reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … In Active Wear durchs Habitat

 Schönen guten Morgen, ihr lieben Liebenden, kaum ist eine Woche absoluten Nichtstuns, wettergewordener Depression und hauptberuflichen Spazierengehens vorbei, schon kommen wir zur Optik. Fühle mich sehr zuverlässig, möchte Sofa fortan in grünem Sweatshirt schreiben. Also, wir erinnern uns: Spaziergang ist nicht gleich Spaziergang, der Profi unterscheidet Disziplinen, darunter: Schlendern, das oder: Powerwalk, der. Je nach Vorliebe gilt es, sich angemessen zu gewanden, was den meisten leidlich gelingt, weswegen versehentliche Disziplinflüchtlinge sogleich aus der Ferne leicht erkannt und darob verspottet werden können. Eine kleine Typologie zur Übersicht:

1. Active Wear, tritt bevorzugt in Kombination mit bzw. an gestylten Jungfrauen und Getränk-to-go-Bechern sowie in Rudelgröße gemäß aktueller Gesetzeslage auf, legt Verdacht nahe, dass im sportlichen Gewand der Prosecco-Früh- bis Spätschoppen daherkommt. Wichtig sind Leggings und Auken-Make-Up in harmonierend raffinierter Farbgebung. Schatz, ich geh Fitness! 2. Der Schlurf, wollte eigentlich, ungewaschen und in Fleckenjoggers, nur kurz Kippen holen, wurde von Spaziergängerwelle erfasst und mitgerissen, von deren Sog er sich erst im Pegnitzgrund befreien kann und dort nicht weiß, wie ihm geschah und er mit seinen ausgelatschten Lederslippern wieder heimkommen soll. 3. Die Unbedarfte, hat sich zum besonderen Ereignis „Höhle verlassen zwengs Müllentsorgung“ in zivile Kleidung gequält und nun befunden, das Ereignis zu nutzen für ein bisschen Beine vertreten; stellt nach 500 Metern im Eisgegenwind fest, dass Ideen schonmal besser waren, tapfert sich hakenschlagend weitere 3,5 Kilometer durch die Unwirtlichkeit, weil irgendwo muss doch dieser Gegenwind einmal vorbei sein; rettet sich in Drogeriefachmarkt, wo sie um 20.03 rausgeschmissen wird. 4. Die Ausgerüsteten, verlassen das Haus standardmäßig nur in Hardshelljacke (Wassersäule 50 000), Berghose (mit Zippern!), Wanderstiefeln samt Gamaschen sowie mit Notproviant zum Bersten gefülltem Rucksack. Lassen mögliche Blicke in der Stadt mit geübter Imprägnierung abperlen, sind auf großer Mission. Im natürlichen Habitat (Wald, der) angekommen sind sie es, die den Stümpern (s. 1, 2, 3) mitleidig-spöttische Blicke zuwerfen und sie mittels Teleskopwanderstab auf Abstand halten. Merken nicht oder nur sehr spät, dass sie nicht wie gedacht mittendrin sind im wilden Urwald, sondern sich am Siedlungsrand entlanghangeln. 5. Der Widerborstige, wird nie, wollte nie und überhaupt hasst Spaziergang, hat „zieh dich bitte anständig an!“ schon aus Protest missachtet. Zelebriert Übellaunigkeit erst ohne, schließlich mit Grund, denn kein Mensch hat vorher gesagt, man müsse sich angemessen anziehen. Balanciert mit Eleganz und Panik einer Katze über metertiefe Schlammpfützen im Versuch, Leder und Wolle zu beschützen; fällt aus Gründen weit hinter der Gruppe zurück, ist darob leicht erkennbar; kombiniert besonders problematisch mit Powerwalker, der (s. letzte Woche). So. Noch Fragen? Die beantworte ich dann nach der nächsten: Maus.

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~