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Nachbericht: Katha Pauer in München

Katha Pauer lud ihre Fans am 11. Mai ins Milla in München ein und verwandelte die Venue für einen Abend in ihr ganz eigenes „Puppenhaus“. Die kleine, besondere Tour umfasste lediglich zwei Stopps: einen in Berlin und einen in München. Umso mehr freute ich mich, bei diesem intimen Konzert dabei zu sein und die besondere Atmosphäre des Abends miterleben zu können.

Den Auftakt machte die Vorband Pier. Die Indie-Pop-Band aus Düsseldorf eröffnete den Abend vor einer noch langsam eintreffenden Crowd mit einem rund 30-minütigen Set. In ihren Songs verarbeitet die Band persönliche und existenzielle Ängste und verbindet diese mit leichten Rock-Elementen. Sympathisch und sichtlich dankbar für die Gelegenheit, diesen Support-Gig spielen zu dürfen, schafften sie es schnell, das Publikum auf den bevorstehenden Auftritt von Katha Pauer einzustimmen.

Im weiteren Verlauf des Sets präsentierte Katha Pauer ihre emotionalen Singer-Songwriter-Stücke. Mit Liedern über ihre Schwester, Mental Health ihre Familie und persönliche Erfahrungen schaffte sie es, immer wieder Gänsehautmomente zu erzeugen. Das Publikum hörte aufmerksam zu, sang die Texte mit und verdrückte an der einen oder anderen Stelle sogar eine Träne.

Doch nicht der gesamte Abend blieb in dieser melancholischen Stimmung. Mit einem Song über Masturbation lockerte Katha das Konzert etwas auf und sorgte für einige Schmunzler im Publikum. Gleichzeitig wurde die Bühne um eine weitere Musikerin erweitert: Eine Cellistin unterstützte fortan die Band und verlieh den Songs mit ihrem Spiel zusätzliche Tiefe und Wärme.

Passend zum Heimspiel in Bayern wurde die Stimmung im weiteren Verlauf des Abends noch gehobener. Katha richtete einen bayerischen Trinkspruch an das Publikum und stieß gemeinsam mit ihrer Band mit einem Schnaps an.

Ursprünglich war geplant, dass Jeremias als Special Act auftritt und gemeinsam mit Katha Pauer den Song „Leih mir deine Tränen“ performt. Aufgrund einer krankheitsbedingten Absage kam es dazu jedoch nicht. Stattdessen übernahm Jona Straub den Part des Features und sang das Lied gemeinsam mit Katha. Persönlich empfand ich diese Version sogar als besonders gelungen. Nach den Diskussionen rund um die Band im vergangenen Jahr habe ich mich ohnehin komplett von Jeremias distanziert, weshalb mich die Absage weniger enttäuschte als vielleicht andere Besucher. Umso schöner war es, dass Jona Straub einsprang. Die beiden harmonierten hervorragend miteinander und die intime Atmosphäre des Konzerts passte für mich perfekt zu dieser Interpretation des Songs. Rückblickend war dies einer der schönsten Momente des Abends.

Bei einem der emotionaleren Songs wartete eine besondere Überraschung auf Katha Pauer. Im Publikum wurden zahlreiche ausgeschnittene Herzen in die Luft gehalten, die im Rahmen eines Fanprojekts vorbereitet worden waren. Die Aktion verlieh dem ohnehin sehr intimen Konzertmoment eine zusätzliche emotionale Ebene und sorgte für eine spürbar besondere Atmosphäre im gesamten Raum. Auch Katha bemerkte die Herzen sofort und freute sich sichtlich über die liebevolle Geste ihrer Fans.

Mit ihrem „Puppenhaus“ hat Katha Pauer einen Abend geschaffen, der vor allem von Nähe, Ehrlichkeit und Emotionen lebte. Statt großer Effekte standen die Geschichten hinter den Songs, die besondere Verbindung zur Crowd und die spürbare Freude am gemeinsamen Musizieren im Mittelpunkt. Gerade die Mischung aus nachdenklichen Momenten, humorvollen Einlagen und der familiären Atmosphäre machte das Konzert zu einem besonderen Erlebnis.

Etwas kritisch sehe ich hingegen die Zusammenarbeit mit Jeremias. Auch wenn die Band an diesem Abend krankheitsbedingt nicht auftreten konnte, hinterlässt die Entscheidung für eine Zusammenarbeit nach den öffentlichen Diskussionen des vergangenen Jahres für mich einen faden Beigeschmack. Umso passender wirkte rückblickend die Version von „Leih mir deine Tränen“ mit Jona Straub, die sich deutlich besser in die intime Stimmung des Konzerts einfügte.

Am Ende bleibt jedoch vor allem die Erinnerung an einen sehr emotionalen Abend, der gezeigt hat, wie viel Wirkung eine Bühne, ein paar Instrumente und ehrliche Songs entfalten können. Katha Pauer bewies eindrucksvoll, dass große Konzertmomente nicht von der Größe der Venue abhängen, sondern von der Atmosphäre, die zwischen Künstlerin und Publikum entsteht.

// Text & Bilder: Annabel Bader //