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Nachbericht: Giant Rooks in der KIA Metropol Arena

Mit ihrem neuen Album „If Heaven Exists, This Might Be It“ (VÖ: 16.10.) tourten Giant Rooks in den vergangenen drei Wochen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Am 14. Oktober war die Band in der Kia Metropol Arena zu Gast. Den Abend eröffnete das Indie-Quartett „Dreamboys The Band“.

„Alles wird gut“ sang Giant Rooks Frontmann Fred Rabe gemeinsam mit KUMMER im Jahr 2021 in einer Zeit, in der die Welt durch die Corona-Pandemie vermeintlich stillstand. In der Ungewissheit und Zukunftsängste das kollektive Gefühl bestimmten. Auch nach dem Ende der Pandemie scheint dieses Gefühl fünf Jahre später in den Köpfen der Menschen mehr als präsent zu sein: Kriege, Krisen und Konflikte bestimmen den Nachrichtenalltag und der Wunsch nach Stabilität und einer hoffnungsvollen Zukunft scheint größer denn je. Aber was hat das alles mit Giant Rooks zu tun? „Alles wird gut“ – ein Satz, der in Krisen vermeintlich schwer zu greifen ist, lag an diesem Abend in der Kia Metropol Arena als geschlossenes Gefühl über dem Publikum. Die Show fesselte, begeisterte und fühlte sich stellenweise wie eine tröstende Umarmung an.

Im Februar 2024 waren Giant Rooks schon einmal zu Besuch in der Arena und bewiesen, warum sie sich in den vergangenen Jahren zu einem der vielversprechendsten Acts der Republik entwickelten. Im Oktober 2026 scheint dies nun in Stein gemeißelt zu sein, denn die Band aus Hamm präsentiert in jeder Hinsicht eine fulminante Show. Auf dem Vorhang, der zu Beginn der Show die Bühne verdeckt, leuchtet das Logo der Band. Animierte Vögel fliegen über den Schriftzug und setzen sich von Zeit zu Zeit auf die einzelnen Buchstaben. Kleine, aber feine Details, die ein Giant Rooks Konzert so vielseitig und kreativ machen. Den ersten Song, „The Better Life“, performt die Band zum größten Teil noch hinter dem Vorhang, der mit verschiedenen Visuals bespielt wird. Die Musiker sind dabei in dunkelrotes Licht getaucht. Als der Vorhang fällt und die Bühne hell erleuchtet wird, wird die Arena mit Jubel und Applaus gefüllt. Die Richtung ist somit klar: Volle Energie voraus!

Das sollte allerdings nicht das erste und letzte kreative Showelement bleiben. Als Backdrop ist ein riesiges Tuch hinter der Bühne gespannt, das abwechselnd mit Livebildern der Show, Visuals, Silhouetten und Lyrics bespielt wird. Auch Snippets eines Vlogs aus dem Studio in UK und einzelnen Festivalshows wird gezeigt, die dann in einen „forever grateful“ Schriftzug übergehen. Die Arena wird anschließend mit tosendem Applaus gefüllt. Die Dankbarkeit der Band gegenüber dem Publikum zeigt sich aber nicht nur in geschriebenen Worten, sondern auch in Taten, Ansprachen und scheinbar endloser Energie. Zu jeder Zeit tragen Giant Rooks eine enorme Sympathie nach außen. Die Liebe zur eigenen Musik und die Verbindung mit den Besucher:innen kann niemand übersehen. Sänger Fred betont die Dankbarkeit mehrmals während der Show und die Nähe zum Publikum sucht die Band quasi dauerhaft. Ob ein kurzer Ausflug in die ersten Reihen oder zwei Songs auf der B-Stage hinter dem FOH – alle sollen das Konzert rundum erleben und genießen können.

Auf besagter B-Stage spielt die Band unter anderem den an diesem Abend noch unveröffentlichten Track „Parachute“ – und die Kia Metropol Arena lauscht andächtig und ausnahmslos schweigend. Handytaschenlampen und Feuerzeuge begleiten den Song stimmungsvoll. Auch diese kleine Bühne passt perfekt in das Showkonzept: Über der Band flackert eine Straßenlaterne, mal rot, mal gelb, mal weiß. Die Stimmung ist geheimnisvoll, intim und doch so intensiv, dass das Gefühl entsteht, die tausenden Menschen in der Halle sind miteinander verbunden. Das sind sie tatsächlich auch. Verbunden durch die Musik, die so vielseitig ist und gleichermaßen zum Innehalten und Tanzen animiert.

Was bei jedem Konzert und jeder Festivalshow dieser Band auffällt: Die Songs bekommen live eine noch größere Dramaturgie und Energie, als sie es schon auf den Platten ausstrahlen. Das liegt zum einen am großen Talent und der unbändigen Spielfreude jedes einzelnen Bandmitglieds; aber auch daran, dass Giant Rooks den Songs live noch mehr Glanz verleihen. Viele der Song-Outros steigern sich in instrumentale Ekstase, gepaart mit beeindruckenden Lichtshows. Einige Tracks werden von Sänger Fred mit vereinzelten „A cappella“-Passagen noch einzigartiger. Wie schon bei der letzten Tour bildet „Morning Blue“ einen der vielen Höhepunkte der Show: In der „extended Version“ steigert sich der Track am Ende in eine ekstasische Disco-Nummer. Auf Wunsch der Band geht die ganze Halle in die Knie, um wenige Sekunden später unter Konfettiregen und regenbogenfarbenem Laserlicht zu springen und aller Energie freien Lauf zu lassen. Das Gegenstück dazu folgt direkt im Anschluss: „The Waves“, ein Song des neuen Albums, bringt mystische und dramatische Stimmung und beweist, dass die Band jede Emotion in eine einzigartige Performance verwandeln kann.

Ein absoluter Gänsehautmoment ist der erste Song der Zugabe. Für „The Big Night Out” betreten die Musikerinnen von „Dreamboys The Band“ noch einmal die Bühne und performen den Song in einer wahnsinnig zerbrechlichen und gleichzeitig starken Version mit der gesamten Band. In Spotlights getaucht stehen die insgesamt neun Musiker:innen um ein einziges Mikrofon. Die Kia Metropol Arena scheint verzaubert – und lauscht andächtig.

Das große Finale der vielen Highlights ist „Watershed“ als letzter Song. Glitzernder Konfettiregen, fulminanter Sound und überglücklich tanzende und singende Menschen beenden nach zwei Stunden dieses großartige Konzert. Leise, laut, schnell, entschleunigend, bunt und reduziert – Musik, Licht und Energie bilden an diesem Abend ein beeindruckendes Zusammenspiel, das lange in Erinnerung bleibt. Neue Songs fügen sich mit alten Songs und die Textsicherheit des Publikums bei den meisten neuen Tracks zeigt keinen Unterschied zu älteren Hits wie „Heat Up“, „Pink Skies“, „What I Know Is All Quicksand“ oder auch „Somebody Like You“.

Der Alltag bleibt für zwei Stunden tatsächlich vor der Tür – die Besucher:innen verlassen die Halle nach dem Konzert hoffnungsvoll, bestärkt und beseelt. Denn vielleicht wird wirklich alles gut, wenn wir all unsere Hoffnung, Liebe und Begeisterung gemeinsam in die Zukunft tragen.

// Text & Bilder: Sarah Weinberg //