Konzertbilder / Live / Musik

Nachbericht: Nürnberg Pop 2026 – 2

Wir hatten dieses Jahr zum ersten Mal bei einem Festival gleich 2 Redakteurinnen und Fotografinnen vor Ort. Um so viele KünstlerInnen und Locations wie möglich abzudecken und Bilder zu bekommen. Der erste von Annabel ist HIER zu finden.


Das Nürnberg Pop war für mich das erste Festival, das ich fotografisch begleiten durfte. Dementsprechend erschlagen war ich erst einmal von der Auswahl der verschiedenen Konzerte, aus dem ich schließlich eine bunte Tüte an Shows und Eindrücken mitgenommen habe.

Los ging es für mich erst am zweiten Festivaltag, dem Freitag, mit dem Konzert von emi x in der Kulturkellerei. Sie startet mit „Radioaktiv“ und dem Aufruf an das Publikum, sowohl gerne zu tanzen als auch die traurigen Lieder zu fühlen. Eine Gleichzeitigkeit, die sich in ihren Liedern widerspiegelt. Viele kennen emi x vielleicht durch ihre gemeinsamen Songs mit Dilla wie „Unter ihrem Dress“ und Photosynthese“, die wohl eher in Richtung fröhliches Tanzen gehen. Nach „ichwillnur>.<“, unreleaseden Songs „Slowburn“ und „Eisfach“ und Geburtstagswünschen für ihren DJ geht sie über in den „Heartbreak- Teil“ der Show und spielt Lieder einer EP, die eigentlich diesen Sommer erscheinen sollte. Mit einem am Tag vorher fertiggestellten Song hat sie wohl auch den neusten Song des Festivalabends im Gepäck. Ein schöner Festivalauftakt fürs Wochenende.

emi x
emi x

Anschließend wollte ich eigentlich zum Auftritt des Rappers Boondawgd, durch technische Schwierigkeiten hat sich dieser allerdings sehr verspätet und ich bin weiter ins Neue Museum für Beaks. Das Konzert eröffnet die Wienerin mit „Crosswalk“. Ihre entspannte Art und die teils unkonventionellen Sounds passen gut zur Location. Beaks Appel ans Publikum: sagt euren Freund*innen öfters, dass ihr sie liebhabt!

Beaks
Beaks

Die eindrucksvollste Kulisse des Festivals ist definitiv die Katharinenruine. Das österreichische Duo Cari Cari wird durch mitreißendem Indie-Rock und eindrucksvoller Lichtshow der Stimmung des Ortes mehr als gerecht. Nürnberg ist ihr letztes Konzert nach über 50 Auftritten dieses Jahr, den sie trotz Hürden eines streikenden Autos und einer angeschlagenen Sängerin meistern. Sie freuen sich sehr, dass Nürnberg sie als großartiges Publikum so belohnt.

Cari Cari
Cari Cari

Die Münchner Band PLUME hat zwei Wochen vorher ihr Debüt-Album „Saferooms & Healing Frequencies“ rausgebracht und bringt eine energiegeladene Show in den Club Stereo. Auch wenn es nicht ganz voll ist, sind vor allem Fans der Band hier und viele haben sie schon einmal live erlebt. Bei „seize&SHOUT!“ wird nicht nur geschrien, sondern alle im Publikum sollen mit dem Sänger bellen. Zwei wichtige Regeln gibt es auf einer PLUME-Show: sei wer du bist und beweg dich.

Plume
Plume

Ich bewege mich weiter zur nächsten Punkrock-Show von Melonball, die im Zentralcafé spielen. Die Band aus Nürnberg mutmaßt, dass sie wohl die schnellste Band des Festivals sind und ein Lied nach dem anderen spielen, aber doch positiv überrascht sind, wie gut sie in der Zeit liegen. In einer zunehmend vulnerablen Welt sprechen sich gegen Profit schlagen mit der Misere anderer aus. Damit das Publikum auch etwas zum Mitsingen hat, spielen sie ein „melonballisiertes“ Cover des 80er Song „Your Love“ von „The Outfield“. Die Anpassung des Stils ist ihnen gut gelungen, ich habe das Lied erst beim Nachhören erkannt.

Melonball
Melonball

Mein vorletzter Stopp führte mich in neue Welten, als ich im Publikum des Indie-Schlagersängers „Ein Rosenkavalier“ stand. Ich fühlte mich ein bisschen wie beim Konzert von Christian Steiffen diesen Sommer – nur mit einer jüngeren Zielgruppe. Nach „Für mich soll’s rote Rosen regnen“ von Hildegard Knef, betritt der junge Sänger die Bühne und kündigt sich selbst an. Er startet mit der ersten akustischen Strophe von „Nicht für eine Nacht“ und legt dann zusammen mit dem Publikum richtig los. Überrascht hat mich vor allem, wie viele textsichere Fans da sind. Der Song, den er für die meistgestreamten Musik-Genres „Kinderlieder“ und „Lieder für Betrunkene“ geschrieben hat, zieht in Nürnberg auf jeden Fall gut und alle kommen den Aufruf mit „Händen hoch“ durch den Raum zu tanzen gerne nach. Ein Rosenkavalier ist nicht nur Sänger, sondern spielt auch im Sturm des 1. FC Hoffnungsvoll. Das Publikum ist klar auf seiner Seite, als er davon redet, in scheinbar aussichtslosen Situationen (wie einem 0:2 in der 87. Minute, hohen Prozenten bei der AfD und einem aktuellen Kanzler) nicht die Hoffnung zu verlieren. Den da noch unreleaseden, aber mittlerweile veröffentlichten Song „Futurist“ performt er leider ohne passendes Outfit bestehend aus silbernem Jackett und Schlaghose. Natürlich ein trauriger Verlust, das Publikum hat trotzdem einen super Abend.

Ein Rosenkavalier
Ein Rosenkavalier

Zum Abschluss spielt rémi.fr in Begleitung mit seinen Producern Pablo Rochat, Luke Flywalker, seinem Setdesigner und Manager in der Kunsthalle. Ein Konzert, das sich eher wie ein DJ-Set von Freunden auf einer Hausparty anfühlt. Während rémi.fr rappt, haben die anderen ihren Spaß am Mischpult und einem Becken, das mit großer Freude geschlagen wird. Da fühlt sich der Botteflip-Wettbewerb zweier Fans auf der Bühne auch nicht fehl am Platz an. Bei Songs wie dem letzten Release „philip morris“ oder „rabbit hole“ in Begleitung mit ordentlich Bass ist die Stimmung bei allen ausgelassen. Durch „PACIFICA“ von rémi.fr und Pablo Rochat bin ich über die beiden gestolpert und habe mich natürlich sehr gefreut, den Track live zu hören und bei ihrer gemeinsamen Performance auch zu sehen. Spätestens am Ende, als sie davon erzählen beim letzten Tourstop in Nürnberg einen Saunatag im Palm Beach und eine lange Nacht in der Klosterbar verbracht zu haben, haben sie Sympathiepunkte beim Publikum gewonnen. Hoffentlich kommen beim nächsten Fantreffen mehr als letztes Mal – also zumindest eine Person.

rémi.fr
rémi.fr

Mein Samstag startete im Kulturgarten mit „Party Bruder“ von Patina Records aus Dortmund, die „keine Band sind, sondern einfach paar Leute aus Dortmund, die Kacke auf einen Beat legen“. Sie sind große Fans von Nürnberg, Tarik würde mit allen aus der Menge in eine WG ziehen. Mit Songs wie „Macker & Maus“, „Basstest positiv“ und „Pasta“ haben sie das Publikum und es macht gerne mit, wenn yako alle Arme Nürnbergs sehen will. Auch ein bisschen ruhigeren Gesang für etwas Gänsehaut gibt es mit „Monsun“ von Producer Marlo. Die Show war auf jeden Fall ein starker Einstieg in den Samstagabend.

Patina Records
Patina Records

Ein kleines Kontrastprogramm gab es bei Lisl im Club Stereo mit gefühlvollem Indie-Rock.

Lisl
Lisl

Zurück im Garten war ich mit älteren Liedern von LGoony ein paar Jahre zurückversetzt. Trotz niedriger Temperaturen fühlt es sich an wie „Juni“ und er freut sich, dass hier und bei „Rihanna“ viele mitsingen.

LGoony
LGoony

Ein Act, auf den ich mich besonders gefreut habe, war Nils Keppel. Mit einer Mischung aus Punk, Rock und neue neue deutsche Welle gab es eine extravagantere Show voll von Liedern mit einfühlsamen Lyrics. Es wechselt zwischen ruhigeren Momenten bei „Süßer Sommer / Himmelfahrt“ als Intro und energetischen Songs wie „Benzin“ oder „Platzangst“. Weil er steil auf seine 100. Liveshow zusteuert, weiß er, dass Nürnberg seine 98. ist und ich bin froh dabei zu sein. Ein gutes Konzert braucht Raum zum Mitsingen. Zwar können ohnehin viele die Texte oder gleichen das Fehlen durch Tanzen aus, aber bei „Keine Zukunft“ wird im Refrain auf den Gesang im Zentralcafé gezählt. Als Bassist David kurz das Mikrofon übernimmt, legt sich eine Stille über den Raum. Er erzählt, dass sein bester Freund vor zwei Jahren verstorben ist und heute Geburtstag gehabt hätte. Den folgenden Song „Lichterloh“ spielen sie heute für ihn. Nach „Wellblech“ gibt es noch Zeit für einen Song und das Publikum entscheidet sich für „Find dein Glück“. Nach der Nachfrage, wer sein Glück in Nürnberg schon gefunden hat, melden sich leider nicht sonderlich viele. Vielleicht zumindest für eine Nacht auf dem Nürnberg Pop.

Nils Keppel
Nils Keppel

Seit ich Magda als Voract bei AnnenMayKantereit live gesehen habe, war mir klar, dass ich sie beim Nürnberg Pop unbedingt nochmal hören und dieses Mal auch fotografieren möchte. Unter dramatischem Licht singt sie mit starker Stimme ihre gefühlvollen Texte und ergreift den Festsaal auf die ein oder andere Weise. Sei es durch die Tatsache, sie habe „2 Versager“ über ihre Livemusiker*innen an Cello und Klavier geschrieben oder aber durch emotionalere Zeilen in Liedern wie „Wandrisse“ und einem unveröffentlichten Lied über ihre Mutter, das manchen ein paar Tränen in die Augen treibt. Mit „Mondkind“ (passend zur späten Stunde) und „Zeig mir“ hat die Sängerin auch sanfte Liebeslieder dabei. In letzterem thematisiert sie eine queere Liebesgeschichte – eine Lebensrealität, für die sie schon viele Anfeindungen erleben musste. Als Antwort darauf covert sie das Lied „On brûlera“ (dt. wir werden brennen) der französischen Sängerin Pomme, in dem sie davon singt mit ihrer Liebe in der Hölle zu brennen. Den krönenden Abschluss bildet „Brich mich“, ein Lied übers Scheitern und wieder aufstehen.

Magda
Magda

Um zumindest ein Konzert auch aus dem Graben fotografieren zu können, habe ich mich beeilt rechtzeitig zu RAUM27 im Heilig-Geist-Saal zu sein. Sie eröffnen mit „warum die 20er so weh“, was rein altersmäßig zumindest viele im Saal ansprechen dürfte. Etwas positiver, aber mit derselben vielen Energie leiten sie über in „Cheri(e)“ und „Bitte Bitte“. Sie freuen sich, nach dem tollen Festivalsommer ihre letzte Show auf dem Nürnberg Pop spielen zu dürfen. Doch nicht nur die Band haben so viele Auftritte hinter sich, in der ersten Reihe steht ein Fan zum 100. Mal bei einem RAUM27-Konzert. Für ihre ruhigeren Songs „Angst“ und „Vermiss dich“ setzen sich Tristan und Mathis auf die Bühne, während sich die restliche Band bei den Akustik-Versionen in den Armen liegt. Das Konzert ist hier noch nicht vorbei, aber schon jetzt wird eine Zugabe verlangt. Mit „Seifenblase“ positionieren sie sich klar gegen rechte Hetze und ein paar Fans verteilen Seifenblasen im Raum. Auch auf schubsende Männer im Moshpit haben sie keine Lust, sehr zur Freude aller anderen. Der Abend endet mit „Sommerregen“, einer ihrer beliebtesten und erfolgreichsten Lieder.

Raum27
Raum27

Am Ende der beiden Tage hatte ich viele schöne Konzerte und vor allem einen Haufen Bilder mitgenommen, die mir noch eine Zeit lang bleiben werden

baby b3ns
Cari Cari
rémi.fr
Patina Records
Raum27

// Text & Bilder: Ilsa Hösch //