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Nachbericht: Blond im E-Werk

Blond waren vor kurzem auf ihrem zweiten Teil der „Ich träum doch nur von Liebe“ Tour. Am 4.5. waren sie im E-Werk in Erlangen und spielten dort im Zuge dieser Tour ihr Konzert zum neuen Album. Auch ich war gerne mit dabei, und wollte euch davon berichten.

Als Vorband betrat pünktlich um 20:00 Uhr Emma Rose gemeinsam mit ihrer Band die Bühne und zog das Publikum schnell in ihren Bann. Warum sie an diesem Abend in Adiletten und Socken auftrat, blieb zwar unbeantwortet, doch dafür bekam die Crowd einen umso besseren Einblick in ihre Musik.

Mit Songs über das „todernste“ Thema Männergrippe bis hin zu einem bislang unveröffentlichten Track begeisterte sie die Zuschauer:innen im Handumdrehen. Mit einem Schmunzeln erzählte Emma außerdem, dass sie bereits in wenigen Tagen erneut im E-Werk beim UnterEinemDach Festival spielen werde und sie sich freuen würde, dort einige Gesichter wiederzusehen (Nachbericht HIER). Dabei zeigte sie sich sichtlich dankbar gegenüber den Blondinators und Blond dafür, als Vorband mit auf Tour genommen worden zu sein. Thematisch bewege sie sich vor allem in ihrer „Nische“ des Singlelebens und nerviger Macker – ein Bereich, dem sie mit ihren Texten auch weiterhin treu bleiben wolle.

Nach einer grandiosen, stimmungsvollen Playlist, die das Publikum mit Songs wie „I Don’t Care – I Love It“ und „Denkmal“ perfekt auf den Abend einstimmte und zum Mitsingen sowie Tanzen brachte, richteten sich alle Blicke auf einen riesigen Vorhang, der die Bühne verdeckte und die Spannung im Raum spürbar steigen ließ. Fast wie von selbst begannen die Blondinators nun, die typischen Fangesänge der Formation Blond anzustimmen. Nach einigen Minuten wurden diese jedoch von den ersten Tönen des Songs „16 Jahre“ unterbrochen – und schnell wurde klar: Der große Moment rückte näher. Kurz darauf fiel der Vorhang und gab unter lautem Jubel den Blick auf die Bühne frei.

Nach den ersten Songs erklärte Frontsängerin Nina Kummer die „Moshpit-Regeln“ auf einem Blond- Konzert. Diese seien, laut ihr, grundsätzlich FLINTA-Moshpits. Männer dürften zwar „zu Gast“ dabei sein, gute Gäste hätten jedoch Manieren. Was genau das bedeutet, erklärte die Sängerin anschließend augenzwinkernd dem Publikum. Wer sich danebenbenehme, müsse damit rechnen, dass ihm die „Gastprivilegien“ direkt wieder entzogen würden.

Zwischen vielen Songs des neuen Albums und einigen älteren Liedern gab es während der Show einen Moment, in dem die Fans ihre selbstgebastelten Plakate in die Höhe halten sollten, damit Nina und Lotta diese vorlesen konnten. Zuvor hatte Blond auf Instagram dazu aufgerufen, möglichst viele Schilder mitzubringen – und das ließ sich Erlangen nicht zweimal sagen. Schnell füllte sich die Halle mit bunten und kreativen Plakaten.Neben einem „Blond-Mathe“-Plakat und einem „Busticket für Lotta“, nachdem diese beim Schwarzfahren erwischt wurde und das bereits Thema im Podcast war, sorgte vor allem eine andere Geschichte für Aufmerksamkeit: Eine Besucherin hatte vor dem Konzert offenbar eine Dosenlasche verschluckt. Das interessierte Blond so sehr, dass ihr kurzerhand das Mikrofon in die Hand gedrückt wurde, damit sie ihre Geschichte selbst erzählen konnte.

Nicht nur die Blondinators hatten Plakate vorbereitet – auch die Band selbst. Drummerin Lotta Kummer präsentierte schließlich stolz ihr eigenes Schild, auf dem einer der neuesten Fangesänge geschrieben stand, der anschließend gemeinsam mit dem Publikum angestimmt wurde.

Vor dem Song „Bare Minimum“ wurde außerdem Keyboarder Johann vom gesamten Publikum regelrecht „angebetet“, um das Patriarchat humorvoll aufs Korn zu nehmen. Auch der neue Merch bekam seinen großen Auftritt: Mithilfe einer theatralischen Traumreise, die von der Band mit viel schauspielerischem Talent inszeniert wurde, machten Blond auf die neuen Produkte aufmerksam- die Moral der Geschicht war auf jeden Fall , mit Blond Merch besiegt man jeden Bösewicht.

Nun zeigte sich Blond sichtlich dankbar gegenüber den eigenen Fans und schwelgte gemeinsam mit dem Publikum in Erinnerungen. Die Band erzählte von ihren allerersten Auftritten – unter anderem bei Johanns Jugendweihe. Damals saß Nina mit einem riesigen Hut auf einem Barhocker, während Lotta statt eines normalen Einzählens nur fragte: „Johann? Are you ready?“, woraufhin dieser mit einem begeisterten „Ready to rock!“ antwortete.

Auch wenn die Fangemeinde über die Jahre immer größer geworden sei, habe sich bei Blond selbst gar nicht so viel verändert. Noch immer stünden sie gemeinsam auf der Bühne und dürften live spielen – inzwischen bereits seit 15 Jahren. Dafür zeigte sich die Band an diesem Abend besonders dankbar.

Für eine besondere Überraschung sorgte die Band, als sie plötzlich im hinteren Teil der Halle auftauchte und dort schmunzelnd erzählte, dass Johann Erlangen ein Liebeslied geschrieben habe. Anschließend coverte Blond den Song „Ohne dich (schlaf ich heut Nacht nicht ein)“ der Band Münchener Freiheit, welcher mit einem finalen Blockflötensolo von Nina und tosendem Applaus endete.

Bei dem Lied „Es könnte grad nicht schöner sein“ schien die Crowd dann jedoch plötzlich in einer Art Zeitschleife festzustecken. Diese sollte sich erst auflösen, wenn im Moshpit mindestens vier Kunststücke präsentiert würden. Kurzerhand verwandelte sich das Blond-Konzert also in eine Talentshow: Neben einem Spagat und einem Handstand wurde sogar ein Wurmtanz aufgeführt. Der krönende Abschluss folgte schließlich direkt danach – das Lied ging weiter und der Moshpit verwandelte sich wieder zurück in einen „normalen“ Moshpit.

Nachdem sich das Publikum bei „Geile Bitch“ eindrucksvoll selbst bewiesen hatte und die Halle in ein funkelndes Lichtermeer aus Taschenlampen verwandelte, neigte sich das Konzert langsam dem Ende zu.

Als Zugabe spielte Blond noch „SB Kassen Lover“, bei dem ihr Manager Tim Schell verkleidet als „SB- Kassen-Basti“ eine kleine Tanzeinlage beisteuerte. Auch Emma Rose bekam noch einmal die Gelegenheit, auf die Bühne zurückzukehren, und sang beim letzten Song „Männer“ eine eigene Strophe, die sich stimmlich sehr gut in den Sound von Blond einfügte.

Zum Abschluss verabschiedete sich die Band schließlich von ihren Fans und stellte klar, dass sie sich nicht auflösen werden. Stattdessen kündigten sie an, im Sommer noch einige Open-Air-Shows zu spielen – auch wenn diese leider nicht in unmittelbarer Nähe stattfinden. Trotzdem ließen sie durchblicken, dass sich ein Besuch lohnen könnte.

Insgesamt war das Konzert von Blond im E-Werk in Erlangen ein durchweg abwechslungsreicher und energiegeladener Abend, der weit über ein klassisches Konzert hinausging. Besonders auffällig war die starke Interaktion zwischen Band und Publikum: Ob Plakataktionen, Mitsing-Momente, spontane Geschichten aus dem Publikum oder theatrale Tanzeinlagen. Die Crowd war durchgehend Teil des Geschehens und nicht nur Zuschauer. Auch die Fans selbst trugen entscheidend zur Atmosphäre bei. Viele waren textsicher und konnten nahezu jedes Lied mitsingen, was die Stimmung zusätzlich verstärkte. Auffällig war zudem, wie sehr sich das Publikum dem Anlass angepasst hatte: Von kreativen, selbstgebastelten Plakaten bis hin zu Outfits, die sichtbar auf die Band und deren Ästhetik abgestimmt waren, war die Halle insgesamt stark vorbereitet und eingestimmt auf die Show. Gerade diese Mischung aus musikalischer Energie, Humor, politischen und ironischen Elementen sowie der engen Verbindung zwischen Band und Fans machte den Abend besonders. Blond schafften es, eine Konzerterfahrung zu kreieren, die gleichzeitig chaotisch, herzlich und durchdacht wirkte und damit genau das, wofür sie live bekannt sind. Ich komme gerne wieder.

// Text & Bilder: Annabel Bader //