Das große Granteln

Ausstellung: Das große Granteln

Grantler, die kennen wir alle. Mit hängenden Mundwinkeln murren sie vor sich hin, finden dies unmöglich im Allgemeinen und jenes unzumutbar im Speziellen. Grantler, sagt ein junger Illustrator, „sind wir doch aber eigentlich alle“, findet das ganz sympathisch und setzt dem Charakterzug ein Denkmal mit dem geballten Effet seiner Profession.

Granteln, findet David Leutert, das verbinde doch irgendwie. „Übers Schimpfen kommt man zusammen“, sagt der 30-Jährige, und dass was in den USA als süß-klebriger, oberflächlicher Smalltalk passiere bei uns eben das Gemaule sei. „Das funktioniert dann häufig über ein scherzhaftes Echauffieren“, findet Leutert, und mindestens den Unterschied muss er wissen, ist er doch vor zwei Jahren ins US-amerikanische New York emigriert, um den zuvor an der Ohm Hochschule erworbenen Design-Bachelor in einen Illustrations-Master zu verwandeln. Und wie kommt das jetzt, dass man vom fernen Big Apple aus dringend eine große Ausstellung zum urfränkischen, ja urdeutschen Wesensmerkmal kuratieren möcht? David Leutert erzählt. Von „wahnsinnig talentierten Leuten in Nürnberg“, für die es zwar eine Szene gebe, über die aber nicht weiter kommuniziert würde. Dass er regelmäßig auf Heimaturlaub ist, seine Leute, die Kommilitonen von früher, die Freunde von heute, die vielen großartigen Illustratoren, deren Arbeit er zwar kennt, nicht aber die kreativen Köpfe dahinter, einmal versammelt sehen will. Dass er „nicht möchte, dass in der Branche ein Konkurrenzgedanke herrscht, sondern alle an einem Strang ziehen, um gemeinsam etwas Schönes zu machen.“

Ein Besuch der regelmäßig stattfindenden Veranstaltung „Drink & Draw“, ein Abend des gemeinsamen Zeichnens für jedermann ohne Wettbewerbscharakter, hat dann wohl den Samen gesät: „Ich wollte eine Gruppenausstellung von Illustratoren – und ganz eigennützig eine Gelegenheit schaffen, meine mittlerweile über die Welt verstreuten Freunde zusammenzutrommeln“, schelmt David Leutert und ist so gar nicht grantig. Dafür umso konsequenter in der Umsetzung der Idee. 30 Künstler sind es nun geworden, die „mit Pinsel und Gefühlspalette, gebrochenen Herzen und Bleistiftminen“ großformatige Plakate und Kunstdrucke geschaffen haben – exklusiv und als „vielschichte Analyse fränkischer Gemütsstimmungen – von bierernst bis bitterböse. Aber allerweil geil.“ Mit dabei sind Einheimische sowie Weg- und Zugereiste, die jedoch lang genug hier leben, um sich die Grantlerei ausreichend zu Gemüte geführt haben zu können. Comiczeichner, Tätowierer, Kinderbuch- und Brettspielgestalter, Sprüher, 3D-Künstler – die Bandbreite könnte abwechslungsreicher nicht sein, mit der sich mal anschaulich, mal verschlüsselt, mal bildlich, mal textuell mit den diversen Eigenheiten der Grantelei auseinandergesetzt wird.

 

Ob Sieb- und Kunstdrucke, Linolschnitt oder iPad-Installation – so sehr die Umsetzung sich unterscheidet, so sehr wird „das Konzept durchgeschimpft“. Eine Ahnung dafür bekommt, wer sich die Webseite granteln.de zu Gemüte führt, auf der so viel schlechte Laune verbreitet wird, dass selbige beim Lesen sich unweigerlich hebt. „Jeder kann sich ein bisschen wiederfinden und spiegeln“, meint David Leutert, und dass das Granteln nichts Nürnberg-spezifisches sei sondern vielmehr weit verbreitet. So möchte er auch eine jede Kulturkritik weit von sich weisen, das Thema bitte nicht intellektuell überhöht verstanden wissen. „Das Ganze soll einfach nur Spaß machen und zusammenbringen statt zu trennen.“ So stehen fürs grantig-runde Gesamtgefühl zur Eröffnung auch saure Zipfel und Wut-Burger bereit sowie ein geflissentlich vorbereitetes Beschwerdeformular mit den gängigen Maulereien als Multiple-Choice. „Mosern, Meckern, Mailen und viel Kunst zum Kopfschütteln. Eine Jauchegrube talentierter, aufstrebender Nachwuchskünstler im Schmerzen Nürnbergs.“ Wenn das mal nicht zum Jauchzen klingt!

„Das große Granteln“, Galerie Eisdiele (Rothenburger Straße 35), Ausstellung besuchbar bis voraussichtlich 7.9. zu den bekannten ÖZ; Eintritt frei; www.granteln.de

//Text: Katharina Wasmeier / Bilder: PR //