Nachbericht: c/o Pop Festival 2026
Vom 15.4.–19.4.2026 fand auch dieses Jahr wieder das c/o pop Festival in Köln-Ehrenfeld statt. Auch wenn ich nur vom 16.4.–17.4. mit dabei sein konnte, konnte ich es mir nicht nehmen lassen, beim ersten Festival 2026 mit dabei zu sein.
DONNERSTAG:
Seit 2004 verzaubert das c/o pop Festival nun schon die begeisterten Festivalbesucher und bietet als kleines, aber feines Showcasefestival für so ziemlich jeden etwas. Unter den hunderten verschiedenen Programmpunkten, welche von Konzerten in außergewöhnlichen Locations bis hin zu überraschenden Experience-Formaten reichen, war es tatsächlich gar nicht so einfach, sich zu entscheiden. Natürlich habe ich meinen Fokus auf die Konzerte gelegt, bin ein wenig von Location zu Location gerannt und war schlussendlich sehr zufrieden mit meiner Auswahl. Ich wollte euch meine Eindrücke natürlich nicht vorenthalten und euch nun davon „erzählen“.
Nachdem am Mittwoch die Open-Air-Festival-Opening-Show von „fuffifuchzig“ im Schauspiel Köln laut Instagram und verschiedenster Erzählungen ein völliger Abriss war, startete am Donnerstag um 18:30 im Helios37 relativ pünktlich die Indie-Singer/Songwriterin „Elimako“ ihr halbstündiges Set, welches die noch etwas kleine und zurückhaltende Crowd direkt abholte und zum Schunkeln und Träumen brachte. Ich habe Elimako schon öfters live gesehen, und es fühlt sich auch dieses Mal so an, als würde sie es schaffen, meinem ganzen Kopfchaos etwas Struktur zu geben, und kann mir vorstellen, dass sie es schafft, genau das auszusprechen/singen, was vielen im Kopf herumschwirrt.


Leider musste ich dann aber schnell weiter in den Club Bahnhof Ehrenfeld zu einem meiner Highlights des c/o Pop Festivals: „Paula Engels“. Weich, warm, manchmal glühend, immer zugewandt und ehrlich spielte sie hier zusammen mit ihrer Band ihr 45- minütiges Set. Paula schaffte es mit ihrer Interaktion mit ihrer Band im Zusammenspiel mit der intensiven Strobo-Lichtshow, die Energy sehr hoch zu halten und das Publikum genau dort abzuholen, wo es war – ganz oben! Mit ihrer zerbrechlichen Stimme erzählte sie aber auch davon, wie hart das Musikbusiness manchmal für sie sei und sie daran manchmal auch etwas den Spaß verloren habe. In ihrer Pause schrieb sie dann einen meiner Lieblingssongs „ich fühl alles“, welchen sie nun performte. Am Ende ihres Sets, bei dem Lied „Blut“, sprang sie sogar selbst in den Moshpit, zeigte sich so nahbar ihren Fans gegenüber und rundete den Auftritt perfekt ab.


Anschließend hatte ich eine kurze Pause und spazierte ganz ohne Erwartungen in das Arttheater Basement. Dort wurde ich dann aber schnell von der Band „Jo the Man the Music“ überrascht. Verzerrte E-Gitarren trafen dort auf einen klaren, ruhigen Singer-Songwriter-Sound und schufen eine schöne Brücke zu der hohen Energy von dem Paula-Konzert. Besonders beeindruckend war der Moment, als die Bassistin mit der Pianistin das Instrument getauscht haben und in dieser Besetzung weiter auftraten. Definitiv eine Band, die man live erlebt haben musste und die ich hoffe, bald wieder sehen zu dürfen.


Zurück ging es dann für mich wieder in den Bahnhof Club Ehrenfeld zu „Panicbaby“, welche auch bei uns auf dem Nürnberg Pop dieses Jahr auftreten. Wie eine Mischung aus Elfe und Prinzessin stand die Sängerin mit ihrer Krone und ihrer DJane auf der Bühne und verzauberte das Publikum mit ihren magischen, ruhigen Klängen. Die erste Reihe war unglaublich textsicher und sang stark mit, während der Rest der Crowd sich elegant und verträumt passend zu den Songs bewegte, was die mystische Stimmung noch schöner machte.


Gegen 21:00 spielte „Ella Stern“ dann im YUCA ihr Konzert. Mit großer Resonanz und viel Energie hüpfte sie auf der Bühne herum und steckte die Crowd mit ihrer guten Laune und ihren typischen Deutsch-Pop- Liedern schnell an. Zwischen Liedern über die 20er und die erste große Liebe spielte sie auch das unreleasede Lied „Coco Chanel“. Einen ganz besonderen Moment schaffte sie, als sie zusammen mit ihrer Band in die Crowd kam und dort einen Song akustisch spielte. Die Menge wurde ruhig und aufmerksam, Seifenblasen stiegen hoch und alle sangen gemeinsam den Chorus – ein Moment, den wohl so schnell keiner mehr vergessen wird.


Anschließend freute ich mich sehr, endlich „Lovehead“ sehen zu dürfen. Die erst 19-jährigen Österreicherinnen aus dem Burgenland brachten nun ihren Indie-Rock in den Bahnhof Club Ehrenfeld. Vor Kurzem war Lovehead noch als Vorband für Kraftklub in ganz Deutschland unterwegs und überzeugten nun mit ihren Texten über alles, was sie im Alltag beschäftigt, die c/o Pop Crowd. Mit ihrer sympathischen und lustigen Art heizten sie die Crowd richtig ein und sprangen gemeinsam mit dem Publikum im Takt.


Den Abschluss am Donnerstag machte dann „Levin Liam“ in der größten Location des c/o Pop Festivals, der Live Music Hall, welche voller Fans und bis hinten gefüllt war. Leider konnte seine Band nicht mit dabei sein, und Levin stand alleine auf der Bühne, was die Performance nicht unbedingt verbesserte. Trotzdem überzeugte er mit seinen Songs, welche aus einer Mischung aus Hip-Hop und Soul bestanden. Besonders seine Spontanität überzeugte, als er kurzerhand die Crowd entscheiden ließ, welche Songs als Zugabe gespielt werden. Besonders über das Lied „aufwachen“ freute ich mich sehr, zu welchem es dann gleich mehrere Moshpits gab.


FREITAG:
Nach viel zu wenig Schlaf ging es für mich am Freitagmittag zu zwei Interviews, die ich mit „Zweifel“ und „Ildiko“ für HowDeepIsYourLove führen durfte und schon bald hier veröffentlicht werden – also better stay tuned.
Nach einer kurzen Pause ging es dann für mich weiter im Bürgerzentrum Ehrenfeld. Hier eröffneten „Horizontaler Gentransfer“ um 17:00 das c/o pop nonstop Programm. 24 Stunden konnte man nun im Bürgerzentrum unterschiedliche DJs/Artists erleben und mit ihnen bis zum nächsten Abend durchfeiern. Horizontaler Genverkehr schaffte es, K-Pop zusammen mit Spoken-Word-Performance über das koreanische Leben in Stuttgart und Art-Pop kulturelle Brücken zu bauen. Die funky Lieder brachten die leider noch sehr kleine Crowd schnell zum Mittanzen und Grooven.


Weiter ging es dann für mich im Helios37 mit der Stuttgarter Rapperin „Ildiko“. Die anfangs noch dünn besuchte Halle füllte sich schnell und war begeistert von Ildikos experimenteller Musik und authentischer Art. Ihr Auftritt wirkte wie ein eigenes kleines Theaterstück, in welchem sie selbst in unterschiedliche Rollen schlüpft und so einen abwechslungsreichen Auftritt lieferte. Einige Fans konnte man an dem typischen „Männer nerven“-Merch und der Textsicherheit erkennen.


Zu aller Überraschung ging es dann für mich zum Special Act des c/o Pops „OK Kid“, welche sich spontan am Vorabend ankündigten. Die Open-Air-Location war prall gefüllt, Fans standen bis zur Straße und feierten den kompletten Abriss gemeinsam. Mit einer perfekten Mischung aus den Liedern vom neuen Album und den alten Bangern wurde schnell klar: OK Kid ist zurück, die Zeit stand still und alles schien für einen Moment OK (Kid).


Mit wohl einem der größten Highlights vieler Fans ging es nun in der Live Music Hall weiter mit „Aaron“. Schon Stunden zuvor konnte man vor der Halle die jungen Fans in der Hoffnung, es in die erste Reihe zu schaffen, warten sehen. Schon ab der ersten Sekunde war die Stimmung ganz weit oben und schnell wurde klar: Das Warten hat sich gelohnt. Die Crowd sprang und sang fleißig mit und Aaron flitzte nach seinem Schlagzeugsolo beim ersten Song nur noch über die Bühne. Plakate wurden hochgehalten und die Stimmung blieb die ganze Zeit oben.


„Zweifel“ spielte nun endlich und einige Fans trafen sich nun im Helios37. Nach etwas Verspätung spielte die Stuttgarter Band nun ihr Konzert. In ihren eingängigen Indie-Sounds behandeln sie Themen, bei welchen einem im eigenen Gedankenkarussell manchmal schwindelig wird. Zweifel zeigte sich sehr dankbar, auf Bühnen wie dieser stehen zu dürfen, und machten darauf aufmerksam, welche Bands im Anschluss auf dieser Bühne spielen werden. Bei einem Lied verwandelte sich die Crowd in ein Taschenlampen-Lichtermeer und schaffte so zwischen kleinen Moshpits einen ruhigen, magischen Gänsehautmoment.


Kurz später konnte ich es mir nicht nehmen lassen, bei „Udo West“ vorbeizuschauen. Der Mix aus Funk und Pop ordnet die Band selbst als „Neue Deutsche Welle“ ein, erinnerte mich etwas an „Roy Bianco und die Abbrunzati Boys“, machte mir selbst sehr viel Spaß und schaffte es, mich meine Müdigkeit schnell vergessen zu lassen: Gute Laune vorprogrammiert.


Mein persönlicher Festivalabschluss war dann „YungPepp“, welcher nun im Arttheater Saal auftrat. Auch hier standen viele Fans schon einige Zeit vorher vor der Tür, um ihrem Lieblingsrapper so nah wie möglich zu sein. Der 17-jährige Newcomer spielte bereits als Vorband von 01099, Nina Chuba, Kraftklub etc. und erschuf sich so in kürzester Zeit eine große Fanbase welche sich auf dem c/o pop traf.


FAZIT:
Insgesamt überzeugt das Festival mit einer sehr gelungenen Mischung aus bekannten Acts und spannenden Newcomer:innen, wodurch ein abwechslungsreiches und lebendiges Line-up entsteht. Besonders positiv fällt auf, dass viele kleinere Artists die Möglichkeit bekommen, auf Bühnen aufzutreten und sich einem größeren Publikum zu zeigen. Auch das FLINTA*-freundliche Line-up ist ein wichtiger und schöner Aspekt, der für mehr Diversität sorgt.
Etwas schade ist, dass viele Bands erst relativ spät begonnen haben, wodurch es häufiger zu Überschneidungen kam und man sich oft zwischen Acts entscheiden musste. In einem Moment, in welchem ein Fan umgekippt ist, hätte ich mir außerdem eine schnellere Präsenz von Sanitäter:innen gewünscht.
Dafür sorgte Frau Gretel mit ihrer Moderation immer wieder für lockere und unterhaltsame Übergänge, was das Festival zusätzlich aufgewertet hat. Auch die nah beieinanderliegenden Locations haben das Festival deutlich angenehmer gemacht und kurze Wege ermöglicht.
Leider konnte ich am Samstag und Sonntag nicht mehr dabei sein, das möchte ich im nächsten Jahr auf jeden Fall nachholen, um das gesamte Festival mitzuerleben, denn als Showcasefestival hat das c/o pop definitiv seinen ganz eigenen, sehr coolen Charakter.
// Text & Bilder: Annabel Bader //
