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Nachbericht: Taubertal Festival 2026

Endlich war es wieder so weit: Letztes Wochenende fand vom 6. bis 9. August bereits zum 30. Mal das Taubertal Festival in Rothenburg ob der Tauber statt.

Traditionell ging es am Donnerstagabend bereits mit dem Warm-up-Programm los, welches ich jedoch leider verpasste. Mit auf der Bühne standen hier unter anderem die Giant Rooks, die den Berichten nach perfekt auf das Festivalwochenende einstimmten.

Freitag

Am Freitag ging es dann, nachdem langsam aber sicher alle Zelte aufgebaut und die Camps eingerichtet waren, auch für mich los. Vom Campingplatz Berg ging es in Richtung Konzertgelände. Nach etwa 20 Minuten Fußweg und unter strahlend blauem Himmel war man endlich im Tal angekommen und konnte die Main Stage und die Sound-for-Nature-Bühne bewundern.

Auf der Sound-for-Nature-Bühne begannen die Bands des Emergenza-Wettbewerbs um den ersten Platz zu kämpfen. Nachdem die französische Band, welche die Bühne eröffnen sollte, aus unerklärlichen Gründen ausfiel, startete die ukrainische Ritual-Rock-Band Palmira Furman ihr Set. Am Ende landete die Band zwar nur auf Platz sieben, mich konnte die energiegeladene Show jedoch überzeugen. Ich bin mir sicher, in Zukunft noch viel von PalmiraFurman zu hören.

Palmira Furman

Weiter ging es auf derselben Bühne mit der Nürnberger Band Melonball, die bereits zu Beginn ihres Sets ihre klare politische Haltung zeigte. So wurde schnell der „braunen Scheiße“ der Mittelfinger gezeigt, auf die Organisation Viva con Agua aufmerksam gemacht und ihnen das nächste Lied gewidmet. Spätestens als ein Coversong angestimmt wurde, schaffte es Melonball, die kleine, aber gut gelaunte Crowd zum Tanzen und Mitfeiern zu bringen.

Melonball

Am Freitag eröffneten Itchy die Main Stage und lockten bereits zu dieser frühen Uhrzeit unzählige Festivalbesucher vor die Bühne. Auch die Band staunte nicht schlecht und lobte die Taubertal-Crowd für ihr zahlreiches Erscheinen und die gute Feierlaune. Itchy zeigte sich sehr dankbar, bereits zum achten Mal auf dem Taubertal Festival spielen zu dürfen. Denn nicht nur das Taubertal Festival feiert dieses Jahr einen ganz besonderen Geburtstag: Auch Itchy wurde 25 Jahre alt und feiert dieses Jubiläum in diesem Jahr unter anderem beim Taubertal Festival.

Itchy

Nochmal die Bühne gewechselt und schon stand Van Holzen auf der Bühne. Ich war besonders gespannt, da ich Van Holzen bislang nur auf der Tour live sehen konnte. Schnell wurde klar: Van Holzen kann sowohl kleine Clubshows als auch Festivalbühnen. Spätestens jetzt bildeten sich die ersten Moshpits, es wurde getanzt und Crowdsurfer bahnten sich ihren Weg durch die Menge.

Van Holzen

Dilla hatte ich schon länger nicht mehr live gesehen und konnte leider auch diesmal nicht ihr komplettes Set mitnehmen. Was ich gesehen habe, war dafür richtig stark: Neue Songs und ältere Tracks wurden gut miteinander kombiniert und sorgten für einen abwechslungsreichen Auftritt, bei dem für mich die Mischung einfach perfekt gepasst hat.

Dilla

Mit den Dropkick Murphys wurde es anschließend noch einmal richtig ausgelassen. Ihr Mix aus Punkrock und traditionellen irischen Folk-Einflüssen sorgte von Beginn an für gute Laune und jede Menge Bewegung vor der Bühne. Besonders sympathisch: Sänger Ken Casey wirkte trotz der Größe der Band sehr nahbar und suchte immer wieder die Nähe zum Publikum. So kam er sogar in den Graben bis direkt vor die erste Reihe und sorgte damit für einen besonderen Moment zwischen Band und Fans.

Dropkick Murphy

Als Headliner des Abends kam kein Geringerer als Sido vorbei und rappte alle Texte problemlos. Für mich persönlich war der Auftritt allerdings etwas zu clean und zu sehr durchchoreografiert. Definitiv ein solider Auftritt, der jedoch gleichzeitig sehr unnahbar gegenüber seinen Fans wirkte.

Sido
Sido

Langsam ging die Sonne unter, eine Musikbox nach der anderen verstummte und mehr oder weniger kehrte Ruhe auf dem Campingplatz ein. Immer wieder erstaunlich, wie kalt es nachts werden kann, obwohl es am Nachmittag noch so warm war.

Samstag

Nachdem ich viel zu kurz geschlafen hatte und es direkt wieder heiß im Zelt wurde, wurden erst einmal Bilder bearbeitet, damit ich es pünktlich zu 3 Meter Feldweg und anschließend zum Lumpenpack schaffte.

3 Meter Feldweg
Das Lumpenpack

Anschließend ging es für mich weiter zu einem meiner diesjährigen Highlights: Lostboi Lino und Kaffkiez standen kurz nacheinander auf dem Programm. Lostboi Lino habe ich mittlerweile schon einige Male live gesehen, langweilig wird es bei ihm aber trotzdem nie. Auch dieses Mal hatte er sichtlich Bock auf die Show und schaffte es, diese Energie direkt auf das Publikum zu übertragen. Besonders auffällig war, wie textsicher die Crowd mittlerweile bei seinen Songs ist. Was vor einigen Jahren noch deutlich kleiner war, ist inzwischen zu einer richtig großen Show geworden.

Lostboi Lino

Bei Kaffkiez gab es bereits am Mittag eine besondere Überraschung. Spontan tauchte die Band auf dem Campingplatz auf und machte kurzerhand ein kleines Campingplatzkonzert. Mit kleinen Golfcarts fuhren sie über das Gelände, spielten einige Songs und verteilten dabei Freibier, Spezi und Hüte an die Festivalbesucher. Am Abend ging es dann für Kaffkiez noch einmal regulär auf die Main Stage, wo sie ihr eigentliches Set spielten. Zwei Auftritte an einem Tag und damit definitiv eine der besonderen Aktionen dieses Festivalwochenendes.

Kaffkiez

Weiter ging es mit Chapo102 auf der kleineren Bühne. Besonders gefreut habe ich mich auf „Hannah“, einen seiner Songs, den Chapo102 nach eigener Aussage am liebsten live spielt und natürlich durfte der Song auch an diesem Abend nicht fehlen. Für eine Überraschung sorgte außerdem seine Coverversion von „Iris“ von den Goo Goo Dolls. Mir gefällt besonders, dass Chapo live eine deutlich ruhigere Seite zeigt und musikalisch nicht so sehr in die Richtung der 102 Boyz geht. Dadurch wirkt sein Auftritt etwas entspannter und persönlicher und hebt sich angenehm von den härteren und deutlich energiegeladeneren Shows der 102 Boyz ab.

Chapo102

Kurz darauf wurde es für mich Zeit, zur Main Stage zu wechseln, denn Zartmann stand auf dem Programm. Dadurch konnte ich den Auftritt von Chapo102 leider nicht mehr komplett sehen. Vor der Main Stage hatte sich bereits eine große Menge versammelt, besonders viele junge Fans warteten schon seit der Öffnung des Festivalgeländes in der ersten Reihe, teilweise bereits mit Merch ausgestattet.

Zartmann

Zartmann und seine Band lieferten einen energiegeladenen Auftritt ab. Besonders Franka am Piano fiel dabei nicht nur musikalisch auf, sondern sorgte mit ihren eigenen Dance-Moves immer wieder für Aufmerksamkeit. Dazu gehörte auch ihre inzwischen bekannte Bewegung, bei der sie sich während der Songs weit nach hinten in Richtung Boden neigt. Aaron an den Drums, der auch selbst Solomusik veröffentlicht, zeigte ebenfalls sein Können. Malik ergänzte einige Songs mit eigenen Parts, die er teilweise sang oder rappte. Insgesamt wirkte der Auftritt sehr eingespielt und sorgte für eine ausgelassene Stimmung vor der Main Stage.

Zartmann

Besonders gefreut hatte ich mich auf Deine Cousine. Gerade weil es auch in diesem Jahr wieder vergleichsweise wenige FLINTA*-Acts im Line-up gab, war ihr Auftritt für mich ein besonders wichtiger Programmpunkt.

Deine Cousine

Den Abschluss auf der Main Stage an diesem Abend machte Biffy Clyro. Musikalisch konnte mich der Auftritt allerdings nicht ganz abholen und wirkte auf mich stellenweise etwas eintönig. Dafür überzeugte die Band mit einer starken Lichtshow, die vor allem in den späteren Abendstunden für einige beeindruckende Bilder sorgte und dem Auftritt zumindest optisch noch einmal ordentlich Wirkung verlieh.

Biffy Clyro

Auf Corduroy County hatte ich mich ebenfalls besonders gefreut. Die Band hatte im vergangenen Jahr den Emergenza Contest gewonnen und konnte seitdem bereits einige spannende Erfahrungen sammeln. So stand die Bassistin im vergangenen Jahr gemeinsam mit Yungblud auf der Bühne, um einen Song zu performen, außerdem waren Corduroy County bereits als Support für Kaffkiez unterwegs. Schade war allerdings, dass ihr Auftritt zeitgleich mit Biffy Clyro stattfand und deshalb leider nur relativ wenig vor der Bühne los war. Umso mehr habe ich mich gefreut, dabei zu sein. Die Band hatte trotzdem sichtlich Spaß auf der Bühne und konnte diese Freude auch auf das Publikum übertragen.

Corduroy County

Sonntag

Der Sonntag startete für mich mit einem echten Jackpot. Die gleichnamige Band eröffnete den Festivaltag und sorgte bereits am frühen Nachmittag für einen gelungenen Start. Danach ging es mit den Gewinnern des diesjährigen Emergenza-Wettbewerbs weiter: Die koreanische Band Can’t Be Blue durfte als Sieger auf der Main Stage spielen und damit den nächsten Programmpunkt des Tages eröffnen.

Jackpot

Anschließend ging es mit Hyphen weiter. Der Rapper nahm sich während seines Auftritts auch Zeit für ein wichtiges Thema und sprach offen über mentale Gesundheit. Dabei erzählte er von seinen eigenen Erfahrungen mit Depressionen und davon, dass es nach drei Jahren für ihn inzwischen spürbar leichter und besser geworden sei. Eine persönliche Ansage, die zwischen den Songs deutlich herausstach und bei der Crowd für Aufmerksamkeit sorgte.

Hyphen

Auch Karen Dio durfte auf dem Taubertal Festival nicht fehlen. Die brasilianische Künstlerin musste zu Beginn zwar kurz mit technischen Schwierigkeiten kämpfen, ließ sich davon aber nicht aus der Ruhe bringen. Besonders beeindruckend war die textsichere Crowd vor der Bühne, die gefühlt jedes Wort ihrer Songs mitsingen konnte.

Karen Dio

Danach standen Royal Republic auf der Main Stage – für mich das erste Mal, dass ich die Band live gesehen habe. Besonders beeindruckend fand ich, wie wenig verbale Interaktion die Band eigentlich brauchte, um das Publikum komplett abzuholen. Die Energie kam vor allem über die Musik, die Bühnenpräsenz und das Zusammenspiel der Band. Die Stimmung war dadurch von Beginn an ansteckend. Auch optisch hatte der Auftritt einiges zu bieten. Der leuchtende Blitz im Bühnenbild sah zwar stark aus, hätte meiner Meinung nach bei einer dunkleren Umgebung allerdings noch deutlich besser zur Geltung kommen können.

Royal Republic

Als Nächstes folgten die Donots, die bereits zum 14. Mal beim Taubertal Festival auf der Bühne standen. Auch diesmal bewies die Band, dass sie genau weiß, wie man ein Festivalpublikum mitnimmt. Neben der gewohnt hohen Energie sorgten vor allem die zahlreichen Crowdsurfer für besondere Bilder. Unter anderem wurde sogar ein Sofa über die Köpfe der Menge gereicht. Zwischen den Songs gab es außerdem wiederholt klare politische Ansagen, die deutlich die linke Haltung der Band widerspiegelten.

Donots

Anschließend ging es mit MilleniumKid weiter. Ihn habe ich mittlerweile schon einige Male live gesehen, langweilig wird es aber auch bei ihm nicht. Auch diesmal war der Auftritt wieder stark und zeigte einmal mehr, warum ich seine Shows immer wieder gerne mitnehme.

Millenium Kid

Den Abschluss auf der Main Stage machten SDP. Auch hier wurde die Crowd noch einmal ordentlich gefordert: Neben zahlreichen Crowdsurfern flogen unter anderem Gummitiere durch die Menge. Für einen besonderen Hingucker sorgte eine Krone, die mitten in der Crowd auftauchte und dort als eine Art B-Stage genutzt wurde. Dazu kamen eine Feuershow und zahlreiche Bandmitglieder, die den Auftritt zu einem abwechslungsreichen und spektakulären Abschluss des Festivalwochenendes machten.

Fazit

Nach meinem Festival Wochenende auf dem Taubertal Festival bleibt für mich vor allem eines hängen: ein Festival mit einer besonderen Atmosphäre, einem schönen Gelände und vielen lieben Menschen. Auch organisatorisch gab es aus meiner Sicht wenig zu bemängeln. Der einzige wirkliche Wermutstropfen ist für mich die Entfernung des Campingplatzes zum Festivalgelände. Gleichzeitig ist genau diese Distanz auch ein Teil dessen, was den Campingplatz so besonders macht.

Das Festival Village bietet mit einer kleinen Bühne, NGO-Ständen, einem kleinen Supermarkt und jeder Menge Rahmenprogramm fast schon ein eigenes kleines Festival. Besonders das Bobbycar-Rennen hat mittlerweile Kultstatus erreicht. Dass man von der Main Stage auf dem Campingplatz nichts hört und die Musik dort ausschließlich aus den eigenen Boxen kommt, sehe ich dabei sogar positiv: So bleibt der Campingplatz ein Ort, an dem man sich auch einmal in Ruhe unterhalten und vom Festivaltrubel erholen kann.

Für 2027 wurden bereits einige große Namen angekündigt: Die Ärzte, AnnenMayKantereit, Wanda, Sondaschule, Swiss und die Anderen, LabBrassBanda, Dicht & Ergreifend und Esther Graf werden vom 5. bis 8. August 2027 in Rothenburg ob der Tauber erwartet. Die Tickets für die nächste Ausgabe sind bereits HIER erhältlich.

Einen Kritikpunkt möchte ich allerdings auch in diesem Jahr nicht unerwähnt lassen: Wie bereits im vergangenen Jahr waren für meinen Geschmack zu wenige FLINTA*-Acts im Line-up vertreten. Hier würde ich mir für 2027 definitiv mehr Vielfalt wünschen und hoffe, dass sich daran im kommenden Jahr etwas ändert.

Insgesamt fällt mein Fazit aber klar positiv aus. Gute Organisation, ein schönes Gelände, ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm und vor allem die vielen offenen und freundlichen Menschen machen das Taubertal Festival für mich zu einem Festival, zu dem ich gerne wiederkomme. Jetzt heißt es: Vorfreude auf den 5. bis 8. August 2027.

// Text & Bilder: Annabel Bader //