Nachbericht: Lovehead im Z-Bau
Seit ihrem zweiten Release „erdnussallergie“ vor eineinhalb Jahren geht die Karriere der österreichischen Band „Lovehead“ steil bergauf. Nach zahlreichen Shows, unter anderem als Vorband für Kraftklub dieses Jahr, sind sie im Spätsommer auf der „Sommerwind Tour“ unterwegs.
Die Galerie im Z-Bau ist an diesem 16. September voll und Urbannino eröffnet den Abend. Für ihn ist es seine Premiere im Z-Bau, bei der er herzlich empfangen wird. Das Publikum ist generell eher jung und den ganzen Abend sehr engagiert beim Mitsingen und Jubeln. Er startet mit seinem bis dahin neusten Song „Beweg dein Arsch“, was er auf der Bühne auch gerne vormacht.

Auch mit Liedern wie „PMS“ (Powerade Sekt Mate) und „Kein Geld“ bringt er schonmal ordentlich Energie mit. Urbannino freut sich sehr, dass noch lauter mitgesungen wird als beim letzten Tour-Stop mit ihm. Er erzählt vom Deal mit Lovehead, die ihn vor zwei Jahren auf seiner Tour supported haben – einen Gefallen, den er jetzt gerne erwidert. „Für immer wach“ können viele mitsingen und bei „OMG“, teilweise auf den Beat von „Axel F“ gelegt, überzeugt Urbannino mit einem Robotertanz. Er schließt mit „I Love It“ von Icona Pop und Charli XCX. Spätestens jetzt hat er das Publikum abgeholt.

Passend zur gleichnamigen EP und Tour starten Lovehead mit „sommerwind“ und fangen damit die Spätsommer-Stimmung ein. Nach „rote ampeln“ und „fanta lustig“ ihrer ersten EP erzählen sie kurz die Hintergründe von „anthony“ – ein leicht unangenehmer Typ, den Leni, Mara und Anne der Band vor ein paar Jahren in einem Pub in London kennengelernt haben. Den Aufrufen der untermalenden „Wuhu“ und „Buh“-Rufen kommt das Publikum enthusiastisch nach. Das Lied wird ergänzt vom gekonnten Bass-Solo und dem eingeschobenen Teil von „What’s Up“ der 4 non blondes.

Auch wenn der folgende Song inhaltlich eher traurig ist und von vergangener Freundschaft handelt, eignet sich „denkst du an mich“ dennoch gut für einen Moshpit. Das gemeinsame, laute Mitsingen findet die Band ganz „entzückend“.

Vor allem „sterne“ der zweiten EP löst große Begeisterung aus. Die Seifenblasen, die jemand aus dem Publikum den ganzen Abend über pustet, passen hier besonders zur Atmosphäre. Beim langsamen, leisen Teil und dem Instrumental kommt das Konzert kurz zur Ruhe. Das bleibt allerdings nicht lange so, als im Refrain von „lieder für mich“ alle mitspringen.

Etwas, das ihnen am Herzen liegt, ist die klare Aussprache gegen Feindlichkeiten jeder Art und der Einladung, das Konzert zu verlassen, sollte man das anders sehen. Auch im Lied „heimweg“ wird es ernster. Es geht um das ungute Gefühl und die Gefahren des nächtlichen Nachhausewegs von Frauen und weiblich gelesenen Personen.

Beim unveröffentlichten Track „für immer“ dürfen die Begleitungen gerne umarmt und gemeinsam geschunkelt werden. Die neudeutsch „mausige“ Art des Publikums zeigt sich mir hier bei der Einladung zum Schunkeln der Personen neben mir, die gesehen haben, dass ich allein auf dem Konzert bin :).

Auch das nächste Lied fördert das Gemeinschaftsgefühl des Abends: sobald die ersten Takte erklingen, stimmen alle begeistert beim Cover von „Denkmal“ von Wir sind Helden ein. Nicht nur hier können alle den Text, sondern auch beim angekündigten sehr emotionalen Song. Für diesen spielen die drei sogar ganz besondere Instrumente – eine Okarina, eine Maultrommel und eine Blockflöte. Das passende Outfit hat Urbannino der Band geschenkt, der jetzt auch mit Gesang unterstützt: mit Schwimmflügeln gekleidet wird eine sehr außergewöhnliche Performance von „Alle meine Entchen“ dargeboten.

Weniger kinderfreundlich wird es im darauffolgenden Song „sex am see“, über den sich das Publikum laut jubelnd sehr freut. Das Set schließen die drei mit ihrem Durchbruch-Song „erdnussallergie“, für den nochmal ein Moshpit aufgemacht wird.

Eine kleine, aber feine Zugabe gibt es mit einem Rap, der musikalisch bewusst ganz anders ist, aber sich perfekt in die Show einreiht, die großen Spaß gemacht hat.





// Text & Bilder: Ilsa Hösch //
