Live / Musik

Nachbericht: Betterov im Z-Bau

Life is better with Betterov

Der Z-Bau in Nürnberg ist gut gefüllt an diesem Abend, aber die Stimmung bleibt angenehm unaufgeregt. Rund 650 Menschen stehen vor der Bühne, einige mit Bierbecher in der Hand, andere unterhalten sich angeregt. Es ist nicht die erste Stippvisite von Betterov, einem der neuen deutschen Poeten Wunderkinder für die, die sich etwas Tiefgang in ihrem Indie-versum wünschen. Heute ist eines dieser Konzerte, bei denen man sofort merkt, dass das Publikum tatsächlich wegen der Musik hier ist.

Licht – Klang – Mensch

Als Betterov mit seiner Band auf die Bühne kommt, liegt der Raum direkt in kühlem Blau, später mischt sich Rot dazu. Die Lichtstimmung bleibt reduziert, aber wirkungsvoll – nichts lenkt ab von dem, was im Mittelpunkt steht. Und das sind der Künstler und seine überraschend agile Band. Von wegen kitschiger Sitzkonzert-Indie, Bewegung ab der ersten Sekunde ist angesagt. Der Einstieg gelingt ohne Umwege. Die ersten Songs tragen sofort, das Publikum ist präsent und textsicher. Diese Balance bleibt den ganzen Abend über bestehen und macht viel von der Atmosphäre aus.

Betterov bewegt sich viel, wirkt dabei aber nie unruhig. Eher fokussiert, manchmal fast in sich gekehrt. Seine Stimme ist dabei das stabile Zentrum – warm, leicht rau, mit dieser erzählerischen Qualität, die seine Songs so prägt. Zwischen den Stücken spricht er mit dem Publikum, erzählt kleine Anekdoten. Eine davon bleibt besonders hängen: die Flucht seines Vaters aus der DDR, 800 Ostmark in der Tasche – nach dem Wechselkurs nichtmal 60 Deutschmark – und die erste Anschaffung im Westen ist eine Jeans und ein Fünf-Liter-Fass Veltins. Ein kurzer, fast beiläufiger Moment, der viel über die Mischung aus Ernst und Leichtigkeit erzählt, die sich durch den Abend zieht. 

Immer wieder entstehen diese ruhigen, konzentrierten Passagen, in denen der Saal fast still wird. Niemand redet, niemand schaut aufs Handy – die Aufmerksamkeit unter den Zuschauer:innen ist deutlich spürbar. Gleichzeitig gibt es genug Momente, in denen sich die Energie löst, in denen mehr Bewegung entsteht und die Songs das Publikum tragen.

Natürlich sind es auch die bekannten Stücke, die den Raum noch einmal anders zusammenziehen. Bei „Jil Sander Sun“ hebt sich die Stimmung merklich, „Du hast in mein Herz gemalt“ wird breit mitgesungen, und spätestens bei „Dussmann“ ist dieser kollektive Moment da, in dem wirklich alle drin sind – ohne dass es je ins Überladene kippt.

Ehrliche Musik

Die Band spielt präzise, aber nicht überkünstelt. Ehrliche Musik für ein erwartungsvolles Publikum. Nichts wirkt überinszeniert, alles bleibt nahbar. Gerade das macht die Dramaturgie des Sets so stimmig: Es geht nicht um große Effekte, sondern um Stimmungen, die sich langsam aufbauen und wieder lösen. Im letzten Teil vor der Zugabe verdichtet sich das Ganze noch einmal. Die Themen werden nochmal persönlicher, die Atmosphäre dichter, ohne schleppend schwer zu wirken. Es ist diese Mischung aus Melancholie, Selbstbeobachtung und einem leisen Trotz, die Betterovs Songs zusammenhält – und die live besonders gut funktioniert.

Nach der kurzen Pause folgt eine Zugabe, die den Abend genau richtig abschließt. „Viertel vor Irgendwas“ bringt noch einmal Bewegung rein, bevor der Knaller „Dussmann“ am Ende wie ein Abspann funktioniert – ein Song, der nachhallt, statt einfach zu enden. Auch wenn das Nürnberg Publikum statt eines Dussmanns eben nur die CD Abteilung vom Müller als Fluchtort hatte.

Als das Licht angeht, dauert es einen Moment, bis sich der Raum wieder in Bewegung setzt. Viele bleiben noch stehen, als müssten sie erst wieder im Alltag ankommen.

Life is better with Betterov – zumindest für diesen Abend im Nürnberger Z-Bau.

// Text & Bilder: Désirée Pezzetta //