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Nachbericht: Paula Carolina im Z-Bau

Am 23. April legte Paula Carolina mit yara als Vorband eine spektakuläre Show im Z-Bau hin. Ein Konzert voller Überraschungen, bei dem ein Highlight das nächste jagte.

yara zeigen nicht nur vollen Einsatz, weil sie trotz Autopanne da sind, sondern auch beim Performen auf der Bühne. Bei Songs wie „Legohaus“, „Tränen“ und „Champager ausm Aschenbecher“ sind viele erstaunlich textsicher. Man merkt, sowohl Band und Publikum haben Bock. Der leidenschaftliche Einsatz einer Kazoo tut dem keinen Abbruch.

Die Stadt mit den meisten Feuerzeuglichtern schafft Nürnberg mit zwei zwar nicht, dafür gibt es umso mehr Handylampen, die den Saal in die passende Atmosphäre tauchen.

Mit dem Lied „Pferd auf der Wiese“ kommen sie zum krönenden Abschluss und der ganze Saal ruft laut nach dem „PFERDPFERDPFERD“, als Sänger Jakob Halamoda mit einem Pferd auf die Bühne kommt – wenn auch nur mit einem Steckenpferd. Wer Lust auf mehr hat, kann yara am 09.10. auf dem Nürnberg Pop live sehen.

Das Publikum bekommt zwar nicht die geforderte Zugabe, zeigt sich beim Warten allerdings bei „Believe“, „Since you’ve been gone“ und „i love it“ lauthals textsicher und bereit für ein geiles Konzert.

Paula Carolina begrüßt Nürnberg mit einem „Hallo Leute“ und der Abend nimmt spätestens jetzt so richtig Fahrt auf. Mit den Liedern „Darf sie das“, „Offiziell Glücklich“ und vor allem beim Countdown und Refrain von „Wärs ok?“ holt sie das Publikum direkt ab. Den ersten Outfitwechsel gibt es zu „Immatrikulationsbescheinigung“, als die gesamte Band in Abschlussroben auf der Bühne steht. Als sie eine Freiwillige zum Buchstabieren zu sich holt, ist es auch egal, dass der Songtitel vielleicht nicht ganz richtig wiedergegeben wurde, die Immatrikulationsbescheinigung der „Universität des Lebens“ gibt es trotzdem.

Den nächsten Überraschungsmoment gibt es mit dem Cover von „Durch den Monsun“ von Tokio Hotel, den die Sängerin gefühlvoll im Wind der Windmaschinen singt. Das ruhige Bassklarinetten-Solo des Bassisten Charly leitet perfekt in den nächsten Song „Angst frisst Demokratie“ über. Paula Carolina fängt damit die Gefühle in Zeiten von weiter aufkommenden rechten Stimmen ein. Sie ruft auf, die eigene Energie gezielt einzusetzen und einer Spaltung der Gesellschaft entgegenzuwirken. Bei sinnlosen Gesprächen mit Leuten fragwürdiger Meinung, sei es aber auch mal ok, sich diese zu schenken und zu fragen „Wo ist der Bus?“.

Auch die Hintergründe zu ihrem nächsten Song teilt sie gerne. Dem Wunsch ihrer Mutter nachkommend, schrieb sie zwar kein klassisches Lied, sondern eins, das bei Antenne Bayern laufen könnte – also „ein Lied in dem nichts geschieht“. Sie lässt es sich trotzdem nicht nehmen, die von ihr gewohnte Portion Gesellschaftskritik darin zu verpacken.

Was kann das alles noch toppen? Klar, eine Hochzeit, bei der die beiden Gitarrist*innen Caro und Nikolaus zu einer 12-saitigen Gitarre verheiratet werden. Die Fans fangen da natürlich gerne den Brautstrauß.

Mit voller Begeisterung singt der ganze Saal bei „Trophäe“ mit und ist bereit für die Zugabe.

Erneut betreten alle die Bühne, dieses Mal in Baustellenklamotten und Paula selbst mit einer leuchtenden Motorsäge, mit der sie zu „So ein Brett“ das Patriarchat unter großer Zustimmung und Beifall zersägt. Ihre Lieder „Extra“ und vor allem „Schreien!“, mit dem ihr Erfolg begann, dürfen auch nicht fehlen.

Sie beendet das Konzert mit ermutigenden Worten und dem letzten Song ihres neuen Albums „wild“ „Ich war hier“.

Paula Carolina hinterlässt einen bleibenden Eindruck mit einer spektakulären Live-Performance ihrer ganzen Band. Man kann definitiv sagen, sie war hier und wird hoffentlich wieder kommen!

// Text & Bilder: Ilsa Hösch //