Nachbericht: Jeremias in der Heinrich-Lades-Halle
Der Vorname Jeremias stammt aus dem Hebräischen und bedeutet „von Gott erhoben“.
Mit ihrer Mini-Tour durch traditionelle Konzerthäuser und in einem ungewöhnlichen Konzertformat mit achtköpfigem Ensemble lässt sich die Band aus Hannover, die nach dem Vornamen ihres Frontmanns Jeremias Heimbach benannt ist, von ihren Genre-Verwandten kreativ abheben – vielleicht sogar über sie erheben.
Der Beginn des Konzerts in der Erlanger Heinrich-Lades-Halle hat zunächst nur bedingt etwas mit einer Indierock-Show zu tun.

Ein Ambiente, das eher zu einem Philharmoniker-Konzert passen würde: die Klingelzeichen (ernsthaft?), ein stilles Publikum auf den zugewiesenen Plätzen.
Und dann dieser Auftakt: Jeremias Heimbach betritt die Bühne, setzt sich in einen Sessel und beginnt, aus Astrid Lindgrens Erzählung „Die Brüder Löwenherz“ vorzulesen.

Während er von der dramatischen Nähe zum Tod erzählt, betreten nach und nach die Musiker die Bühne und beginnen zu spielen – bis ihre Instrumente so viele Klänge erzeugen, dass Heimbachs Stimme allmählich darin verschwimmt.
Ab diesem Moment wird nicht mehr vorgelesen, sondern gesungen und gerockt. Und zwar mit einem so voluminösen und gleichzeitig klaren Sound, dass das Prädikat „cinematic“ mehr als verdient ist.

Es folgen die bewährten Kracher aus den unterschiedlichsten musikalischen Ecken: die Indierock-Hymne „Ein Mensch“ oder die Latino-Pop-Nummer „Qué Quiero Más“. Danach kommt „Irgendwann“, ein Song, der mit bluesigen Piano-Akkorden beginnt und sich allmählich zu einem hüftschwingenden Rockabilly- Stück entwickelt.
Das Publikum bleibt zwar auf seinen zugewiesenen Plätzen, allerdings sitzt inzwischen niemand mehr. Alle singen, tanzen und schwingen mit.

Und immer wieder kommt der größte Trumpf der Band zum Vorschein: sanfte Balladen, voller wunderschöner Harmonien und moderner Lyrik, die Heimbach mit Leichtigkeit und unglaublichem Charisma vorträgt.
Es ist diese beeindruckende musikalische Bandbreite, die das Konzert ausmacht. Sie ist natürlich auch dem enormen musikalischen Können der Protagonisten zu verdanken – einschließlich der Bläser und Streicher.

Ein besonderes Highlight ist die Instrumentierung des Hits „Paris“: Alle Musiker auf der Bühne machen mit, und das gesamte bigbandartige Klanggebilde groovt unglaublich funky.
Zum Ende des Konzerts hat man den Eindruck, sich in einem musikalischen Dreieck aus Coldplay, The Kooks und Snarky Puppy verloren zu haben.

Und wenn schließlich auch die gesamte Tour-Crew auf die Bühne kommt, um gemeinsam mit der Band, dem Ensemble und dem Publikum die A-cappella-Version von „Wir haben den Winter überlebt“ zu singen, kommt sogar noch ein wenig Irish-Pub-Feeling auf.

Eine geballte Ladung musikalischer Professionalität, getragen von exzellenten Arrangements Anton Kleinheins‘, deren Raffinesse man kaum bemerkt – so mühelos gelingt es den Musikern, allen voran dem Frontmann Jeremias „von Gott erhobenen“ Heimbach, die feinsten Nuancen der clever komponierten Songs zum Leben zu erwecken.

Von wegen Indie.


// Text: Andre Sokolanski / Bilder: Anna Ritter //
