Nachbericht: Unter einem Dach Festival 2026 im E-Werk
Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen langsam, die Sonne zeigt sich teilweise schon von ihrer wärmsten Seite – es liegt also wieder dieses eine Gefühl in der Luft: Die Festivalsaison beginnt! Am 8. Mai gab es mit dem „Unter einem Dach Festival“ einen vielversprechenden Auftakt im Erlanger E-Werk.
Unter blauem Himmel eröffnen „Die Arschlöcherinnen“ um 18:45 Uhr im gut gefüllten Biergarten den Abend. Die Gartenbühne gehört in diesem Jahr den „Locals“, zwei Stunden später werden „Nachtkinder“, ebenfalls aus Nürnberg, die Bühne rocken. Aber zurück zum Anfang. Zum Intro ihres Songs „Valentinus“ betreten Die Arschlöcherinnen die Bühne und bringen nicht nur klare Haltung, Lyrics über Empowerment und Kritik am Patriarchat, sondern auch geballte Energie mit. Der Garten füllt sich schnell und in den ersten Reihen wird Merchandise übergezogen und getanzt. In typischer „Festival-Manier“ dauert es auch nicht lange, bis das Publikum Teil der Show wird und so zieht plötzlich, von Sängerin Sabrina angeführt, eine lange Polonaise durch den gesamten Biergarten. Die Stimmung ist ausgelassen, das Publikum glücklich und Die Arschlöcherinnen“ liefern noch mehr Energie und Ohrwurm-Hits mit starker Message!


Im Saal lauschen die Besucher:innen, die sich nicht im Garten tummeln, gerade den Klängen von „YUNUS“. Gefühlvoll, poetisch und zwischenzeitlich sogar mit Bratsche präsentiert der Musiker seine Songs, die nach Indie, Pop und ein wenig Hip Hop klingen. Die Tracks sind nicht nur bei TikTok & Co. virale Hits, sondern treffen auch die Menschen im E-Werk direkt ins Herz.


Während im Garten noch immer mit den Arschlöcherinnen getanzt wird, geht es für uns weiter zur Kellerbühne. Der Raum, dessen große Stufen meistens mit Tischen und Stühlen bestückt sind, bietet heute viel Platz für das Publikum, das sich jetzt für den nächsten Act bereit macht. Nach Rap und Elektro im Garten und Indie und Pop im Saal ist nun mit Alternative-Rock auf der Kellerbühne das Genre-Bingo fast komplett. „Crimson Bloom“ kommen unter Applaus auf die Bühne und lassen die Raumtemperatur mit ihrem Sound innerhalb weniger Minuten deutlich steigen. Die Energie ist ansteckend und der Sound catchy. Der dritte Act des Abends macht Lust auf mehr!


Auch wenn wir den rockigen Riffs von Crimson Bloom gerne noch länger lauschen würden, ziehen wir weiter in den ersten Stock des E-Werks. Vorbei am Saal, wo Yunus gerade seinen letzten Song spielt, führt uns der Weg nach oben in die ETAGE 1, die vierte Bühne des Festivals. In rotes Licht getaucht beginnt hier gerade „SCHRAMM“ sein Set. Irgendwozwischen Indie-Rock, Dark-Wave und Post-Punk zieht der Musiker das Publikum in seinen Bann. Raum, Lichtstimmung und Sound verschmelzen und kreieren eine fast schon mystische Atmosphäre. Nur schwer können wir uns von dieser Stimmung losreißen, behalten den Künstler aber – wie auch alle anderen – ganz oben auf der „Müssen wir nochmal live sehen“-Liste!


Zurück im Saal erleben wir dann „FYNE“, die vom berührten und gleichzeitig begeisterten Publikum gefeiert wird. Indie-Electro-Pop schallt durch die Boxen, ab und zu wird die Künstlerin in Nebel gehüllt. Zeit für ein kurzes Zwischenfazit: Sowohl bei FYNE als auch bei allen anderen bisherigen Acts findet man sich zwischen glücklichen Gesichtern und lockerer Stimmung wieder: Das Festival-Feeling ist bei allen angekommen! Die Besucher:innen wechseln freudig zwischen den Bühnen, es wird getanzt und gesungen und im Biergarten sind Kaltgetränke, Austausch und Networking angesagt.


Apropos Biergarten: Dort betreten „Nachtkinder“ kurz vor Sonnenuntergang die Gartenbühne. Gitarre(n), Keyboard, Drums und eine mit Lampen dekorierte Bühne machen das Bild und die Atmosphäre rund. Der Indie-Alternative-Rock-Sound gepaart mit Texten über Sehnsucht, Liebe oder auch Schmerz ist geheimnisvoll und ausdrucksstark zugleich und das Publikum verspürt ab der ersten Minute großen Bewegungsdrang. Während die Sonne langsam untergeht, nehmen Nachtkinder die Menge mit auf ihre ganz persönliche Reise und lassen sich mit lautem Jubel und Applaus feiern.


Nebenan in der Kellerbühne wird „Christin Nichols“ ebenfalls unter lautem Jubel begrüßt. Die deutsch- britische Künstlerin knüpft mit ihrer Live-Band an den Indie-Rock-Sound aus dem Garten an. Ihre Energie und gute Laune steckt alle Menschen im Raum sofort an. Gute Laune ist auch das Stichwort des Abends. Ob vor den Bühnen, auf den Gängen oder im Biergarten wird klar: Musik verbindet, Musik macht glücklich!


Nach ein paar Songs von Christin Nichols geht es für uns zurück nach oben in die ETAGE 1 zu „Siggi“, dessen Set in dunkelblaues Licht getaucht beginnt. Der Künstler, der Indie- Pop, Rap und Punk verknüpft, erntet nicht nur für seine emotionalen Songs große Anerkennung und Begeisterung, sondern auch für seine Ansagen zwischen den Liedern. Als er erzählt, dass er als Krankenpfleger arbeitet, fliegt ihm tosender Applaus entgegen. Das Unter einem Dach Festival präsentiert nicht nur facettenreiche Künstler:innen und Genres, sondern kreiert von ganz alleine eine kleine „Bubble“, in der man sich einfach wohlfühlt.


Für den neunten Act des Abends versammeln sich kurze Zeit später viele Besucher:innen wieder im Saal. Hier betritt „JAS“ mit seiner Band die Bühne, im Publikum sind alle Augen gespannt auf ihn gerichtet. „Indie-Pop mit viel Gefühl“ steht in unserem Vorbericht – und genau das zeigt der junge Künstler. Die teilweise hymnenartigen Songs füllen den Raum und manche Menschen liegen sich singend in den Armen. Für einen Song ist der Musiker in ein Spotlight getaucht, andere Lieder verleiten den Saal zum Springen und Tanzen. Eine gelungene Mischung aus viel Gefühl und Lebensfreude!


Ein letztes Mal geht es nun zur Kellerbühne, wo „Emma Rose“ gerade ihren ersten Song performt. Die Stimmung scheint schon jetzt den Höhepunkt erreicht zu haben und immer mehr Menschen bahnen sich ihren Weg in den mittlerweile gut aufgewärmten Raum. Erst vier Tage vorher war Emma Rose im E-Werk zu sehen – als Support von „BLOND“. Heute spielt sie ihre eigene Show und das Publikum ist restlos begeistert. Mit einer großen Portion Sympathie und Schmunzeln präsentiert sie ihre Indie-Pop Songs, die uns den restlichen Abend über noch im Ohr bleiben.


Ähnlich aufgeheizt wie in der Kellerbühne ist auch die Raumtemperatur in der ETAGE 1: „Lovehead“ aus Österreich bringen geballte Indie-Rock-Power mit! Von der ersten Reihe bis in den kleinen Nebenraum stehen die Menschen dicht zusammen – diese Show will scheinbar niemand verpassen! Und schnell ist klar: Auch hier nehmen wir den ein oder anderen Ohrwurm mit nach Hause.


Das „Finale“ des Unter einem Dach Festivals startet dann um 23:15 Uhr im Saal mit „Lara Hulo“. Jetzt werden nochmal alle Kräfte gesammelt und das Energielevel auf den Höchststand gebracht. Klein und Groß feiern hier eine ausgelassene Party – begleitet vom Sound der Künstlerin, die zwischen Spaß, Ernst, Melancholie und Feierlaune ihre Songs zum Besten gibt. Man kann es nicht anders beschreiben: Diese Show macht einfach Spaß! Das beweisen auch die freudigen Gesichter im Publikum. Was für ein schöner Abschluss dieses Festivals!


Mit 12 Acts auf vier Bühnen haben wir beim diesjährigen Unter einem Dach Festival einen abwechslungsreichen, stimmungsvollen und vor allem energiegeladenen Abend erlebt. Jede Show war ein individuelles Highlight für sich. Das konnten wir nicht nur an den Gesichtern der Besucher:innen ablesen, sondern war auch auf Seiten der Acts deutlich spürbar. Großen Anteil daran hatte unserer Meinung nach auch die Diversität des Line-Ups, was wir an dieser Stelle noch einmal betonen und anerkennen möchten. Unterschiedlichste Genres und Menschen haben sind hier auf und vor den Bühnen verschmolzen – und haben uns einen wunderbaren Auftakt in die diesjährige Festivalsaison beschert!
// Text & Bilder: Sarah Weinberg //
