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Nachbericht: Grossstadtgeflüster in Stuttgart

Am 2. Mai 2025 waren Grossstadtgeflüster gemeinsam mit ihrem Support-Act Vandalisbin im LKA Longhorn in Stuttgart zu Gast. Im Zuge ihrer „23 2/3 Jahre Jubiläums Tour“ spielte die Berliner Elektropop-/Punkband insgesamt 21 Konzerte.

Als Helena (Gesang) gemeinsam mit deren Band die Bühne betrat, brauchte das Publikum zunächst eine Weile, um wirklich zur Ruhe zu kommen. Davon ließ sich die sympathische Band jedoch nicht irritieren. Mit ihrem Indiepop/Punk, poetischen und zugleich humorvollen Texten sowie einer gewissen Tiefe schafften sie es schnell, vor allem den vorderen Teil der Crowd abzuholen und zum Mittanzen zu bringen. Da sich viele den Namen „Vandalisbin“ offenbar nur schwer merken konnten, faltete die Frontsängerin kurzerhand aus ihren Flyern zwei Papierflieger und ließ diese über die Menge fliegen.

Außerdem verriet sie, dass sie selbst großer Fan von Grossstadtgeflüster sei, und drückte ihre Dankbarkeit aus, heute als Support-Act auf der Bühne stehen zu dürfen. Leider war die Tonqualität zeitweise etwas ungünstig eingestellt, weshalb man sie nicht immer gut verstehen konnte. Trotzdem war Vandalisbin ein passender Support-Act, der mich definitiv überzeugen konnte.

Mit viel Energie und einer großen Portion Ironie betraten nach einer kurzen Pause schließlich Grossstadtgeflüster die Bühne und spielten ein knapp zweistündiges Konzert mit einer bunten Mischung aus älteren Songs und Liedern ihres neuesten Albums. Schnell ließ sich die Crowd von der guten Laune der Band anstecken. Sängerin Jen Bender erzählte, wie schön es sei, diese Tour spielen zu dürfen. Mit einem Augenzwinkern fügte sie hinzu, besonders freue sie sich auf den Abend in Stuttgart, schließlich sei es für die Berliner Band fast schon ein „Heimspiel“.

Trotz der sehr vollen Halle und des teilweise hohen Alkoholkonsums im Publikum schaffte es Grossstadtgeflüster durch ihre Awareness-Ansagen, einen Safe Space zu schaffen, in dem sich jede*r wohlfühlen konnte. Keine Männer mit ausgezogenem Shirt, keine schiefen Blicke gegenüber tanzenden Frauen oder Fans, stattdessen eine respektvolle und ausgelassene Stimmung.

Beim Song „Weil das morgen noch so ist“ sprangen plötzlich riesige Luftballons über die Köpfe der Fans hinweg. Kurz darauf kündigte Keyboarder Raphael Schatz einen besonderen Teil des Sets an: „Alte Songs im neuen Gewand“ welches nun mit Hilfe eigens dafür präsentierten Jingles angekündigt wurde. Ältere Songs wie „Kartoffelsuppe“ oder „Couch“ wurden neu arrangiert und in anderen, meist akustischen Balladen-Versionen gespielt. Schlagzeuger Chris Falk tauschte dafür sogar zeitweise sein Schlagzeug gegen einen Regenmacher. Nach kurzer Verwirrung zeigte sich die Menge begeistert von der ungewöhnlichen Umsetzung.

Beim Song „Feierabend“ verwandelte sich die Halle schließlich in ein Farbenmeer: Pünktlich zum Refrain schossen riesige Konfettistreifen durch die Luft und machten den Moment noch euphorischer. Zwischen tanzenden Papierstreifen und lautem Mitsingen erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt. „Ihr seid ja nicht nur schön, sondern auch schlau!“, staunte Jen Bender lächelnd über die Textsicherheit der Fans.

Ganz klassisch animierte die Band die Crowd außerdem dazu, sich bei „Hallus“ für den Drop in die Hocke zu begeben und anschließend gemeinsam hochzuspringen „Menschen mit Knieproblemen sind entschuldigt“. Die Fans waren nicht nur darauf vorbereitet: Während des Punk-Medleys entstanden unter anderem eine riesige „Wall of Love“ und das ganze Konzert über immer wieder Circle Pits.

Besonders auffällig war an diesem Abend die große Dankbarkeit, die Grossstadtgeflüster ihren Fans gegenüber zeigten. Jen Bender verglich die Crowd scherzhaft mit „ganz vielen Telepromptern“ aufgrund ihrer enormen Textsicherheit. Außerdem freute sie sich über die sichtbare Diversität im Publikum: von einem achtjährigen Kind in der ersten Reihe bis hin zu einer 70-jährigen Besucherin schien sich hier wirklich jede*r willkommen zu fühlen.

Auch die Vorband Vandalisbin bekam später noch einmal ihren Moment: Für einen kleinen Gastauftritt kehrte sie auf die Bühne zurück und durfte gemeinsam mit einer ihrer Lieblingsbands auf der Bühne stehen.

Als Zugabe und gleichzeitig als Song, mit dem damals unter einem Baum mit Stift und Papier alles begann, spielte die Band schließlich „Ich muss gar nichts“. Mit den Worten „Wir sind GSGF und wir haben euch lieb“ verabschiedeten sich Grossstadtgeflüster liebevoll aus dem LKA Longhorn.

Grosstadtgeflüster bewiesen in Stuttgart einmal mehr, warum sie seit über zwei Jahrzehnten so viele Menschen begeistern. Zwischen Humor, gesellschaftlicher Offenheit, energiegeladenem Punk-Feeling und emotionalen Momenten schuf die Band einen Konzertabend, der nicht nur musikalisch überzeugte, sondern vor allem durch seine besondere Atmosphäre in Erinnerung bleibt. Ein Abend voller Euphorie, Gemeinschaft und ganz viel Liebe für die Musik.

// Text & Bilder: Annabel Bader //