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Nachbericht: Pop-Kultur Berlin

,,Um mich rum ist so viel zu machen. Ich muss alles schaffen. Ich gebe mir Aufgaben, damit ich was aufhabe. Ich mach gern Haken hinter die Sachen, ich mache Haken.’’

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Der Refrain von Balbina schallte laut auf uns ein, als wir das Eröffnungskonzert des Pop-Kultur Berlin Festivals leicht verspätet betraten. Im Grunde spiegelten diese Worte auch unsere Grundstimmung wieder. Es gab zu viel Programm. Wir mussten uns entscheiden. Selbst umgetrieben von der ,wir halten uns alle Optionen offen Mentalität’ hetzten wir am Mittwoch noch teilweise von Band zu Band und schauten manche Shows nur halb an. Balbina lieferte uns einen weitere textliche Untermalung ,,ich muss was gegen das Nichtstun tun’’. Also: Bewegung! Wir eilten zur nächsten Bühne weiter. Soft Grid spielte schon seit einer halben Stunde, somit bekamen wir noch knapp vier Lieder mit. Zuhause hatten wir schon mehrmals dem Tonträger Corella gelauscht, doch das Liveerlebniss zog uns gewaltig in einen magischen Fieberkreis. Insgesamt besuchten wir noch drei weitere Konzerte: Smerz, Riff Cohen, Fishbach. Abseits dessen gönnten wir uns auch eine musikalische Ruhephase und besuchten die Lesung mit Tobias Bamborschke, dem Sänger von Isolation Berlin. Dabei hörte man explizit oft das Wort Bier und implizit oft das Wort Melancholie.

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Der Donnerstag begann und innerlich hatten wir uns schon auf einen gewissen Festival-Wochenendrhythmus eingestellt, weshalb wir fälschlicherweise oft vom Samstag sprachen. Ähnlich wie am gestrigen Tage starteten wir mit einem der großen Aushängeschilder des Pop-Kultur: Romano. Textlich und inhaltlich ging da vieles ganzschön schnell, zunächst wurde die Zusammenkunft an der Champagner Bar besungen und kurz danach machte er dem Publikum einen Heiratsantrag. Irgendwie erschien uns Romano teilweise wie Marsimotos cleaner Bruder. Ist das ein Kompliment? Jein. Wir vertieften uns in die Hip Hop Welt und warteten auf Little Simz. Ein energiegeladener und strahlender Auftritt, der zu diversen Euphorieexplosionen führte, sofern Songs vom vorletzten Album ,,A Curious Tale of Trials + Persons’’ gespielt wurden. Im Maschinenhaus rundeten La Femme in Trachtenkleidung, mit Bierkrügen und mit adaptierter Monty Python Gangart den Abend vollends ab. Überschneidungsgeschuldet verpassten wir leider: Annavr, Let’s Eat Grandma und Masha Qrella.

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Der letzte Tag begann mit Ritornell im Prater. Die Band verband akustische und elektronische Sounds, welche rhythmische, ästhetische und hypnotische Klangeffekte entfachten. Gleich danach folgte Barbara Morgenstern, die bewies wie viel Liebe in diversen Protokollierungsmaschinen im Internet schlummert. Egal was man tut, sie sehen einem immer zu, hören immer zu und nehmen jeden Buchstaben, den man verwendet, wichtig. Welcher Partner schenkt einem so viel Aufmerksamkeit? Wir liefen zurück zur Kulturbrauerei und gingen zu Michelle Blades (Gitarristen von Fishbach). Auch wenn Fishbach enttäuschte, war der Auftritt von Michelle Blades ein unglaublicher Ausgleich. Zeitgleich war es eins der intimsten Konzerte mit knapp 30 Leuten. An dieser Stelle befinden wir uns am Ende unseres chronologischen Bandnamen-Abrisses.

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Mit knapp 10.000 Besuchern und gefühlt 1000 Veranstaltungen stellte das Pop-Kultur dennoch eine einzigartige Wohlfühlatmosphäre her. Vielleicht können wir nächstes Jahr ausführlicher von den diversen Gesprächsrunden und Ausstellungen berichten. Im Jahr 2017 hatte uns die Musik leider überwiegend gekidnappt und uns akustisch okkupiert. Wir sehen uns dann!

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www.pop-kultur.berlin

www.facebook.com/popkulturberlinfestival/

/ Text & Bilder: Leo Zimmermann  /