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Nachbericht: FreeFlow Festival 2026

Das FreeFlow Festival 2026 ist vorbei. Was wir in unserem Vorbericht noch angekündigt haben, konnten wir am vergangenen Wochenende selbst erleben: den Gigelberg voller Menschen, Musik aus allen Richtungen und jede Menge kleine Momente, die man nicht unbedingt im Timetable findet. Knapp 10.000 Besucherinnen und Besucher kamen an den beiden Festivaltagen nach Biberach, der Campingplatz am Ummendorfer Badesee war komplett ausgebucht.

Zwischen Main Stage, Hidden Stage und Gigelberghalle wurde getanzt, gesungen und entdeckt, während sich rundherum Menschen auf dem Gelände verteilten. Wer gerade einmal genug von der Musik hatte, musste trotzdem nicht weit suchen, um etwas zu erleben. Zwischen Bierpong und Bieryoga, Workshops, Schminkständen, Dancebattles oder Feuershows war das Gelände auch abseits der Bühnen ständig in Bewegung.

Besonders schön war dabei, dass man nie so recht wusste, was hinter der nächsten Ecke wartet. Auch für die Sicherheit und das Wohlbefinden vor Ort war gesorgt: Das Awareness-Team lieferte durchweg super Arbeit ab und war auf dem gesamten Gelände gut ansprechbar sowie dauerhaft präsent.

Freitag

Schon beim ersten Rundgang über das Gelände wird klar: Das FreeFlow steckt nicht nur in seinen Bühnen. Der Gigelberg ist mit viel Liebe zum Detail dekoriert, überall gibt es kleine Ecken zu entdecken und zwischen den Acts sorgen Workshops und Aktionen dafür, dass es auch abseits des Timetables einiges zu erleben gibt.

Für den Weg vom Ummendorfer Badesee zum Geländeeingang gab es zwar einen eingerichteten Shuttle-Service, dieser startete allerdings erst nach dem ofiziellen Einlassbeginn – ein kleiner Kritikpunkt, den der ein oder andere Gast auf dem Weg zum Festivalgelände äußert. Die Tanzgruppe Funky Kidz bringt mit einem Dance Battle Bewegung auf den Platz und animiert dabei auch die Zuschauer und Zuschauerinnen zum Mittanzen. Nach dem Battle findet einer der Tänzer noch die passenden Worte: „Warum gegeneinander, wenn man auch einfach miteinander tanzen kann?“ Ein kleiner Satz, der irgendwie ziemlich gut zum FreeFlow passt. Gesagt, getan – anschließend wird einfach gemeinsam weitergetanzt.

Und damit ist das Tanzen auf dem Gelände noch nicht vorbei: Bei den Nice Danzas geht es direkt weiter, bevor später auch eine Feuershow für staunende Gesichter sorgt. Und wer zwischendurch Hunger bekommt, kommt an den inzwischen ziemlich legendären FreeFlow-Fritten ohnehin kaum vorbei.

Musikalisch eröffnet der Berliner Künstler Smello um 15:30 Uhr den Freitag auf der Main Stage. Mit „Flutlicht“ hat er direkt einen Song im Gepäck, bei dem einige Festivalbesucherinnen und -besucher textsicher mitsingen können. Die Stimmung ist von Beginn an gut – und das, obwohl der Tag gerade erst angefangen hat.

Smello

Danach übernimmt Greta die Bühne. Neben ihren Songs hat sie auch ihr Saxophon mitgebracht und greift während ihrer Show selbst zum Instrument. Zwischen sommerlichen Erinnerungen spielt sie ihren bisher unveröffentlichten Song „Champagner Lächeln“ und kündigt zum Ende außerdem ihre letzte Show des Jahres am 18. Dezember in ihrer Heimatstadt Hamburg an. Wenn man sich die Stimmung vor der Bühne so anschaut, dürfte es nicht überraschen, wenn sich dort auch einige FreeFlow-Besucherinnen und -Besucher wiedersehen.

Greta

Während sich das Gelände langsam weiter füllt, geht es mit Kayla Shyx auf der Main Stage weiter. Mit Themen wie Identitätsfindung und Gefühlschaos des Erwachsenwerdens spricht sie vor allem das junge Publikum an. Anschließend erwacht auch die Gigelberghalle zum Leben: Rapper Ronnie eröffnet dort das Programm und sorgt direkt für ordentlich Bewegung vor der Bühne.

Kayla Shyx

Eigentlich hätte im Programm nun Ivo Martin auf der Main Stage stehen sollen, leider musste er seinen Auftritt jedoch krankheitsbedingt absagen. Dani Lia springt kurzfristig ein und macht gemeinsam mit ihrer Kollegin Yola aus der ungeplanten Änderung einen der frühen Höhepunkte des Tages. Songs wie „hausverbot“, „aufn Sack“ und „Isy“ werden von einem auffallend textsicheren Publikum mitgesungen. Die Stimmung: laut, ausgelassen und spätestens jetzt eindeutig im Festivalmodus.

Dani Lia

Anschließend geht es für Yola auf der kleineren Bühne in der Halle weiter, wo sie das Publikum mit ihrer eigenen Show empfängt.

Yola

Wer zwischendurch einmal zur Hidden Stage abbiegt, merkt schnell: Es spielt keine Rolle, zu welcher Uhrzeit man dort auftaucht. Getanzt wird dort immer. Kasi bringt anschließend viel Feuer und gute Laune auf die Main Stage. Bei Songs wie „meinen die uns“ oder „sommernacht“ springt und singt die Menge.

Kasi und Antonius

Anschließend in der Gigelberghalle: Yung Pepp. Der gerade einmal 18-jährige Pepe aus Leipzig gehört aktuell zu den jungen Stimmen der deutschen Indie-Rap-Szene. Er richtet sich an eine Generation, die sich oft übersehen fühlt und in einer zunehmend unsicheren Welt ihren Platz sucht. In seiner neuen EP „LAUT SEIN (IMMER)“ geht es also nicht nur ums Musikmachen, sondern auch um Haltung. Zeilen wie „Wir müssen hinschau‘n, weggucken ist nicht, mach dein’n Mund auf, sag was, ist wichtig“ oder „Guck mal dort, unsre Welt, sie geht unter, kein’n juckt‘s, und nein ich geh nicht an die Front, nicht für Merz und seine Jungs, wir müssen laut sein immer“ machen ziemlich deutlich, wofür Yung Pepp seine Stimme nutzt. Beim Song „29 Grad“ wird der Auftritt kurzerhand zum Videodreh: Während er den Song performt, entstehen direkt vor Ort Aufnahmen für das Musikvideo – und einige Fans aus dem Publikum dürfen dafür sogar mit auf die Bühne.

Yung Pepp

Und dann ist es 22:15 Uhr – Zeit für Headliner BHZ. Die Berliner Gruppe übernimmt die Main Stage und macht ziemlich schnell klar, warum sich das Gelände zu diesem Zeitpunkt noch einmal komplett vor der Bühne versammelt hat. Die Energie vor der Bühne ist enorm, die Menge springt, singt, tanzt und auf dem Gelände ist kaum noch ein freier Platz zu finden. Feuer und Nebel gehören zur Show, doch zwischen all den großen Bildern wird der Auftritt auch immer wieder sehr emotional. Mehrere Songs werden in Gedenken an ihr verstorbenes Bandmitglied Pablo gespielt.

So tretten auf der Mainstage große Festivalmomente auf einen deutlich persönlicheren Teil der Show. Nach einem ohnehin schon vollgepackten Festivaltag endet der Freitag auf der Main Stage damit mit einem Auftritt, der musikalisch wie emotional noch einmal einiges mitbringt.

BHZ

Aber Schluss ist damit noch lange nicht. Für alle, die nach BHZ noch nicht genug haben, geht es in der Gigelberghalle weiter. Teuterekordz übernehmen und lassen den ersten Festivaltag noch bis spät in die Nacht weiterlaufen.

Teuterekordz

Samstag

Während Workshops, Schminkstände und die verschiedensten Sponsorenstände schon kurz nach dem Einlass wieder gut besucht sind, startet Mosbach auf der Main Stage in den zweiten Festivaltag. Seine sympathisch-fröhliche Show sorgt dafür, dass der Samstag musikalisch direkt ins Rollen kommt.

Mosbach

Danach übernimmt Jaschu die Bühne. Neben Songs, die schon beim ersten Hören gute Laune machen, bringt er mit „wieder weinen“ auch einen deutlich persönlicheren Moment mit. Der Song handelt von seinen eigenen Erfahrungen mit Mobbing in der Schulzeit. „Ich würd gerne wieder weinen können, in mei’m Kopf sind tausend Tränen doch die woll’n nicht rauskomm’n. Ich will alles fühl’n, ihr könnt rauskomm’n“. Auf der Bühne wird die Geschichte auch für Jaschu selbst emotional und er ist sichtlich zu Tränen gerührt.

Jaschu

Anschließend wird auf der Main Stage die Stuttgarter Indie-Band Rikas vor allem schon von den Fans in den ersten Reihen sehnsüchtig erwartet.

Bei strahlendem Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen wird zu Songs wie „Last Train to London“ und „Strangers“ getanzt und mitgesungen. Ihre Mischung aus Indie und entspanntem Pop passt dabei perfekt zu diesem Samstagnachmittag.

Rikas

Und auch nach dem Auftritt bleiben Rikas noch auf dem Festivalgelände: Mit etwas Merch im Gepäck nehmen sie sich Zeit für Fotos, Autogramme und Gespräche mit den Fans und sorgen damit für einige strahlende Gesichter und Freudensprünge.

In der Gigelberghalle folgt anschließend ein kleines Heimspiel. Die Biberacher Band Cédric Lamour eröffnet das Programm mit einer basslastigen Mischung aus Electro-Synths und Pop-Rock. Lange dauert es nicht, bis sich auch vor der Bühne die ersten Reihen bewegen. Danach übernimmt Mika Noé und lockt ebenfalls ein zahlreiches Publikum in die Halle.

Cedric

Danach steht ein Act auf dem Programm, auf den viele schon seit einem Jahr gewartet haben: Juli. Nachdem die Band ihren Auftritt beim FreeFlow im vergangenen Jahr krankheitsbedingt absagen musste, wird die Show dieses Jahr mit voller Energie nachgeholt. Vor allem bei den etwas älteren Besucherinnen und Besuchern werden Erinnerungen wach, als die ersten bekannten Töne von „Geile Zeit“, „Elektrisches Gefühl“ und natürlich „Perfekte Welle“ über den Gigelberg schallen. Doch die Musik begeistert längst nicht mehr nur die Generation, die mit diesen Hits großgeworden ist: Schon vor Beginn der Show wartet eine Mutter mit ihrer kleinen Tochter freudig auf die Band – in den Händen des Mädchens ein großes, selbstgemaltes Plakat mit der Aufschrift „JULI“. Bis zum Auftritt schafft es die kleine Besucherin sogar ganz nach vorne in die erste Reihe, um ihre Lieblingsband aus nächster Nähe zu erleben.

Das freudige Strahlen in ihren Augen ist dabei schlicht ansteckend. Die Songs, die viele schon seit Jahren kennen, funktionieren also auch hier noch genauso gut: Vor der Main Stage wird lauthals mitgesungen, und selbst weiter hinten auf dem Gelände sind die Refrains noch im Chor zu hören.

Juli

In der Gigelberghalle geht es anschließend mit der Wiener Sängerin Bella weiter. Zwischen melancholischen Pop-Balladen und energiegeladenen Tracks zeigt sie zwei unterschiedliche Seiten ihres Sounds und sorgt damit für einen abwechslungsreichen Wechsel.

Bella

Währenddessen wird auf der Main Stage bereits auf den nächsten großen Publikumsmoment gewartet. Um 22:15 Uhr startet der Berliner Rapper und Headliner Makko seinen Auftritt vor einer eher düsteren Kulisse aus einem kahlen Baum, einer Engelsstatue und jeder Menge Nebel. Mit „STREIT“ oder „Zickzack“ bringt er das Publikum zunächst ordentlich in Bewegung. Und spätestens jetzt wird klar, warum einige Fans so viel Geduld mitgebracht haben: Sie hatten bereits seit 10 Uhr morgens vor dem Einlass gewartet, um sich einen Platz vor der Bühne zu sichern. Als nun der letzte Song „Nachts wach“ erklingt, gibt es kein Halten mehr. Vor der Bühne wird gesprungen und aus voller Kehle mitgesungen. Das lange Warten der Fans hat sich also definitiv gelohnt.

Makko

Zwei Tage FreeFlow liegen nun hinter uns – eine Mischung aus Festival und Entdeckungstour. Mit Kameras um den Hals ging es von Bühne zu Bühne, zwischendurch wurden Akkus und Objektive gewechselt und natürlich trotzdem immer wieder der Augenblick genossen. Wir nehmen nicht nur ziemlich volle Speicherkarten mit nach Hause, sondern auch das Gefühl, dass das FreeFlow genau von diesen kleinen Momenten lebt: von Musik, Menschen, Begegnungen, Sponsoren, über 100 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern – und von allem, was dazwischen passiert.

Wir sehen uns hoHentlich wieder auf dem Gigelberg!

// Text: Florina Göttle // Bilder: Florina Göttle & Annabel Bader //