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Nachbericht: Lotte im E-Werk

Drei Jahre ist es her, dass Lotte zuletzt auf Tour war und drei Jahre ist es auch her, dass ich sie zum letzten Mal live gesehen habe. Deshalb habe ich mich im Vorfeld schon sehr auf die Show am 20. September im Erlangener E-Werk gefreut. Drei Jahre, in denen sich musikalisch einiges verändert hat. Und jetzt steht sie wieder auf einer Bühne – ausgerechnet in dem Raum, in dem sie vor genau sechs Jahren schon einmal gespielt hat.

Es ist also ein Wiedersehen. Und gleichzeitig ein Kennenlernen.

Bevor Lotte aber die Bühne betritt, gibt es zuerst eine Supportshow von Caro Schäffler. Die Musikerin erzählt, dass sie ihre Liveauftritte an zwei Händen abzählen kann, füllt die Bühne allerdings mit einer unfassbar sicheren Ausstrahlung aus, die das Publikum sichtlich in den Bann zieht. Sie singt von Selbstzweifeln, gescheiterten Romanzen und besonders im Kopf geblieben ist mir der Song “Marylin”, in dem sie kritisiert, wie Frauen von Männern in der Öffentlichkeit nur auf ihr Aussehen reduziert werden.

Danach wird es still und es wird umgebaut. Nun ist es Zeit für Lotte.

Die Lotte, die heute auf der Bühne steht, ist musikalisch nicht mehr ganz dieselbe wie damals. Ihr Sound hat sich über die Jahre spürbar weiterentwickelt, ihr aktuelles Album klingt anders als vieles, was man von ihr bisher kennt. Sie selbst spricht davon, wie schön es sei, dass Menschen sie mit der neuen Musik noch einmal ganz neu kennenlernen können. Und tatsächlich fühlt sich der Abend ein bisschen so an: als würde man eine vertraute Person treffen, die inzwischen ein ganzes Stück weitergegangen ist.

Vieles auf ihrem neuen Album ist in London entstanden. Es geht um das ständige Unterwegssein, aber auch um die Sehnsucht nach den kleinen Dingen. Um eine große Zerrissenheit zwischen all dem, was man erleben möchte, und dem Wunsch, irgendwo einfach anzukommen. Auf der Bühne erzählt Lotte davon, ohne dass der Abend dadurch schwer wird. Im Gegenteil: Es wird getanzt, gelacht, gesungen und ziemlich viel Energie freigesetzt – vielleicht auch ein bisschen als Antwort auf die drei Jahre ohne Tour.

Zwischendurch geht es zurück zu älteren Songs. Zwei davon spielt Lotte in einer akustischen Version, wodurch für einen Moment alles etwas ruhiger wird. Es sind diese kleinen Wechsel, die den Abend abwechslungsreich machen, ohne dass er sich jemals zerfasert.

Und dann läuft plötzlich etwas nicht nach Plan. Die Gitarre ihres Gitarristen funktioniert nicht – und kurzerhand wird ein unveröffentlichter Song gespielt. Eigentlich war er gar nicht für diesen Abend vorgesehen. Aber vielleicht sind es gerade diese ungeplanten Momente, die ein Konzert besonders machen.

Der wohl magischste Moment wartet allerdings in der Zugabe. Für „Heute hier, morgen dort“ kommen zwei Gäste mit auf die Bühne – allerdings nicht, um mitzusingen. Sie nehmen dort Platz und dürfen gemeinsam mit Lotte den Blick ins Publikum genießen. Denn nach und nach gehen überall die Handytaschenlampen an. Aus einzelnen Lichtern wird ein ganzer Sternenhimmel, den man von der Bühne aus wahrscheinlich noch einmal ganz anders betrachten kann.

Das Lied ist dabei nicht nur ein besonderes Cover, sondern steht auch in Verbindung mit der Entstehung des neuen Albums. Und plötzlich passt alles zusammen: das Unterwegssein, das Zurückkommen, die alten Songs, die neue Musik und die Menschen, die Lotte vielleicht gerade zum ersten Mal so kennenlernen.

Danach wird es noch einmal ruhig. „Dei Dei Dei“ ist ein leiser Moment, bevor „Wildes Kind“ den Abend beendet. Einer von LOTTEs persönlichen Lifehacks lautet an diesem Abend: wieder mehr Kind sein.

Vielleicht ist das auch kein schlechter Gedanke nach drei Jahren Pause. Nicht alles muss geplant sein. Nicht alles muss bleiben, wie es einmal war. Man darf sich verändern, neue Wege gehen und trotzdem an manche Orte zurückkehren.

Sechs Jahre nach ihrem letzten Auftritt in diesem Raum steht Lotte wieder hier – und irgendwie fühlt es sich gleichzeitig nach Rückkehr und Neubeginn an.

Und vielleicht ist genau das am Ende das Schönste an diesem Abend: dass man eine neue Lotte kennenlernen darf, ohne die alte dabei zu verlieren.

Es war auf jeden Fall sehr magisch und ich habe mich sehr gefreut, dabei gewesen zu sein!

// Text & Bilder: Hanna Langer //