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Nachbericht: Remote Bondage im Club Stereo

Am 7. Mai war es endlich wieder so weit: Remote Bondage kamen gemeinsam mit ihrer Vorband EALA zurück nach Nürnberg ins Stereo. Da ich sowohl Remote Bondage als auch EALA bereits bei der letzten Tour von ok.danke.tschüss als Vorband erleben durfte und sie mich damals sofort überzeugt haben, konnte ich mir diesen Abend natürlich nicht entgehen lassen. Deshalb gibt es jetzt meinen Nachbericht.

Pünktlich um 20 Uhr eröffnete EALA den Abend mit einem halbstündigen Set und schaffte es schnell, das Publikum zum Tanzen zu bringen. Die energiegeladene Frontsängerin erzählte zwischendurch, wie dankbar sie dafür sei, all das erleben zu dürfen. Gleichzeitig habe sie oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Ihre Songs seien nicht gut genug, ihr Gesang nicht gut genug etc. Gegen dieses „scheiß Imposter- Syndrom“ habe sie inzwischen allerdings eine Methode gefunden: einfach ausprobieren, wie weit man damit kommt. Mit genau dieser Botschaft leitete die Band anschließend den dazu passenden Song „Catch Me If You Can“ ein.

Nach einer kurzen Umbaupause begann das Intro von Remote Bondage: Im Stil eines Retro-Serienintros bekam das Publikum zunächst ein kurzes „Was bisher geschah“ zu hören, bevor schließlich sogar das Intro von Hannah Montana eingespielt wurde und die Stimmung im Saal endgültig auf das Konzert vorbereitete.

Nach und nach betraten die Bandmitglieder in ihren auffallend extravaganten Outfits die Bühne und eröffneten den Abend mit dem Song „Good Girls“ – eine perfekte Wahl für den Tourauftakt, schließlich trägt die Tour den Namen „Good Girls Go To Hell“.

Nach einer kurzen Awareness-Ansage erklärte die Band außerdem die Bedeutung des Tournamens. Mit „Good Girls“ sei dabei weniger das weibliche Geschlecht gemeint, sondern vielmehr das gesellschaftliche Konstrukt dahinter: das Bild weiblicher Anpassung: immer nett sein, immer lächeln, immer ordentlich und angenehm wirken, geprägt von patriarchalen Strukturen. Das seien an sich keine schlechten Eigenschaften, problematisch werde es jedoch dann, wenn jemand von diesem Bild abweiche und plötzlich alle schockiert reagieren würden. Genau dieses angepasste „Good Girl“ wolle die Band deshalb musikalisch und allgemein gesprochen „einfach mal in die Hölle schicken“. Mit einer so starken Message direkt zu Beginn konnte der Abend eigentlich nur gut werden. Das sah offenbar auch das Publikum so und reagierte mit lautem Jubel, der erneut von einem Hannah Montana-Jingle begleitet wurde.

Besonders auffällig war außerdem, wie durchdacht die komplette Show aufgebaut war. Vor fast jedem Song gab es kleine Sketche, Anspielungen oder Hintergrundgeschichten, die auf das kommende Lied einstimmten. Vor „Ode an die Periode“ wurde beispielsweise mit einem „Periodenshot“ angestoßen.

Zwischen viel guter Laune, einigen FLINTA*-Moshpits und jeder Menge Energie blieb aber auch Raum für ernste politische Botschaften. Remote Bondage sprach unter anderem über Genozide, Kriege, Catcalling, patriarchale Strukturen und Sexismus. All das finde die Band „ziemlich scheiße“ und unterstellte dem Publikum augenzwinkernd, dass diese „slightly linke Bubble“ vermutlich ähnlich darüber denke und genauso Lust habe, gemeinsam dagegen anzukämpfen. Passend dazu kündigte die Band anschließend den Song „So kann’s nicht bleiben“ an, bei welchem die ganze Crowd mitsang und einen magischen Moment schuf.

Weiter ging es anschließend mit einer ordentlichen Portion Ironie. So wurde beispielsweise der wohl emotionalste Remote-Bondage-Song „Nintendo DS </3“ angekündigt, woraufhin ein Fan tatsächlich seinen Nintendo DS zum Filmen herausholte.

Vor dem Song „WG“ verriet die Band außerdem, dass sie alle gemeinsam in einer WG leben, und sangen dabei von den kleinen Struggles des Zusammenlebens. Trotzdem hätten sie sich natürlich alle sehr lieb, ergänzten sie am Ende des Songs und stimmten kurzerhand das Lied „Ich hab dich so lieb“ an. Dafür wurde spontan sogar eine kleine Choreografie einstudiert, bei der die Crowd begeistert mittanzte.

Außerdem kam das Publikum an diesem Abend sogar in den Genuss von zwei neuen, bisher unveröffentlichten Songs, zu denen ebenfalls fleißig getanzt wurde.

Beim Lied „Ronny“ übernahmen die drei Sängerinnen schließlich jeweils einen Teil des Publikums und dirigierten den „Ronny-Chor“. Im Refrain sangen die verschiedenen Crowd-Teile abwechselnd das Wort Ronny“ – jedes Mal ein kleines Stück höher.

Als Zugabe spielten Remote Bondage (passend zur Location im Stereo 😉 ) „Jens auf Hawaii“ sowie „So gerne hässlich“ und brachten die Stimmung damit ein letztes Mal auf ihren Höhepunkt.

Alles in allem lieferten Remote Bondage an diesem Abend weit mehr als nur ein gewöhnliches Konzert. Zwischen energiegeladenen Songs, humorvollen Sketchen, emotionalen Momenten und klaren politischen Botschaften schaffte es die Band, eine Show auf die Bühne zu bringen, die sich gleichzeitig chaotisch, durchdacht und unglaublich nahbar anfühlte.

Gerade diese Mischung aus Ironie, Selbstironie, Haltung und echter Freude an der Musik machte den Abend im Stereo so besonders.

Auch das Publikum trug seinen Teil dazu bei: Von FLINTA*-Moshpits über spontane Choreos bis hin zum lautstarken „Ronny-Chor“ war die Stimmung durchgehend ausgelassen. Trotzdem blieb immer Raum für wichtige Themen und ehrliche Ansagen, ohne dass die Leichtigkeit der Show verloren ging.

Spätestens nach der Zugabe dürfte deshalb klar gewesen sein: Die „Good Girls Go To Hell“-Tour macht ihrem Namen alle Ehre und Remote Bondage gehören definitiv zu den Bands, die man live erlebt haben sollte.

// Text & Bilder: Annabel Bader //