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Nachbericht: Vintage Poolparty

Dass man mit „Poolparty“ gern kurvige Schönheiten assoziiert, die sich wohlig am Beckenrand räkeln – gewährt. Dass die Schönheiten, die sich am vergangenen Samstag an den Beckenrändern des Stadionbades in ihrem eigenen Glanz sonnten, so gar nicht menschlich waren, war nicht nur höchst ungewöhnlich sondern Sinn und Zweck des Ganzen. Bei der „Vintage Pool Party“ drehte sich alles um die Ästhetik längst vergangener Zeiten. Und wir sagen: Bitte mehr davon!

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Geil! Caddys und Mustangs, Buicks und Fairlanes soweit das Auge reicht! Form, Glanz, Sound – alles perfekt. Wer die alten Autos nicht eh schon liebt, der verfällt ihnen spätestens auf den ersten Metern nach Betreten des Bades. Rund um den Pool, ordentlich aneinandergereiht, ein automobiles Museum, das man so nie zu sehen kriegt. Außer vielleicht, man verirrt sich am ersten und dritten Samstag eines Monats zum Stadler-Parkplatz. Da nämlich treffen sich im Rahmen des „Saturday Nightcruise“ Autoverrückte aus mittlerweile ganz Deutschland, deren Herzen für Ami-Schlitten und Oldtimer schlagen.

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Die alle sind am Samstag gekommen, um zu protzen und zu gucken, gesehen und gesehen werden. Vor allem aber, um sich zu freuen. Wüstenfunde sind dabei und Autos, die aussehen, als könnten sie sich jeden Moment in Optimus Prime, den Autobot, transfomieren. Uralte, restaurierte Traktoren oder nagelneue Gespanne von unschätzbarem Wert, Fahrzeug und dazu passendes Motorboot, fabrikneu, seit den 1960er Jahren kaum bewegt.

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Während einem im oberen Bereich Augen und Herzen gleichsam übergingen, war im unteren stilechtes Programm geboten. Auf dem Weg dorthin konnte sich, wer wollte, passende Frisuren und Klamotten besorgen. Das hatten allerdings die wenigsten nötig. Das ganze Areal war voller Petticoats und kunstvollen Haartollen, Polkadots und Hawaiihemden, eine geballte Reminiszenz an die 50er, 60er und 70er Jahre auf Picknickdecken und Tanzflächen, die eifrig zwischen den Programmpunkten (Rockn’n’Roll und Boogiewoogie, eh klar) oder auch währenddessen genutzt wurden. Neben den gewohnt lässigen Rockin‘ Lafayettes, deren kerniges Waschbrettgeschrammel irgendwie einfach immer geht, gab’s beispielsweise einen imposanten, wenngleich arg kurzen Auftritt der „Tonic Sisters“: Drei Damen in Uniformen, die sich mit historischem Jeep die Treppen rauf zur Bühne bringen lassen und sehr sexy, sehr wohlklingend und sehr durchchoreographiert Swing-Klassiker zum besten geben.

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Egal von welchem Punkt des riesigen Areals man auf das Geschehen guckte: Alles sah von vorn bis hinten großartig aus inklusive der Damen von „Sandybel“, die auf rosa Fahrrädern Cakepops aus dem Fahrradkorb verkaufen. Dass man bei den Herrschaften von „Guerilla Gröstl“ oder „Boogies BBQ“ unter Umständen lange Wartezeiten in Kauf nehmen muss, ist man ja irgendwie gewohnt und gibt sich demütig seinem Schicksal hin. Dass die „Tucher“ mitmischt und sich gern mal im Preis vertut, ist man auch irgendwie gewohnt – demütig hinnehmen, dass die brauereieigenen Stände 0,3 Liter Grüner für 2,50 Euro verwuchern, musste man erfreulicherweise nicht: Am anderen Ende des Bades gab’s von der „Bordgastronomie“ zum einen 0,5 Liter für 2,70 Euro und ganz kostenlos dazu gutgelaunte Zapfer.

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„Gutgelaunt“ war eh eigentlich das Motto der von Marcus Mühlbauer ins Leben gerufenen Veranstaltung: Absolutes Traumwetter, eine Kulisse, die zumal im Sonnenuntergang (ja, Kitsch! Geil!) nicht schöner vorstellbar hätte sein können und dazu lauter ganz junge bis ganz alte glückliche Gesichter, die sich vom ach-so-weiten Weg zum Stadionbad und den absolut gerechtfertigten 14 Euro Eintritt zum Glück nicht haben abschrecken lassen. Ganz dringend wünscht man sich mehr solcher Feiereien!

/ Text & Bilder:Katharina Wasmeier /

www.saturday-nightcruise.de
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