Nachbericht: Nürnberg Pop 2026
Nürnberg Pop Nachbericht: Zwischen ungewöhnlichen Locations und musikalischen Highlights.
Ein Comicladen wird zur Konzertlocation, eine Straßenbahn zur Bühne und selbst eine Ruine oder eine Kirche verwandelt sich für einen Moment in einen Ort voller Musik. Beim Nürnberg Pop Festival findet Livemusik dort statt, wo man sie nicht unbedingt erwartet. Zwischen kleinen Clubs, Kunstgalerien und dem Heilig-Geist-Saal zeigt das Festival, wie vielfältig das größte Showcase Festival Süddeutschlands sein kann.

Seit mittlerweile 16 Jahren bringt Nürnberg Pop Künstler*innen und Musikfans zusammen. Mehr als 100 Bands aus 16 Ländern machen die Stadt zum Treffpunkt für neue Musik und spannende Entdeckungen. Statt eines zentralen Festivalgeländes verteilt sich das Programm über zahlreiche Spielstätten in ganz Nürnberg. Das macht das Festival nicht nur zu einer Konzertreihe, sondern auch zu einer musikalischen Entdeckungstour durch die Stadt.

Bereits am 8. November eröffnete Modeselektor das Festival. Für viele war der Auftritt offenbar Anlass genug, sich ein Ticket zu sichern. Als Fan gitarrenlastiger Indie-Musik war das Set zwar nicht ganz mein Fall, die Menge hatte jedoch sichtlich Spaß. Danach war für mich die Energie allerdings aufgebraucht, sodass ich das Konzert der Nürnberger Nachtkinder verpasste.

Am 9. und 10. November stand dann die Musik im Mittelpunkt. Vormittags und mittags blieb das Konzertprogramm überschaubar, während Receptions, Vorträge und Get-togethers Raum für Austausch und Vernetzung boten. Ich schaute dort nur kurz vorbei da mein Fokus vor allem auf den Konzerten lag, von denen noch einige auf mich warteten.

Zwischen neuen Entdeckungen und persönlichen Highlights
Den Auftakt machte Filiah im Kater Murr. Viele kennen sie als Teil der Band Freude, beim Nürnberg Pop war sie gleich mehrfach mit ihrem Soloprojekt zu erleben. Für mich war es das erste Mal, dass ich sie solo sah. Ihre starke Stimme und ihre sympathische Ausstrahlung überzeugten direkt.

Mit emi x ging es weiter. Einige ihrer Songs dürften durch die Sängerin „Dilla“ bekannt sein, doch schnell wurde klar, dass sie musikalisch mehr zu bieten hat als die Tracks mit ihr als feature. Ein guter Anlass, auch jenseits bekannter Songs genauer hinzuhören.

Ein persönliches Highlight war Yara. In der kommenden Woche werde ich sie auf ihrer Tour in Freiburg begleiten, weshalb ich mich besonders auf ihren Auftritt freute. Das Konzert bot einen ersten Eindruck von ihrer Show: viel Energie, gute Laune und Songs mit echtem Ohrwurmpotenzial. Noch am nächsten Morgen hatte ich die Melodien im Kopf. Die Vorfreude auf Freiburg ist damit definitiv gestiegen.

Anschließend stand Freude auf dem Programm. Der Bandname lässt zunächst andere Erwartungen vermuten, denn viele Songs bewegen sich eher auf der melancholischen Seite

Danach brachte Aaron ordentlich Bewegung ins Publikum. Mit seiner rastlosen Bühnenpräsenz und einer energiegeladenen Crowd wurde der Auftritt zu einem der dynamischeren Momente des Tages.

Rockiger wurde es mit Plume im Stereo, die mit druckvollen Gitarren und Alternative-Rock-Einflüssen einen deutlichen Kontrast zu den vorherigen Acts setzten.

Bei Flieder stand für mich dagegen bereits die Vorfreude auf die kommende gemeinsame Tour im Vordergrund. Der Indie-Pop der Band und ihre sympathische Ausstrahlung machten den Auftritt zu einem schönen Wiedersehen vor dem nächsten gemeinsamen Abenteuer.

Zum Abschluss ging es zu SPRINTS aus Irland. Mit kantigen Gitarren, treibenden Drums und einer Mischung aus Garage- und Post-Punk brachten sie eine rohe, ungebändigte Energie auf die Bühne. Ein lauter und direkter Abschluss, der sich deutlich von den sanfteren Momenten des Tages abhob.

Am nächsten Tag startete ich mit Lisl, mit der ich bereits zusammengearbeitet hatte, im Club Stereo.

Danach standen mit Panicbaby und Äo zwei Acts auf dem Programm, die mich schon bei früheren Festivals überzeugt hatten. Panicbaby spielten in der Katharinenruine. Die Katarinenruine gehört für mich definitiv zu der beeindruckendsten Location des ganzen Festivals, welche vor allem diesem Konzert eine besondere Atmosphäre verlieh. Lediglich die Temperaturen machten sich zwischen den historischen Mauern bemerkbar.

Auch Äo war ein Wiedersehen, auf das ich mich gefreut hatte. Gerade solche Momente machen für mich den Reiz von Festivals aus: Bands erneut live zu erleben, die einem bereits im Gedächtnis geblieben sind, und dabei wieder neue Facetten zu entdecken

Ein weiteres Highlight war OK KID in der Katharinenruine. Die Mischung aus Indie, elektronischen Einflüssen und gesellschaftskritischen Texten kam in der besonderen Kulisse gut zur Geltung.

Danach stand ich vor einem kleinen Dilemma: Magda und Liska spielten zeitgleich, und da ich beide sehr gerne mag, versuchte ich, bei beiden vorbeizuschauen. Keinen der beiden Auftritte konnte ich dadurch vollständig sehen, bei einem so dichten Timetable gehören solche Kompromisse allerdings dazu.


Raum27 sah ich anschließend komplett. Danach wollte ich noch zu Orbit, verwechselte allerdings Kunstmuseum und Kunsthalle und landete prompt an der falschen Location. Zum Glück liegen die Spielstätten nah beieinander, sodass ich nur einen Teil des Auftritts verpasste. Und auch diesmal hatte ich bei Orbit wieder meinen Spaß.


Fazit
Nürnberg Pop fühlte sich für mich ein bisschen wie das kleine Reeperbahn Festival an: viele unterschiedliche Locations, zahlreiche Acts und ständig die Frage, wo es als Nächstes hingeht. Zwischen musikalischen Neuentdeckungen, schönen Wiedersehen und einigen Ohrwürmern war das Wochenende voller Highlights. Auch wenn ich längst nicht alles sehen konnte, bin ich mit vielen Eindrücken und Vorfreude auf die kommenden Konzerte und Touren nach Hause gefahren.






// Text & Bilder: Annabel Bader //
