Nachbericht: Rock im Park 2026
Vom 5. bis 8. Juni war es endlich wieder so weit: Rock im Park stand wieder an!
Tag 0: Donnerstag:
Bereits am Donnerstagmorgen, dem 5. Juni, begannen sich die Campingplätze zu füllen. Auch wenn diese nicht wie angekündigt erst um 9:00 Uhr, sondern bereits deutlich früher öffneten, gab es in diesem Jahr weniger Wartezeiten und deutlich mehr verfügbare Plätze als im Vorjahr. Vermutlich lag dies neben der generellen Erweiterung der Campingflächen auch an den strengeren „Pavillon-Regeln“. Pro zehn Personen war in diesem Jahr nur noch ein Pavillon erlaubt. Vor allem, weil die Ordner gelegentlich auch einmal ein Auge zudrückten, halte ich diese Regelung für durchaus sinnvoll. Die Ergebnisse sprechen jedenfalls für sich: Kaum jemand musste, wie noch im letzten Jahr, unverrichteter Dinge wieder nach Hause fahren, weil kein Zeltplatz mehr verfügbar war. Während die ersten Zelte aufgebaut, das erste hoffentlich noch kalte Dosenbier geöffnet und die Dosenravioli gekocht wurden, lag die Vorfreude spürbar in der Luft. Allen wurde klar: Endlich ist wieder Rock im Park!

Schnell noch die letzten vergessenen Dinge beim Lidl besorgen (bei mir waren es die Gummistiefel), den persönlichen Timetable für die kommenden Tage mit Freunden abstimmen und den Abend gemütlich am Dutzendteich ausklingen lassen. Begleitet vom Klang des Froschchors und den unterschiedlichsten Musikboxen der umliegenden Camps kam sofort das typische Rock-im-Park-Gefühl auf. Einige erfahrene Festivalbesucher wissen: „Am ersten Tag gibt es noch die beste Auswahl beim Merch.“ Umso praktischer, dass dieser bereits am Anreisetag neben dem Lidl erhältlich war. Außerdem konnte man dort direkt sein Festivalbändchen aufladen. Denn auch in diesem Jahr war Rock im Park wieder komplett cashless. Bezahlt werden konnte ausschließlich über den Chip im Festivalband. Zumindest bei uns funktionierte das Bezahlsystem während des gesamten Wochenendes jederzeit problemlos und hat einiges sehr vereinfacht.

Tag 1: Freitag:
Auch dieses Jahr gab es ein breit gefächertes Programm auf den drei Rock-im-Park-Bühnen: der Utopia Stage, der Mandora Stage und der Orbit Stage. Den Auftakt machten am Freitag bereits um 12:45 Uhr Ecca Vandal auf der Utopia Stage. Die australische Singer-Songwriterin mit starken Rap-Einflüssen lockte für diese Uhrzeit erstaunlich viele Besucher vor die Main Stage und schaffte es, innerhalb kürzester Zeit, nicht nur mich von sich zu überzeugen.

Besonders beeindruckend war, dass bereits viele Besucher die Texte mitsingen beziehungsweise mitrappen konnten. Ein Highlight war für mich vor allem ein Kind, das während des gesamten Konzerts auf den Schultern eines Erwachsenen saß und nahezu jeden Song lautstark mitrappte. Spätestens da wurde klar: Auch wenn Ecca Vandal für viele noch ein Geheimtipp sein mag, hatte sie das Publikum an diesem Mittag fest im Griff. Zwischendurch betonte die Band außerdem, wie sehr sie sich freue, wieder in Deutschland zu sein. Diese spürbare Begeisterung übertrug sich schnell auf das Publikum und sorgte zusätzlich für eine lockere und energiegeladene Atmosphäre vor der Bühne.

Weiter ging es für mich mit einem meiner persönlichen Highlights des diesjährigen Festivals: The Pretty Reckless spielten anschließend auf derselben Bühne ihr Set und lockten noch mehr Fans vor die Utopia Stage. Der Andrang war sogar so groß, dass es bereits zum ersten Einlassstopp für den ersten Wellenbrecher kam.

Die ersten Crowdsurfer wurden über die Menge getragen, die ersten Moshpits eröffnet und spätestens jetzt schien die Zeit stillzustehen. Nach den ersten Songs sorgte Frontfrau Taylor Momsen für einen weiteren besonderen Moment, als sie in den Bühnengraben stieg, um den Fans noch näher zu sein. Die Zuschauer dankten es ihr mit lautem Jubel und machten den Auftritt zu einem der eindrucksvollsten Konzerte des ganzen Festivals.

Anschließend führte mich mein Weg erstmals in diesem Jahr zur Orbit Stage, wo Anna Gray auftrat. Die Sängerin, die 2019 durch die Castingshow My Hit. Your Song. bekannt wurde, lockte 2026 zahlreiche Besucher in die Rock-im-Park-Halle. Auch wenn ihre Singer-Songwriter-Musik nicht dem typischen Rock- oder Metal-Sound des Festivals entspricht, gelang es ihr mit ihren emotionalen Songs, viele Festivalbesucher zu begeistern.

Kurz darauf schaute ich bei Bury Tomorrow vorbei, die auf der Mandora Stage mit ihrer gewohnt energiegeladenen Metalcore-Show überzeugten. Wie erwartet lieferten die Briten eine starke Performance ab und sorgten für ordentlich Bewegung vor der Bühne.

Eines meiner persönlichen Highlights folgte anschließend auf der Mandora Stage: Landmvrks. Die Franzosen freuten sich sichtlich über ihre Rückkehr nach zwei Jahren und rissen das Publikum von der ersten Minute an mit. Das charakteristische auf eine Leinwand gesprühte „V“ durfte dabei ebenso wenig fehlen wie eine herausragende Setlist, die den Auftritt zu einem echten Festival-Highlight machte.

Leider musste ich den Auftritt etwas früher verlassen, da ich Electric Callboy auf der Utopia Stage auf keinen Fall verpassen wollte. Die einzigartige Mischung aus Schlager, Electronicore und Metal brachte die Menge vom ersten Moment an zum Ausrasten. Die Band zeigte sich dabei sichtlich dankbar und erzählte, dass sie immer davon geträumt habe, einmal bei Rock im Park zu spielen und nun bereits zum dritten Mal hier auftreten dürfe. Als wäre das nicht schon Grund genug zur Freude, kündigten sie an, gemeinsam mit Dexter (The Offsping) ihren neusten Song „Let the good times roll“spielen zu dürfen, welcher an diesem Tag released wurde. Mit Konfettiregen, wilden Outfitwechseln und einer großen Portion Pyrotechnik verwandelte die Band die Utopia Stage in eine einzige Party.

Anschließend stand mit Palaye Royale einer der wohl unterhaltsamsten Auftritte des Tages auf dem Programm. Die Band suchte von Beginn an die Nähe zum Publikum: Sänger und Gitarrist verließen mehrfach die Bühne und begaben sich direkt in den Graben beziehungsweise mitten in die Menge. Für weitere spektakuläre Momente sorgten Crowdsurf-Einlagen in Schlauchbooten, die von den Fans begeistert gefeiert wurden. Besonders beeindruckend war dabei die Textsicherheit des Publikums nahezu jede Zeile wurde lautstark mitgesungen, wodurch eine einzigartige Atmosphäre entstand und die enge Verbindung zwischen Band und Fans eindrucksvoll sichtbar wurde.

Den Abschluss des Tages übernahmen Bad Omens auf der Utopia Stage. Die Band lieferte ein eindrucksvolles Set ab und setzte dabei nicht nur musikalisch, sondern auch visuell Akzente. Besonders die aufwendig inszenierte Lasershow sorgte immer wieder für Gänsehautmomente und verlieh der ohnehin dichten Atmosphäre eine zusätzliche Dimension. Mit einer starken Performance und einer beeindruckenden Bühnenproduktion bildeten Bad Omens einen würdigen und gelungenen Abschluss des 1 Festivaltages.

Tag 2: Samstag:
Der zweite Festivaltag begann für mich auf der Mandora Stage mit einem starken Auftritt von Black Veil Brides. Trotz einer leichten Verspätung startete die Band mit einem atmosphärischen, orgelartigen Intro und zog das Publikum sofort in ihren Bann. Besonders Frontsänger Andy Biersack überzeugte mit seiner starken Bühnenpräsenz und Gesangsleistung.

Im weiteren Verlauf des Tages standen zahlreiche weitere Bands auf meinem Programm. So konnte ich unter anderem Hollywood Undead, Breaking Benjamin, The Offspring, President, The Story So Far und A Perfect Circle erleben, die allesamt solide bis starke Shows ablieferten und für gute Festivalstimmung sorgten.



Anschließend ging es für mich zur Orbit Stage, wo Set It Off auftraten. Die Band zeigte sich dabei äußerst sympathisch und bedankte sich mehrfach bei ihrer Crew. Es gab sogar einen Einlasstsopp so gut war die Stimmung vor der Bühne. Set It Off, lieferten sie einen gelungenen Auftritt ab und wurden vom Publikum entsprechend gefeiert.

Zum Abschluss meines Tages ging es noch zu Sabaton. Die Schweden sorgten trotz der bereits spürbaren Müdigkeit noch einmal für viel Energie und rundeten den Festivaltag mit ihrer gewohnt starken Performance und einer intensiven Feuershow ab.

Auffällig war, dass sich das Line-up an diesem Tag ausschließlich aus männlich geprägten Acts zusammensetzte.

Tag 3: Sonntag:
Der letzte Festivaltag startete für mich etwas früher, sodass ich zunächst in Ruhe über das Gelände spazieren und mir die verschiedenen Stände anschauen konnte. Von Gewinnspielen über Piercing- und Tattoo-Stände gab es hier wirklich alles, was das Festivalgelände zu bieten hatte. Die Bäume und einige Sonnenschirme boten zwar nur begrenzt Schatten, dafür wurde jedoch mit den zahlreichen Wasserspendern nicht gespart, die vor allem bei den diesjährigen warmen Temperaturen von vielen Festivalbesuchern gerne genutzt wurden.

Auch kulinarisch war einiges geboten: An den Essensständen wurde ebenfalls nicht gespart, sodass es in diesem Jahr auch eine große Auswahl für Veganer und Vegetarier gab, teilweise sogar glutenfreie Optionen. Was die Preise betrifft, wurde sich an den gängigen Festival Preisen orientiert. Insgesamt wirkte das Gelände deutlich erweitert und bot dadurch mehr Platz für die rund 80.000 Besucher. Besonders nach den Headliner-Shows wurde dieser zusätzliche Raum spürbar und sorgte dafür, dass sich die Menschenmengen auf dem Weg zurück ins Zelt besser verteilten.

Jetzt ging es für mich direkt zum Einlass, wo bereits einige Linkin Park-Fans warteten. Die ersten und er Reihe berichteten mir, dass sie schon seit 7:00 Uhr morgens dort saßen, um sich einen Platz in der Front Row zu sichern. Als um 11:00 Uhr der Einlass ins Infield öffnete, setzten sich viele sofort in Bewegung und rannten bereits zum nächsten Einlass, der zu den Bühnenbereichen führte und erst um 12:00 Uhr geöffnet wurde. Als dieser schließlich öffnete, glich die Situation weniger einem entspannten Festivalstart als vielmehr einem Sprint: Mit dem Fallen der Absperrbänder rannten die Besucher in Richtung Mandora Stage, um sich die besten Plätze zu sichern.

Den Start an der Mandora Stage machten heute Mehnersmoos. Passend zum Festival drehten sich ihre Songs vor allem um Bier und Feiern. Gemeinsam mit dem Publikum wurde getrunken und ausgelassen gefeiert. Das deutsche Rap-Duo aus Frankfurt brachte neben einer Menge Konfetti und Bierduschen vor allem jede Menge gute Laune und Party-Stimmung auf und vor die Main Stage. Natürlich war der ganze Auftritt stark geprägt mit einer großen Portion Ironie und Selbstironie.

Weiter ging es für mich mit We Came as Romans, deren Auftritt vor allem durch dichten Nebel und eine atmosphärische Lichtshow geprägt war und so für eine sehr intensive Stimmung sorgte.

Anschließend spielte Bush auf der Utopia Stageund suchte dabei immer wieder die Nähe zum Publikum, unter anderem durch einen Abstecher in den Graben sowie den direkten Kontakt zur ersten Reihe.

Auf der Orbit Stage folgte Magnolia Park, die mit ihrem energiegeladenen Set für gute Stimmung sorgten.

The Plot in You spielten anschließend auf der Mandora Stage und sorgte mit viel Nebel, Feuer und einer intensiven Bühnenshow ein visuell wie musikalisch starkes Set lieferten.

Kurz bei Architects reingeschaut und anschließend wegen der Überschneidung zu Within Temptation gewechselt, um den Auftritt nicht zu verpassen. Die Entscheidung zahlte sich aus: Als Special Act stand zudem Papa Roach mit auf der Bühne und gemeinsam wurde der Song „the reckoning“ performt.


Anschließend war für meine Kamera Feierabend, und ich freute mich darauf, Papa Roach und Linkin Park entspannt mitzufeiern. Bei Papa Roach sorgte ein besonderer Moment für Aufmerksamkeit, als der Sohn von Frontmann Jacoby Shaddix auf der Bühne stand und gemeinsam den Song „Braindead“ mitsang, was dem Auftritt eine sehr persönliche Note verlieh. Außerdem kam kein geringerer als Sam Vater (Sänger von Architects) auf die Bühne um den Song „Between Angles and Insetcs“ gemeinsam zu Performen. Zudem kam noch Colin Brittain (Schlagzeuger von LinkinPark) als Gitarrist bei dem einem Song auf die Bühne und performte so zusammen mit Papa Roach den gemeinsam produzierten Song „Help“.

Nun wurde es noch voller vor der Bühne, aber kein Wunder: Linkin Park spielte jetzt. Zehn Minuten vor Beginn startete ein Countdown auf der Leinwand und steigerte die Vorfreude und Spannung in der Crowd noch einmal deutlich. Für mich persönlich, wie vermutlich für viele, war es ein ganz besonderer Moment. Als die ersten Töne erklangen und bei einigen sogar Freudentränen flossen, schien die Zeit kurz stillzustehen. Sicher wird es weiterhin Diskussionen darüber geben, dass Emily Armstrong Chester Bennington nicht ersetzen kann, und das muss sie auch nicht, für mich stand in diesem Moment aber etwas anderes im Vordergrund: ein Kindheitstraum, diese Band endlich einmal live zu erleben, der in genau diesem Moment Realität wurde.

Noch völlig überwältigt von Linkin Park schaute ich mir anschließend nur noch ein paar Songs von Limp Bizkit aus dem hinteren Teil der Crowd an. Danach trat ich überglücklich, aber auch erschöpft und ziemlich müde den Heimweg an – erfüllt von vielen schönen und unvergesslichen Erinnerungen an das Festival.
Insgesamt war Rock im Park 2026 für mich ein durchweg gelungenes Festival. Besonders positiv aufgefallen ist die Organisation, die im Vergleich zum Vorjahr spürbar verbessert wurde. Auch das deutlich erweiterte Gelände sorgte für mehr Platz und entspanntere Bewegungsmöglichkeiten auf dem gesamten Festivalgelände.

Vor der Utopia Stage herrschte durchgehend eine großartige Stimmung. Die Securitys wirkten dabei nicht nur aufmerksam, sondern hatten sichtbar auch Spaß an ihrer Arbeit, halfen bei Crowdsurfern, feierten mit und gingen locker und freundlich mit der Menge um. Das trug spürbar zur positiven Atmosphäre bei.
Auch das Publikum selbst war sehr aktiv, es wurde getanzt, mitgemacht und viel gelacht, sodass auch zwischen den Shows immer gute Stimmung herrschte. Dazu kam das fast durchgehend gute Wetter, das das Festivalerlebnis zusätzlich abgerundet hat.

Musikalisch bot das Line-up einen starken Mix aus Metal- und Rock-Acts, der über alle Tage hinweg überzeugt hat. Einziger Kritikpunkt bleibt für mich die geringe Anzahl an FLINTA*-Acts im Line-up – hier würde ich mir für die kommenden Jahre mehr Vielfalt und Ausgewogenheit wünschen. Unterm Strich bleibt ein sehr intensives, aber vor allem positives Festivalwochenende mit vielen unvergesslichen Momenten.

Ich freue mich jetzt schon auf nächstes Jahr. Bereits während des Festivals wurde zudem schon ein Headliner angekündigt: Blink-182 werden 2027 als einer der Hauptacts auftreten. Außerdem sind die ersten Tickets bereits erhältlich, was die Vorfreude auf die nächste Ausgabe von Rock im Park noch einmal deutlich steigert.

// Text & Bilder: Annabel Bader //
