Nachbericht: Danger Dan in der Heinrich-Lades-Halle
Am 26. Oktober gab es beim Konzert von Danger Dan in der Erlanger Heinrich-Lades-Halle vom E-Werk einen Klavierabend der etwas anderen Art.
Zum Verkürzen der Wartezeit, die sich leider länger als erwartet herausstellte, gab es eine gemischte Playlist aus Soul und Reggae, unterstützt von kleinen Ansagen des Sängers.

Das Konzert startet mit einem Instrumentalteil der Band, deren Schatten durch ein Spotlight auf den großen Vorhang auf der Bühne projiziert werden. Schließlich kommt Danger Dan und startet mit dem Intro seines neuen Albums „Die meisten meiner Freunde“. Danach richtet er einen kurzen Appell an alle, zu schauen, wer um einen herumsteht und sicherzustellen, dass am besten Alle etwas sehen können.

Das Motiv der großen Schatten, das auch auf dem Album-Cover von „Keine Angst“ zu sehen ist, zieht sich durch den ganzen Abend. Besonders als das Abbild plötzlich etwas anderes als Danger Dan selbst spielt, ist das Publikum fasziniert. Auch das Schattenspiel des Hundes passend zum darauffolgenden Song kommt gut an. „Ich bin ein Hund“ hat es nach Ratschlag seiner Bandkollegen der Antilopen Gang nicht auf sein zweites Album geschafft, weil es laut ihnen etwas zu lächerlich gewesen wäre. Die Menge feiert es allerdings sehr, vor allem der Mann neben mir findet es besonders lustig.

„Dass es hier so schön ist“ ist ein Lied, von dem er wusste, dass er es irgendwann schreiben wird. Es handelt von seiner Krankheit, die im Verlauf mit einer Erblindung enden wird. Er erzählt, wie sich seine Ansichten auf die Welt seit der Diagnose vor ca. 20 Jahren verändert haben. Früher war er ein „Punker, der viel schlecht fand“, mittlerweile hat er viel Wertschätzung und Mut für das Schöne im Leben gewonnen und mehr bewusste Entscheidungen getroffen. Er ruft dazu auf, sich so schnell es geht zu blamieren und für nichts mehr zu schämen. Ab jetzt spielt er nicht mehr allein am Klavier, sondern wird von der Band auf der Bühne begleitet.

In „Sand in die Augen“ schreibt er ein Lied über das Aufwachsen seiner Tochter in einer sexistisch geprägten Welt voller Ungerechtigkeiten, von denen er nicht weiß, wie er ihr diese erklären soll. Immer wenn die Antilopen Gang in Erlangen sind, erzählen sie die Geschichte eines Konzerts vor 18 Jahren. Damals gab es einen Buttersäureanschlag auf ein autonomes Zentrum in der Stadt, das die Band gemeinsam mit anderen den ganzen Tag geputzt haben und anschließend ein Konzert spielten. Sie versprachen allen, sie dürfen immer kostenlos auf weitere Shows in Erlangen kommen. Bis dahin hatte sich nie jemand gemeldet, für das heutige Konzert allerdings schon und er ist dem Angebot nachgekommen. Danger Dan würde für ihn immer „Zum Späti“ gehen – schade nur, dass es in Erlangen keinen gibt.

Ein weiteres Liebeslied „Warum es nicht geklappt hat“ widmet er seinem Exfreund. Dass sie das füreinander waren, hatten sie zwar erst Jahre später festgehalten, da der Sänger auf Grund verinnerlichter Homophobie früher für die Beziehung nicht bereit gewesen war. Deswegen schrieb er seinem Expartner erst nachträglich ein verdientes Liebeslied. Ein lautes „Danke“ ertönt aus der Menge.

Er thematisiert den hohen Anstieg der rechten Gewalt und gibt die Möglichkeit heute Abend für die Beratungsstelle „Opferperspektive“ zu spenden. Auch „Kein Bock auf Nazis“ ist mit einem Infostand dabei. Nach Veröffentlichung von „Keine Angst“ gab es einen großen Diskurs, wo der Faschismus aktuell seine Ursprünge hat. Die Perspektive, die dabei häufig zu kurz kommt, ist der damit einhergehende Antifeminismus. In „Wenn man Nazis so behandelte wie Frauen“ dreht er also den Spieß um.

„Für immer“ schrieb er für das ehemalige vierte Mitglied der Antilopen Gang Jakob Wich, der 2013 durch Suizid verstorben ist. Dafür ist er wieder allein auf der Bühne und richtet sich an alle Hinterbliebenen und Trauernden.

Bei „Keine Angst“ spricht er seinen Dank an den Intendanten des ZDF aus, durch dessen Entscheidung zur Ausladung aus der Anstalt er so viel Aufmerksamkeit die letzten Monate erhalten hat. Dementsprechend gut kommt der Song natürlich auch an.

Er covert das Lied „Drei rote Pfiffe“, das die Geschichte Helena Kuchars beziehungsweise „Jelka“ erzählt, die im zweiten Weltkrieg als Partisanin gegen die Nationalsozialisten tätig war.

„Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ war sein erster Solo-Erfolg vor ein paar Jahren, viele im Saal können demnach mitsingen. Er schrieb das Lied, um anderen, aber auch sich selbst Mut zu machen. Entgegen seinen Hoffnungen verbesserte sich die Situation in den letzten Jahren allerdings nicht, trotzdem endet er den Abend mit einer positiven Note „Aber dann“, um die Akkus aufzuladen.

Nach dem Konzert habe ich mich noch einmal genauer mit Danger Dan und der Antilopen Gang auseinandergesetzt und bin vor allem im Lied „Oktober in Europa“ leider auf Ansichten gestoßen, die ich persönlich nicht teile.

// Text & Bilder: Gast-Autor //
