Schreibschwein © David Häuser
Konfetti - Die Kolumne

Konfetti! Und außerdem … Pfingstkärwa

Neulich war mal ein schönes Wetter, und weil das so praktisch mit dem Muttertag zusammenfiel, sammelte sich die ganze Brut um das Muttertier und besuchte gemeinsam einen feinen Biergarten. Man plauderte so vor sich hin, bis der Zwerg, mittlerweile fünf Jahre alt und zu absoluter geistiger Hochform aufgelaufen, eine unschuldige Frage stellte: „Was ist eigentlich Kirchweih?“ Absolut berechtigte Frage, der sich alle gewachsen fühlten und kurzerhand mit Bierzelt, Karussell und Maibaum antworteten. Doch ich ahnte ein Ungemach, das auch sogleich folgte. Nämlich in dem Moment, in dem eins der Anwesenden gscheidhaflerisch die Antwort um „Pfingsten“ ergänzte. In mir brach ein innerlicher Jubel aus und ich blickte gespannt zum Kind, um zu sehen, wie es fragte, wovon ich annahm, dass es gleich fragen würde. Und juhu: „Mhmm aber was ist eigentlich Pfingsten?“ Ein großes Gelächter brach aus mir heraus. „Na, jetzt zeigt mal, was ihr könnt!“ lästerte ich, und blickte in eine Ansammlung leerer Gesichter. „Ähm also naja, da feiern wir …“ traute sich die Kindsmutter an die Aufgabe, doch noch ehe sie zuende geraten haben konnte, frug der Zwerg schlau: „Aber was feiern wir denn da?“, was von einem weiteren Familienmitglied mit einem eilig dargereichten „Kärwa!“ beschieden und das Thema damit als beendet erklärt wurde. Ich weiß nicht, ob es sich hierbei um einen sogenannten „Ringschluss“ handelt, aber ich würde das als Erklärung akzeptieren. Und amüsiere mich weiter, weil niemand, wirklich niemand sich merken kann, was genau es eigentlich mit Pfingsten auf sich hat. Einschließlich mir. Blättern wir also nochmal im Brockhaus. „Pfingsten ist ein christliches Fest. Der Festinhalt ist die Sendung des Geistes Gottes zu den Jüngern Jesu“ oder „die Aussendung des heiligen Geistes“. Der Pfingstsonntag ist der 50. Tag der Osterzeit, also 49 Tage nach dem Ostersonntag, deswegen kann er im Kalender variieren. Es ginge vielleicht leichter zu merken, wenn es nicht „Pfingsten“ hieße, sondern „Pfüngsten“ oder so, da lautet die 50 wenigstens mit an. Aber vielleicht taugt es trotzdem als Eselsbrücke. Dennoch hat auch der Rest der Familie absolut Recht behalten, zumindest, wenn man gelten lässt, dass seit Menschengedenken in meinem Herkunftsstadtviertel die Pfingstkärwa gefeiert wird. Was so viel bedeutet, dass Nestbeschmutzer wie ich, Ausgereiste also, traditionell einmal jährlich zur alten Wirkungsstätte pilgern, um dem Verfall all derjenigen, die nicht in die große weite Welt gezogen sind wie ich (vom Speckgürtel ins Stadtzentrum), händeschüttelnd und freundlich lächelnd beizuwohnen und sich diebisch darüber zu freuen, dass diejenigen, die heute am ältesten und kaputtesten ausschauen, früher die lautesten und coolsten Mobber waren und leider aus dem Vereinsheim nicht rausgefunden haben. Dann fährt man wieder nach Hause und freut sich aufs nächste Jahr. Darauf eine Bumbermaß und ein Prosit der Gemütlichkeit!

// Text: Katharina Wasmeier / Foto: David Häuser //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~