Konfetti! Und außerdem … Frau Holle
Also ich nehme mal an, die meisten von euch haben es dann doch jetzt langsam mal mitbekommen: Dieses Jahr ist Kommunalwahl, in Übersee regiert ein Verrückter und wenn wir uns alle nicht bald mal zusammenreißen, hier auch demnächst. So viel zur Makroebene. Auf der Mikroebene treibt die hiesige Bevölkerung grade etwas anderes um, nämlich die (Misse-)Taten einer Person, deren Identität zwar bekannt ist, die dennoch aber bislang nicht gefasst und zur Rechenschaft gezogen werden konnte. Bei der gesuchten Person handelt es sich um eine Dame betagteren Alters. Sie ist mutmaßlich bekleidet mit Kittel und Haube und gibt sich zu erkennen durch heftiges Betten-Ausschütteln aus Fenstern so unterschiedlicher wie unbekannter Lage. Unregelmäßigkeit und Unkalkulierbarkeit der Missetat erschwert die Ergreifung der Person gehörig, so dass eine unter Hochdruck laufende Fahndung bislang nicht von Erfolg gekrönt war. „Frau Holle“, wie die Täterin sich nennt, treibt also weiterhin ihr Unwesen und sorgt für Schnee, Chaos und Verwehungen. Zumindest sieht es durch die Skibrille des (öffentlichen Nah-)Verkehrs so aus. Doch des einen Leid, des anderen Freud, und so ist neben vielstimmigem Wehklagen auch ein großer Jubel zu vernehmen. Juhu, die Schule fällt aus – ich meine, wer kann schon von sich behaupten, diesen heiligen Satz überhaupt jemals ausgesprochen zu haben (gewisse pandemische Phasen mal ausgenommen), und dann auch noch wegen einer Substanz, die hierzuorts so rar ist wie Fischsemmeln? Komm setz dich ans Fenster, du lieblicher Stern. Malst Blumen und Blätter – wir haben dich gern! Werfen uns schneeengelnd auf den Boden und gegenseitig Batzen ins Gesicht, stapfen knietief versinkend durch die weiße Innenstadt oder langlaufen zum Supermarkt, formen meterhohe Schneemänner, -frauen und manchmal auch -pimmel, hüpfen auf Zehenspitzen durch schwarz-zerfahrenen Schnodder oder auf Snowboards den Burgberg hinab. Letzterem möchte ich jedoch die Spitze der Besonderheit nehmen, weil: ja gut, in Anbetracht der Schneearmut der letzten Jahre schon nice, keine Frage. Aber früher (als alles noch besser war), nämlich am 1. Dezember 2010, herrschten ganz ähnliche Bedingungen. Es trafen sich vier Freunde am Hauptmarkt, wo sie sich in einem ehemaligen Feinkostrestaurant vier schöne, rote Tabletts liehen und mit diesen gen Norden, sprich burgwärts stapften. Oben angekommen begann ein großer Spaß aus rutschen, schlittern und verunfallen, und während die vier Freunde auf ihren roten Plastikplatten den Berg hinunterrasten, rodelte außenrum auf Tüten, Zelten, Abdeckplanen alles herum, was irgendwie rutschbar war. Die Tabletts waren hinterher zertrümmert und ich weiß seitdem um die vielen Steine und Felsbrocken, die auf dem Burgberg herumliegen … Autsch! Ganz so beeindruckt bin ich also nicht von der aktuellen Nürnberg-Streif. Aber jetzt muss ich schnell raus und dem doofen Nachbarn einen Riesenpimmel aufs Auto formen, bevor alles wieder schmilzt. Frau Holle? Darf ruhig noch ein bisschen schütteln.
// Text: Katharina Wasmeier / Foto: David Häuser //
~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~
