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Nachbericht: Biffy Clyro in der Max-Schmelling-Halle

Am Montag, den 16. Februar war Biffy Clyro zu Gast in der Berliner Max-Schmelling-Halle. Désirée war für uns vor Ort und hat ein paar fantastische Bilder gemacht und uns ihre Eindrücke geschildert.


A little love – Biffy Clyro live in Berlin

Es ist ein eiskalter Februar-Montag in Berlin. Während sich draußen die Fans bibbernd vor dem Einlass drängen, herrscht in der Max Schmeling bereits wohlig warme Erwartung ob des Spektakels, das man von Biffy (fucking) Clyro gewohnt ist. Die Schotten sind momentan mit ihrem aktuellen Album Futique auf Hallentour, bevor sie im Sommer auf deutschen Festivalbühnen zu sehen sind.

Punkt 21 Uhr erlischt das Licht und die etagenförmig gebaute Bühne erstrahlt in einem satten Rot. Die Signalfarbe wird sich -passenderweise- wie ein roter Faden durch das gesamte Set ziehen.  Als die Band, unterstützt durch zwei Violinistinnen, erscheint, fällt sofort auf: Hier hat sich etwas an der Besetzung getan. Und tatsächlich, statt Bassist James Johnston ist Naomi Macleod dabei. James pausiert gerade aus gesundheitlichen Gründen und wird durch die ursympathische Musikerin ersetzt. Das tut dem überraschend guten Sound in der oftmals verpönten Sporthalle aber keinen Abbruch. Naomi fügt sich nahtlos in das Bandgefüge ein, ist vielleicht in Summe noch etwas zurückhaltend, aber nicht unangenehm tranig. Sie spielt unaufgeregt, rhythmisch sicher und bindet die Tiefe des Sounds, sodass die Streicher Platz haben.

Biffy Clyro liefern, das Publikum bleibt verhalten

Biffy Clyro starten direkt mit A Little Love und Hunting Season. Das Publikum reagiert zunächst verhalten, Begeisterungsstürme bleiben aus. Die Fans werden fast das ganze Set brauchen, um aus sich herauszukommen.  Vielleicht sind die Zuschauer:innen an diesem Abend besonders aufmerksam, anstatt auf Krawall aus, denn Textsicherheit ist heute keine leere Behauptung. Simon Neil hält seine Ansagen kurz, der schottische Akzent fällt trotzdem wohlwollend auf, ohne zur Farce zu werden. 

Im Set folgen That Golden Rule, Who’s Got a Match?, Shot One und Space. Die Band setzt auf die mittleren und neueren Kapitel ihrer Diskografie; aus den frühen Alben kommt nichts. Friendshipping wird explizit James gewidmet und auf einmal fühlt man ihn trotzdem, auch wenn er nicht anwesend ist. Das Licht bleibt weiterhin knallig, unterbrochen von vielen, sehr vielen, Strobos. 

Bei Biblical erreicht das Konzert seinen vorläufigen Höhepunkt. Die Violinistinnen verdichten den Refrain und intensivieren den Gesamteindruck. Beim Hit Black Chandelier beweist Berlin dann doch, dass es sich auch an einem Montag begeistern lassen kann. Mountains markiert selbstredend den zweiten großen Höhepunkt: Der Raum singt mit, die Zurückhaltung kippt und die Stimmung hebt sich spürbar an.

Erst gegen Ende tauchen vereinzelte Crowdsurfer auf. Es ist spürbar, dass Berlin Zeit zum Warmwerden braucht, aber die Intensität über die Länge des Konzerts zunimmt. In der ausladenden Zugabe wird die Stimmung dann doch nochmal intensiv und lässt das Publikum glücklich zurück. Wer Biffy Clyro gerne selbst live erleben möchte, hat im Sommer zum Beispiel auf dem Southside und Hurricane Festival die Chance.  

// Text & Bilder: Désirée Pezzetta //