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Nachbericht: Jassin im Z-Bau

Jassins Karriere geht seit seiner Debütsingle „Wellness am Scherbenmeer“ 2024 steil bergauf. Kurz darauf folgte seine erste EP „Kinder können fies sein“, viele Toursupports wie für Apsilon und schließlich das Album „Arsenalplatz“. Mit diesem war er bereits letztes Jahr auf Tour und jetzt im Herbst 2026 erneut mit „Die größere Arsenalplatz Tour“ unterwegs, so auch am 15.10. im Z-Bau. Nachdem ich ihn vergangenes Jahr kurz am Unter einem Dach Festival in Erlangen gesehen hatte, freute ich mich sehr auf ein diesmal vollständiges Konzert des jungen Künstlers.

Vasil und TOO YOUNG aus Braunschweig eröffnen mit „Sommersonnesonnenschein“ den Abend und zeigen inhaltlich, und natürlich musikalisch, starken Rap über gesellschaftliche Missstände. Mit dem Song „400 Homies“ wecken sie alle für den anstehenden Abend auf. TOO YOUNG nutzt seine Stimme und richtet sich mit „TÄTER TÖTEN“ klar an alle Männer im Publikum. Er thematisiert die starke Bedrohung gegenüber Frauen ausgehend von Männergewalt. Es folgt der Titelsong von Vasils Debütalbum „Krähen reden nicht“ und eine Positionierung gegen AfD und CDU.

Too Young

Ein weiteres Thema, das den beiden sehr am Herzen liegt, ist auf das eigene Umfeld zu achten und aufeinander aufzupassen, besonders der Reminder „Drogen helfen nicht“ ist ihnen wichtig zu betonen, da sie schon viele Freund*innen daran verloren haben und das Thema in ihrer Musik verarbeiten. Weitere Songs „KEINE MUCKE“, „Mama ich werde Rapperin“ und „WEGZIEHEN“ folgen, bevor sie mit „Money Moves“ schließen.

Vasil

Anfangs ist Jassin allein auf der Bühne, nur er am Klavier im Scheinwerferlicht. Er öffnet mit „Dazwischen“, „Bitte sei vorsichtig“ und einen unveröffentlichten Track über seinen kleinen Bruder. Nach schnellem Umbau geht es gemeinsam mit der Band weiter und er thematisiert mit „Bind mir die Augen zu“ den Drang weit weg zu sein, hat man die vielen Krisen auf dieser Welt vor Augen. Im gleichnamigen Lied seiner ersten EP „Kinder können fies sein“ wird der Refrain akustisch mit Gitarre begleitet. Der Song seines Debüt-Albums „Arsenalplatz“ über seine Jugend in Wittenberg darf natürlich auch nicht fehlen. Ein bisschen unbeschwerter leitet er über in „Simson S51“ und seine Dankbarkeit für diese Tour. Er schätzt es sehr, die Möglichkeit zu haben, erneut mit seinem Album Hallen füllen zu können. Seine Bedenken, zur zweiten Tour kämen keine Menschen, haben sich zum Glück nicht bestätigt.

Generell bin ich erstaunt, wie entspannt und fröhlich seine und die generelle Stimmung des Abends ist, vergleicht man sie mit seinen sehr emotionalen und teils schweren Liedern, die viele unserer Generation nachfühlen können. Auch Nürnberg als Tourstopp und Stadt gefällt ihm sehr gut.

Sein Plan, bis diesen Herbst mehr neue Musik zu veröffentlichen, um sie auf den Konzerten zu spielen, hat leider nicht ganz funktioniert, dennoch hat er ein paar neue Lieder released, wie zum Beispiel ganz frisch „Offensive“. Der nächste Song wartet noch auf die Veröffentlichung und kommt mit einer kleinen Aufgabe ans Publikum. Nürnberg kommt dem rhythmischen Klatschen und anderen Bewegungen bis jetzt am besten nach. Bei „Sonnenbankflavor“ ist die bis dahin schon sehr textsichere Gruppe der ersten Reihe besonders gut dabei und überrascht Jassin sichtlich, mit welchem sie Elan mitsingen.

Er erzählt, dass heute Abend ein Special Guest Nürnberg gerne besucht hätte, dieser allerdings seinen Flug aus Indonesien nach Deutschland verpasst hat und Jassin dementsprechend leider nicht unterstützen konnte. Auf der Bühne muss er trotzdem nicht alleinstehen, denn heute gab es eine kleine Premiere: Ein Fan aus dem Publikum wünscht sich ein Duett von „Duftkerzen“ und so singt er zum ersten Mal gemeinsam mit einer Zuhörerin auf der Bühne. Das Lied wird zusätzlich mit stärkerer musikalischer Begleitung erneut einmal wie gewohnt performt. Im Gegensatz zum sehr aktiven Refrain des Songs (nach dem er anmerkt, dass seine Raucherlunge beim Springen etwas protestiert), stehen die folgenden ruhigen, traurigen, aber auch versöhnlichen Lieder. Seine beiden Features „Nach Hause kommen“ mit Trettmann, „Wieder zurück“ mit Edwin Rosen, „Dein Herz“ und „Mama wann trennt ihr euch“.

Auch die Zugabe beginnt ruhig, erneut mit einem Solo am Klavier und einem unveröffentlichten Song an seine ehemalige Freundin. Er spricht ihr seine Dankbarkeit für ihre Unterstützung in schweren Zeiten aus. Schließlich folgt das zweite Mal „Bitte sei vorsichtig“, allerdings dieses Mal mit Band, und zwei Durchgänge von „Dieses eine Lied“ – seine mit bekanntesten Lieder, bei denen alle noch einmal mitsingen.

Ein Abend voller starker Texte, emotionalen Momenten und Balance aus laut und leise.

Vasil & Too Young
Vasil & Too Young

// Text & Bilder: Ilsa Hösch //