Nachbericht: Zartmann in der KIA Metropol Arena
Mit „tau mich auf“ landete Zartmann Anfang 2025 seinen ersten Nummer-1-Hit, im April veröffentlichte der Musiker die aktuelle „schönhauser EP“. Im Zuge seiner bislang größten Tour lud Zartmann am 13. Februar in die Nürnberger KIA Metropol Arena ein.

Als Support verzaubert anaïs die ausverkaufte Halle. Wir haben die Sängerin schon das ein oder andere Mal hier bei HDIYL gefeatured, unter anderem in der Kategorie Geschmacksfragen (HIER). Um kurz nach 19 Uhr tritt sie gemeinsam mit ihrem Gitarristen vor den weißen Vorhang, der die Bühne verdeckt. In das Licht eines einzigen Spotlights getaucht begrüßt sie das Publikum und erntet in den kommenden 30 Minuten mit ihren Songs viel Applaus. Die ersten Reihen zeigen sich textsicher und anaïs gibt sich sichtlich dankbar. Wir dürfen den Klängen von u.a. „99 sorgen“, „fremdknutschen“, „a***h der welt“ und „désolée“ lauschen. Für den letzten Song „valentino“ wird die KIA Arena durch tausende Handylichter erhellt, das Publikum bedankt sich für diese stimmungsvolle Show mit Jubel und Applaus. Am 18. September wird anaïs übrigens mit ihrer „wünsch dir was – extrawünsche tour 2026“ nach Franken zurückkehren und im Erlanger E-Werk spielen.
Als um kurz nach 20 Uhr das Licht erneut erlischt, füllt ohrenbetäubender Jubel die Halle. Mit „meinen die uns“ eröffnen Zartmann und seine Liveband das Set, das überwiegend sehr junge Publikum singt ab der ersten Zeile jedes Wort euphorisch mit und das Energielevel wird innerhalb von wenigen Sekunden von 0 auf 100 katapultiert. Am Ende des Songs schießt Konfetti in Form von roten Herzen in die Menge – ein kleiner Höhepunkt nach nur wenigen Minuten. Am Rande des Bühnengrabens beobachten wir, wie die Security einem Fan in der ersten Reihe eine Handvoll Herz-Konfetti vom Boden überreicht – schnell werden die Herzen in der Tasche verstaut und als Erinnerung an diesen Abend in Ehren gehalten. „Herzlich Willkommen zur Zartmann Tour 2026, ich hab so Lust, mit euch den Abend zu verbringen – okay, der Nächste ist was zum Mitsingen“, spricht Zartmann nun etwas außer Atem und überwältigt durch sein Mikrofon. Zum Durchatmen ist jedoch wenig Zeit: „wir haben’s überlebt“ und „wie du manchmal fehlst“ sind die nächsten Songs auf der Setlist. Die Freude der rund 4000 Besucher:innen und die sympathische Ausstrahlung Zartmanns sind enorm ansteckend und über dem Publikum schwebt pure Euphorie.

Die Textsicherheit der Crowd ist beeindruckend. Bei dem Lied „wie du manchmal fehlst“ singt die Crowd ohne Probleme und Zartmanns Unterstützung den kompletten Part des eigentlichen Feature-Sängers Ski Aggu, und auch bei so ziemlich jedem anderen Song scheint es fast so, als würde Zartmann von einem Chor begleitet werden.
Aber nicht nur Zartmann selbst trägt zur ausgelassenen Stimmung bei: Die Musiker:innen seiner Liveband an Gitarre (Benjamin), Bass (Malik), Keyboard (Franka) und Drums (Aaron) bringen die Energie der Songs noch einmal intensiver in die ausverkaufte Arena und werden unter lautem Jubel den Besucher:innen von Zartmann vorgestellt. In Kombination mit der beeindruckenden Bühne dürfen wir an diesem Abend eine beachtliche Produktion erleben, sowohl musikalisch als auch visuell. Über der Bühne schwebt eine Scheinwerfer-Konstruktion, die sich sowohl heben, senken als auch neigen kann. Die Band spielt in der Mitte der Bühne, umringt von einem Steg, der an beiden Seiten wie eine Rampe nach oben führt.

Die Show überzeugt in den lauten und berührt in den leisen Parts. Während einige Songs in ein Lichtermeer getaucht vom Publikum beinahe andächtig durchlebt werden, feiert die ganze Halle die Tracks, zu denen Zartmann über die Bühne rennt, springt und Pyroeffekte und Konfetti die Halle in ein imaginäres Feuerwerk verwandeln. Von Outfitwechseln bis hin zu einer Performance auf einer B-Stage mitten im Publikum freuen wir uns über diese kurzweilige und ereignisreiche Show. Ernst und emotional wird es, als Zartmann hinter einem durchsichtigen Vorhang einen neuen, noch nicht veröffentlichten Song präsentiert. In einer kurzen Ansprache erzählt er von Anfeindungen und sogar Morddrohungen, die er als Reaktion auf seine klare Positionierung gegen die AfD erhalten hat. Er betont, dass er seine Position immer wieder aufs Neue genau so kommunizieren würde und wird und erntet dafür Applaus vom Publikum.
Das Publikum wird plötzlich ganz ruhig, als Malik das Outro von Zartmanns „unreleased“ Song rappt. Man merkt, wie alle kurz innegehalten haben. Viele haben einfach nur zugehört, manche mit Handy in der Luft, andere komplett im Moment. Die Stimmung ist besonders: nicht laut, nicht wild, sondern echt. Als er fertig ist, kommt Applaus aus allen Ecken. Ein warmer, ehrlicher Applaus für diesen kleinen Gänsehaut- Moment.

Für die Songs „zu stolz“ und „lass es gehen“ wechselt Zartmann von der Hauptbühne zur kleineren B-Stage, welche sich im hinteren Teil der Kia Metropol Arena befindet und schafft so einen ganz besonderen Moment. Besonders nahbar wird es, als er die Crowd auffordert, einen Gang nach vorne freizumachen, von der Bühne kommt, einige Fans umarmt und durch die Menge nach vorne zur Main Stage läuft.
Mit seinem Drummer Aaron, den wir kürzlich erst als Support für 01099 ebenfalls in der KIA Arena gesehen haben, performt Zartmann den Song „Sommer“. Während die ersten Töne am Klavier erklingen, das Zartmann für diesen Track spielt, werden sowohl im Innenraum als auch auf den Tribünen bunte Papier-Herzen in die Luft gehalten. Zartmann und Aaron geben sich sichtlich berührt und werden nicht zum ersten Mal eins mit der Menge.

Die Setlist ist insgesamt gut gemischt, nimmt aber besonders in der Mitte des Konzerts einen ruhigeren, emotionaleren Ton an.
Mit „Rotkäppchen“ schlägt der Abend dann eine ganz andere Richtung ein. Noch bevor die ersten Beats einsetzen, wird vorne auf der Bühne eine Flasche geköpft und Zartmann verteilt den Inhalt grinsend direkt an seine Bandmitglieder, sehr zur Begeisterung des Publikums. Nach den zuvor eher ruhigen, emotionalen Songs wirkt dieser Moment wie ein Umschalten: Die Menge wird sofort lauter, dichter, bewegter. Überall wird getanzt, mitgesungen und gejubelt, die Energie ist plötzlich roh und ausgelassen.
Bei den Zugaben gibt es dann wenig Überraschungen: Mit „meinen die uns“, „ehhy“ und „tau mich auf“ kommen genau die Songs, auf die viele schon gewartet hatten. Trotzdem tut das der Stimmung keinen Abbruch – im Gegenteil: Die Energie in der Halle ist nochmal spürbar intensiver, alles wird lauter, enger und emotionaler. Spätestens jetzt singt wirklich jede:r mit, Arme sind in der Luft, und der Abend endet auf einem absoluten Höhepunkt.

Die Stimmung war durchgehend stark ausgelassen, fröhlich, zwischendurch berührend und voller Energie. Die Show blieb abwechslungsreich und kurzweilig, mit viel guter Laune, etwas Party und auch ein paar ernsteren, wichtigen Momenten. Die Liveband hat das Ganze nochmal auf ein anderes Level gehoben, vor allem die Pianistin mit viel Gefühl und Präsenz. Auf der Bühne war ständig Bewegung, viel Körpereinsatz, trotzdem wirkte alles locker und oft sogar zurückgelehnt, mit ehrlicher Freude im Gesicht. Ein Abend, der einem den Rest der Welt für ein paar Stunden vergessen ließ.



// Text: Annabel Bader & Sarah Weinberg / Bilder: Max Hartmann //
