Nachbericht: Betterov in Fulda
Zwischen Heimspiel und großer Bühne: Betterov im Fuldaer Museumshof
Ein Klavier, ein voller Museumshof und Geschichten, die plötzlich ganz nah werden: Betterov kehrt für eine besondere Soloshow nach Fulda zurück.
Die ersten Töne gehören dem Klavier.

Betterov eröffnet den Abend mit „Große Kunst“, gemeinsam mit seiner Band. Der ruhige Einstieg gibt trotzdem bereits die Richtung für einen Abend vor, der immer wieder zwischen großen musikalischen Momenten und sehr persönlichen Geschichten wechseln wird.

Und schon bald zeigt sich: Das Publikum ist bereit.

Es wird laut mitgesungen, geklatscht und getanzt. Die Stimmung im Museumshof ist von Beginn an ausgelassen, ohne dass die ruhigeren Momente des Abends dabei an Wirkung verlieren. Immer wieder gelingt es Betterov und seiner Band, die Energie des Publikums aufzugreifen und zurückzugeben.

Für Betterov ist dieser Abend dabei etwas Besonderes. Fulda ist für ihn kein zufälliger Ort. Hier hat er sein Abitur gemacht und eine Zeit lang gelebt. Auch seine Familie ist an diesem Abend dabei, ebenso seine Fußballmannschaft. Schon auf der Hinfahrt bekommt seine Crew einen kleinen Rundgang durch die Gegend. Zwischen den Songs erzählt Betterov immer wieder von seiner Verbindung zu Fulda und der große Museumshof fühlt sich dadurch ein Stück weit wie ein persönliches Heimspiel an.

Nach dem Einstieg am Klavier wird es zunächst lebhafter. Betterov greift zur Gitarre, Songs wie „So high“, „Du hast in mein Herz gemalt“ und „Jil Sander Sun“ bringen Bewegung in den Hof. Das Publikum singt mit, tanzt und feiert die Songs, während Betterov immer wieder Geschichten zwischen die Musik mischt.

Dann wird es wieder ruhiger.

Betterov kehrt ans Klavier zurück. Es folgen unter anderem „17. Juli 1989“ und „18. Juli 1989″. Schließlich erzählt er die Geschichte seiner Eltern und ihrer Flucht aus der DDR.
Drei selbstgebaute Haken. 800 Ostmark, die gerade einmal 58 Westmark wert waren. Eine Geschichte aus der Vergangenheit – und trotzdem ist sie in diesem Moment unmittelbar präsent – denn seine Eltern sitzen im Publikum.

Während Betterov davon erzählt, wird seine Stimme zittrig. Der Museumshof, eben noch voller Gesang und Bewegung, wird aufmerksam und still. Als die Geschichte endet, folgt tosenden Applaus.
Auch später bleibt Betterovs Vergangenheit immer wieder Teil des Abends. Bei „Papa fuhr immer einen großen LKW“ erzählt er von den Fahrten mit seinem Vater, bei denen er früher häufig im LKW mitgefahren ist. Aus diesen Erinnerungen führt eine Verbindung in die Gegenwart und zu den Fahrten im Nightliner, die heute Teil seiner musikalischen Karriere sind.

Doch lange bleibt es nicht ruhig.
Mit „In meiner Straße“ wird im Publikum wieder getanzt. Überall wird mitgesungen und geklatscht, die Energie steigt erneut. Betterov und seine Band treiben den Abend weiter nach vorne, bis schließlich ein Satz fällt, der den Wunsch nach einer Verlängerung des Abends kaum deutlicher machen könnte:
Bitte mach das Licht aus, ich will jetzt noch nicht gehen. Geht ihr alle jetzt nach Hause? Es war doch grad so schön!“

Das Publikum will offenbar auch nicht nach Hause, denn diese Textzeile wird ihm besonders laut zurückgerufen.
Nach einer kurzen Pause kommt Betterov für die Zugabe zurück. Und auch hier wird deutlich, wie besonders dieser Abend für ihn ist.
Betterov erinnert an seine allererste Show für in Fulda. Damals spielte er noch im Lesezelt. Nun steht er für eine große Soloshow im Museumshof.

Nach dem letzten Song wirkt Betterov sichtlich überwältigt von dem Abend. Von der Kulisse, der Energie des Publikums und von dem besonderen Gefühl, an einem Ort zu spielen, mit dem so viele persönliche Erinnerungen verbunden sind. Für einen Moment scheint selbst für ihn greifbar zu werden, wie weit der Weg seit diesem ersten Auftritt geführt hat.
Und vielleicht ist genau das die Besonderheit dieses Abends: Trotz der Größe der Bühne fühlt sich Betterov nie wirklich weit weg an. Er erzählt von seiner Vergangenheit, von seiner Familie, von Fulda und von den Menschen, die ihn auf seinem Weg begleitet haben. Gleichzeitig steht er hier als der Künstler, der aus kleinen Auftritten längst große Shows gemacht hat.

Ein Heimspiel, das sich am Ende auch für den Heimkehrer selbst ein wenig surreal anfühlt.

// Text & Bilder: Hanna Langer //
