, wurde schnell der Konsum von alkoholischen Getränken in die Höhe getrieben. Da ich ja nicht wirklich ein Bier-Fan bin, hab ich mit Gin-Tonic angefangen. Aber bei den Preisen und der Menge, die man für die Preise bekommt, bin ich dann doch relativ schnell auf Bier umgestiegen. Mittlerweile haben sich auch noch mehr bekannte Gesichter gezeigt und das, was mir eigentlich an RIP gefällt, nämlich viele Leute treffen und dabei Alkohol zu konsumieren, ist in vollem Gange. Die Bands und Musik sind mir persönlich da meistens Wurscht und eher zweitrangig. Überraschenderweise war einer der beteiligten aus der Crew des Todes schon Freitag um 15:00 Uhr fern von Gut und Böse. Und das sollte sich bis Sonntag Nacht auch durchgehend nicht ändern… 95% des ganzen Wochenendes wurde vor der Becks Stage verbracht. Warum, weiß ich auch nicht so genau. Bequemlichkeit wahrscheinlich. Und da spielten auch die meisten Bands, die mich annähernd interessierten. Dadurch zwangsläufig auch 187 Strassenbande und Bonez MC & Raf Camora „gesehen“ bzw. „gehört“. Beides eher nebenbei und beides auch nicht wirklich begeisternd. Dazwischen ganz kurz der einzige Ausflug am ganzen Wochenende rüber zur Zeppelin Stage zu den Beatsteaks und da den hdiyl-Kollegen Simon getroffen. Aber nach 3 bis 4 Lieder hat es uns wieder zurück an den vertrauten Ort gezogen. Nicht, das ich die Beatsteaks nicht mag. Oder die Toten Hosen. Aber alles schon mehrfach gesehen und auf der Becks Stage spielten gleich die Beginner. Die waren zwar vor einigen Monaten in der Fürther Stadthalle und ich war da, hab mich aber das ganze Konzert damals verquatscht und nix mitbekommen. Also war das neben den Crystal Fighters mein eigentliches Highlight am Freitag. Leider musste ich nach der Hälfte der Show gehen. Mein Job im Stereo hat gerufen… Fazit vom Freitag: 6 von 10 Pfeffis.

Beginner – Ahnma – Live – RIP 2017 from Jens Riedel on Vimeo.

Den Samstag bin ich etwas ruhiger angegangen. Die Nacht vorher steckte noch in den Knochen. Außerdem stand nicht wirklich irgendwas unbedingt Sehenswertes für mich auf dem Spielplan. So kams, das ich erst gegen 18:00 Uhr auf dem Gelände eintraf. Als erstes den nächsten Bierstand angesteuert und ein Radler gekauft (wie gesagt, die Nacht vorher…) und versucht, Teile der Freitags-Gruppe wiederzufinden. Nach vielen bekannten Gesichtern, mit denen immer ein kleiner Plausch verbunden war, wieder am gleichen Platz wie am Vortag gelandet. Das einzige, was ich am Samstag sehen wollte, waren AnnenMayKantereit und Macklemore. Reste von Jake Bugg hab ich noch mitbekommen. Sorry, keine Erinnerung mehr, und Genetikk lief so nebenbei während man dem Gerstensaft frönte und sich verdammt nochmal fragte, warum es bei RIP keinen Pfeffistand gibt. Nach einigen sagen wir eskalativen Ausfällenvon Teilen der Crew des Todes hab ich versucht, mich auf AnnenMayKantereit zu konzentrieren. Hat auch geklappt. Schönes Konzert. Ich mag die ja. Seit sie vor zig Jahren noch völlig unbekannt im Stereo gespielt haben, bin ich „Fan“. Naja, ein bisschen zumindest.

Überraschenderweise hat das Wetter ganz gut gehalten, obwohl ja viel Regen angekündigt war. Der sollte noch kommen… Direkt im Anschluss spielten Macklemore & Ryan Lewis. Mein eigentliches Highlight dieses Jahr. Leider vorher noch nie gesehen und für mich einer der besten Musiker aus dem Hip-Hop Berreich der letzten Jahre. Großartige Show! Hat alles gehalten, was ich mir versprochen hab. Nur die beiden auf die Bühne geholten Gäste, die eine kurze Tanzeinlage hinlegen mussten, waren etwas zum fremdschämen.

Natürlich musste ich auch diesmal wieder in die Klaragasse ins Stereo und natürlich hat pünktlich nach dem letzten Konzert der Regen eingesetzt. Und wie! Völlig durchnässt am Gutmann angekommen und da gefühlte 90 Minuten im Regen auf ein freies Taxi gewartet. Sauber. Fazit: 7 von 10 Pfeffis.

Am Sonntag stand um 16:55 Uhr Liam Gallagher auf der Bühne und ab dem Zeitpunkt standen wir bis zum Ende natürlich wieder auf dem angestammten Platz. Die Gruppe war am Sonntag auch um einiges angewachsen und das der Bierkonsum am letzten Tag nochmal in die Höhe geschossen ist, muss nicht extra erwähnt werden… Liam Gallagher war übrigens schlecht. Also so wirklich nicht gut. Schade eigentlich. Bei Simple Plan wurde ein wenig der Jugend nachgetrauert und danach kam mit Rag´n´Bone Man mein zweites Highlight dieses Jahr. Der Kerl hat eine unfassbar unter die Haut gehende Stimme. Auch, oder gerade, live. Unfassbar!

Bastille danach liefen wieder mal eher nebenbei und haben halt abgeliefert. Wird bestimmt nicht für Jahre in Erinnerung bleiben. Im Gegensatz zum letzten Konzert, und meinem dritten Highlight. Marteria. Erst ein paar Tage zuvor erschien sein neues Album, das ich für die Rezension hier tagelang rauf und runter hörte und für sehr gut einschätze, war ich bestens vorbereitet. Und das der Kerl live immer einen Komplettabriss liefert, ist ja allseits bekannt und durfte von mir auch schon mehrfach bestaunt werden. So war es auch heute. Krass auch, das der Gute seinen abgesagten Auftritt vom Freitag bei Rock am Ring am Sonntagnachmittag nachlieferte, danach ins Flugzeug stieg, und Nachts bei uns sein zweites Konzert innerhalb ein paar Stunden ablieferte. Und das mit einer unfassbaren Energieleistung. Respekt! Das soll ihm erstmal einer nachmachen. Einen Tag nach RIP hat er bekannt gegeben, das er im Dezember im Rahmen seiner Tour auch nach Nürnberg kommt. Schaut euch das unbedingt an, wenn ihr ihn noch nicht live gesehen habt. Und wenn schon, geht trotzdem hin!

Wie schon die Tage zuvor, musste ich auch diesmal am Ende wieder in den schönsten Indie-Club der Stadt und so endete das Wochenende mit viel Alkohol und wenig Schlaf am Montag früh um 6:20 Uhr endlich im Bett! Sonntag-Fazit: 9 von 10 Pfeffis.

Ich kann Simons Fazit zum Teil nachempfinden, zum Teil auch nicht. Für mich war RIP nie die große Liebe und wird es auch nie sein. Die anderen großen Festivals sind alle um Welten besser. Vor allem vom Line-Up. Southside, Melt, Dockvile, Sziget. Alles Festivals, die man viel mehr genießen kann als RIP. Bei RIP ist das besondere für mich das es eben in Nürnberg ist. Also direkt vor der Haustür. Das man immer irgendwelche Leute trifft, die man kennt. Und nebenbei auch noch die ein oder andere gute Band sehen kann. Und ich werd bestimmt auch nächstes Jahr wieder da sein, um den Umsatz an den Bierständen in die Höhe zu treiben. Vielleicht mach ich ja auch nen Pfeffi-Stand auf…

Danke an R.W.! Und nächste Jahr bitte mit E.M.G.!

// Text: Jens Riedel / Bilder & Videos: Jens Riedel //