Interview mit Paula Engels
Im Rahmen des PULS Startrampe Live Events im E-Werk Erlangen haben wir auch ein paar Interviews mit den Künstlern und Künstlerinnen führen dürfen. Den Anfang macht Paula Engels.
Du hast jetzt kürzlich deine erste Tour gespielt. Wie war’s für dich?
Das war ganz absurd irgendwie. Also unfassbar schön, unfassbar körperlich anstrengend. Im Großen und Ganzen ganz toll. Das erste Mal so viele Leute vor dir zu haben, die deine Texte kennen und mitsingen und irgendwie für dich da sind, das war ganz verrückt. Alle Shows waren ein bisschen anders, aber alle auf ihre Art sehr besonders. Im Nachhinein denke ich es hätte länger sein müssen, aber vielleicht ist auch gut zu stoppen, wenn es am schönsten ist.

Gab es einen Song, der live am meisten Spaß gemacht hat, vielleicht auch auf die Reaktion des Publikums bezogen?
Wir haben mein Set zur Tour nochmal ein bisschen geändert und ein paar neue Sachen gemacht, bei denen wir uns super viel Mühe gegeben haben. Ich glaube, das waren immer meine Lieblingsmomente. Wir haben bei meinem Song „Pirouetten“ eine ganz neue Version gemacht, fast nur Vocals im ganzen Song. Das hat mir jedes Mal richtig viel Spaß gemacht. Bei „An meinen Händen klebt Blut“ habe ich einen Moshpit mit allen zusammen gestartet und das war auch jeden Abend aufs Neue sehr lustig. Danach war ich immer so außer Atem und musste dann eine Ballade singen. Das war das Einzige, was jeden Abend eine Herausforderung war, weil man so viel gesprungen ist und gleichzeitig singen musste. Ich glaube ich muss jetzt mal mehr üben, also irgendwie joggen gehen und dabei singen, dass man auch während man Sport macht genug Luft hat.

Mit welchen drei Worten würdest du dein Debütalbum beschreiben?
Jetzt ist mir der Joke „Kommt von Herzen“ eingefallen.
Der Albumtitel gilt natürlich nicht.
Nein, okay, es ist erstens sehr ehrlich. Es ist irgendwie sehr ehrlich und persönlich. Wir zählen das als ein Wort, okay? Ich schummel ein bisschen. Ich hatte irgendwie Angst, dass es nicht so „ich selbst“ wird und das ist es am Ende aber geworden. Und ich glaube, es ist warm. Also ehrlich, warm und sehr „ich selbst“, auch wenn das kein Wort ist. Aber ich glaube, das fasst es im Großen und Ganzen gut zusammen.

Kannst du uns ein bisschen in die Albumproduktion mitnehmen? Wie war es für dich? Gab es Highlights, gab es Zweifel?
Ganz viel von beidem. Es war ein langes Suchen. Ich habe das Gefühl, man hört es dem Album auch ein bisschen an, dass es keine Antworten hat und sehr viele Antworten sucht, aber sie eben irgendwie nicht hat. Es gab ganz viele Aufs und Abs. Das war wahrscheinlich die intensivste Zeit in meinem Leben bis jetzt. Der erste Song, also der älteste Song auf dem Album, ist so um die zwei Jahre alt. Im Großen und Ganzen hat der ganze Prozess, ab dem ersten Song, an dem ich gearbeitet habe, insgesamt fast drei Jahre gedauert. Es war ganz viel „ausprobieren“, ganz viel „verwerfen“. Ich wollte unbedingt ein Konzeptalbum machen und habe natürlich mein Konzept alle zwei Monate verworfen, weil ich mit 17 angefangen habe und mich dann selber ja irgendwie auch alle drei Monate neu erfunden habe. Ich dachte: Jetzt habe ich es verstanden, jetzt bin ich erwachsen, jetzt weiß ich alles. Und dann habe ich ein paar Wochen später gemerkt: Ne, das war es jetzt doch nicht. Ich habe dann irgendwann ein bisschen aufgegeben, unbedingt so ein Konzeptalbum machen zu wollen und einfach gedacht: Okay, ich mache jetzt das ehrlichste Album, was ich in dieser Phase meines Lebens machen kann. Ab dem Zeitpunkt wurde es auch ein wenig klarer, was es werden soll, aber ich glaube, ich habe auch erst verstanden, was es für ein Album ist, als es wirklich fertig war. Es ist so ein bisschen wie Puzzeln im Dunkeln. Man weiß irgendwie nicht, was am Ende dabei rauskommt und macht so vor sich hin, aber hat keine Ahnung, wie es am Ende aussieht. Es war auf jeden Fall krass frustrierend zwischendurch, weil man natürlich manchmal das Gefühl hat: Vielleicht verrenne ich mich jetzt auch hier total und das ist es irgendwie alles nicht. Und ich habe ganz viel mit mir selbst gehadert und viel mit den Dingen, die ich gemacht habe. Ich dachte: Vielleicht ist es nicht gut genug. Und es ist mir schwergefallen, fertig zu werden, weil ich immer dachte, dass es noch besser geht. Man kann ja immer weitermachen. Und deswegen es war schon sehr intensiv. Es geht um sehr viele Momente in meinem Leben, die mir nahe gehen und allgemein sehr viele persönliche Sachen. Deswegen hängt da, glaube ich, irgendwie nicht nur dieses Album dran, sondern ganz viel von meinem Erwachsenwerden in diesen Jahren und ganz viel von diesen Situationen. Es gab natürlich auch viele richtig tolle Momente. Als ich das erste Mal das Album am Stück durchgehört habe, als ich noch im Studio saß, sind mir fast die Tränen gekommen. Weil ich total Angst hatte, dass ich am Ende nicht zufrieden mit dem Album bin. Aber dann habe ich gemerkt: Es ist genau das, was es sein soll und es fühlt sich einfach richtig an. Das war so meine Angst, dass es am Ende vielleicht ein gutes Album ist, ich aber nicht so zu 100 Prozent dahinterstehe. Am Ende war ich richtig stolz und es war voll der schöne Moment. Deswegen glaube ich würde ich auch nichts davon unbedingt anders machen, auch wenn ich zwischendurch echt am Boden war. Trotzdem war es insgesamt eine sehr schöne Reise.

Wenn du morgen überall auf der Welt ein Konzert spielen könntest, wo würdest du spielen und warum dort?
Mein erster Impuls war jetzt New York. Ich war noch nie in den USA, ich war noch nie in New York und ich glaube es ist mir jetzt als erstes eingefallen, weil es da so super viel krasse Sachen gibt, auch musikhistorische Konzerte. Ich weiß noch, als ich in der Schule mal ein Video von Alicia Keys auf dem Times Square gesehen habe, wie sie da gespielt hat. Ich glaube, das wäre verrückt. Ich fände es auch mal spannend in Japan oder so zu spielen. Ich habe das Gefühl, das Publikum ist an anderen Orten bestimmt ganz anders. Ich spiele ja größtenteils nur in Deutschland. Aber mein erster Impuls war New York. Aber da ist es ja auch schwer, weil es dort so viele talentierte Leute gibt. Deswegen vielleicht auch das Gegenteil: In irgendeinem Dorf. Aber ich denke der erste Gedanke ist der, der zählt. Also: New York.

Welche drei Artists sind deiner Meinung nach „underrated“ beziehungsweise welche drei Artists hörst du total gerne, die sich alle anhören / ansehen sollten?
Ich finde „Katha Pauer“ ganz krass. Sie hat tatsächlich auf dem Album bei zwei Songs mitgeschrieben. Ich finde sie ist eine unfassbare Sängerin. Wenn sie neben einem im Studio steht und singt, dann denkt man: Wie geht das? Wie kann jemand so perfekt Töne treffen? Und sie schreibt total schöne Texte und gibt sich mit allem so super viel Mühe und das ist voll schön zu sehen. Ich finde „LUVRE47“ hat ein unfassbares Album dieses Jahr rausgebracht. Ich weiß nicht, ob das „underrated“ ist, aber ich finde das sollte bekannter sein. Das ist ein fantastisches Album. Ich höre es seit es rausgekommen ist mindestens alle zwei Wochen einmal, wenn nicht öfter. Und der Hamburger Rapper „ELEF“, der ist in einem Kollektiv, das heißt „tooloudfortheroom“, und den finde ich auch sehr krass. Alles, was er macht, ist irgendwie sehr ästhetisch. Das wären jetzt meine ersten Gedanken.

Und dann haben wir noch ein paar Sätze, die du gerne vervollständigen darfst:
Wenn meine Musik ein Getränk wäre, wäre sie…
… Kaffee? Ich trinke sehr viel Kaffee, das war mein erster Impuls. Es kann wärmend und cozy sein, aber es kann dich auch einfach sehr „uphypen“.
Wenn meine Musik eine Farbe wäre, wäre sie…
… Ein dunkles Lila. Es ist so melancholisch, aber irgendwie trotzdem nicht kalt und düster. Es ist ein bisschen „umarmend“.
Eines meiner absoluten „Comfort-Alben“ ist…
… Max Herre MTV Unplugged. Das höre ich seit ich in der Grundschule bin und das liebe ich ganz doll.
Für 2026 wünsche ich mir…
… Dass ich ganz viel tolle Musik machen darf. Ich habe immer Angst, dass mir irgendwann nichts mehr einfällt und dass ich alles, was ich sagen wollte, schon gesagt habe. Deswegen hoffe ich, dass ich ganz viel schönes machen darf und mit inspirierenden Menschen arbeiten darf und viele Shows spielen darf. Ich liebe Shows spielen. Es ist jetzt vor kurzem angekündigt worden, dass ich auf dem Southside und auf dem Hurricane spiele. Das ist für mich unfassbar! Also ich war auf beiden Festivals noch nie, aber für mich ist das so insane, wie viele Menschen auf so ein Festival passen und dass ich da jetzt spiele. Wenn es jetzt aber eher so Wunschdenken sein soll, dann vielleicht, dass es wie 2025 wird. Ich hatte einen total schönen Festivalsommer. Ich habe ein Album rausgebracht, was ich sehr schön finde, womit ich sehr happy war und bin und ich durfte ganz viele Leute treffen, denen meine Musik viel bedeutet. Ich glaube, das wäre auch schön fürs nächste Jahr.

Vielen lieben Dank!
// Interview & Bilder: Sarah Weinberg //

