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Nachbericht: Ute Lemper

Hätte mir mal einer gesagt, dass ich zu einem Ute Lemper Konzert gehen würde, ich hätte der Person den Vogel gezeigt. Warum? Ich bin ihr nicht abgeneigt, dachte nur, es dauert noch ein paar Jährchen bis mir das passieren würde. Muss ja zur Zielgruppe passen …
Doch für die Oma geht man dann mal mit zu Ute Lemper ins Maritim Hotel und schaut sich das Ganze an. So saßen gleich drei Generationen (Oma, Mutter und ich) schön schick auf ihren Plätzen, in der Hand das Getränk, wartend auf die Dame des Abends.

Wenn ich an Ute Lemper denke, dann fallen mir sofort ihre langen Beine ein, die Frau hat für ihr Alter und nach vier Kindern eine Wahnsinnsfigur! Und ihre auffallenden Augenbrauen. Das war auch mit das erste, was ich von ihr sah. Die Frau betrat mit einer Eleganz die Bühne, das war ungeheuer, und überhaupt – wie sie sich bewegen konnte, da wurde ich doch glatt neidisch! Würde ich mir gerne eine Scheibe von abschneiden.

Das Wort Konzert ist für den Abend nicht das passendste. Show passt dann schon eher. Was mich an Ute Lemper fasziniert, ist ihre beeindruckende Stimme und wie sie sich bewegt. Sie kann ihre Stimme so vielseitig einsetzen. Mal ganz leise, verletzlich und schüchtern, dann wieder laut, frech oder verrucht. Sie hat ihr Publikum mit auf eine Reise genommen, die Reise des Tangos und ihres Lebens. Wir waren in Berlin, Amsterdam, New York, Paris und Buenos Aires und Chile. Begleitet wurde die gute Ute vom Klavier und Bandoneon (sieht aus wie ein Akkordeon, nur in klein und schmal).

Es war schon ein ganz anderer musikalischer Abend als sonst. Das wurde mir auch gleich anfangs bewusst, als darauf hingewiesen wurde, dass es keine Pause geben würde. Naiv dachte ich nur, warum sollte es eine Pause geben? Gibt kein Vorprogramm oder in der Art und auf Toilette muss man ja auch nicht gehen. Ein kurzer Blick ins Publikum ließ mich erkennen, dass es sich hier um eine ganz klar andere Altersgruppe handelte. Fotos waren auch nicht gestattet und es wurde schon verraten, was einen erwarten würde. Der klassische Überraschungsmoment „Ah sie singt auch Chansons“ war dahin. Das störte aber gar nicht, denn Ute Lemper braucht keine Überraschungsmomente. Die Frau ist eine einzige/einzigartige Erscheinung und lässt einen mit offenem Mund im Publikum sitzen.

Zum Schluss sang sie Édith Piafs „Non, je ne regrette rien“ und damit ist es auch gesagt: Ich bereue diesen Abend ganz und gar nicht! Es war eine ganz wunderbare Erfahrung!

www.utelemper.com

/Matilda Pfeil/