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Gefragt: Barbara.

Geboren um zu Kleben.

Seit geraumer Zeit werden wir über alle möglichen Social Media Kanäle mit Fotos von intelligenten und humorvollen Kommentaren zu Verbotsschildern und ähnlichen öffentlichen Hinweisen überschüttet.
Zwei Dinge haben diese Fotos eigentlich immer gemeinsam: weiße Schrift auf schwarzem Grund und die Signatur „Barbara.„.

Aber nicht nur mit dem deutschen Verbotsstaat setzt sich die noch immer anonyme Künstlerin auseinander. Nationalismus, Fremdenhass, Homophobie und die leider immer noch weit verbreitete Kleingeistigkeit kriegen genauso ihr Fett weg.
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Auf Facebook hat Barbara mittlerweile fast 150.000 Likes und Anfang des Jahres erschien mit „Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle“ ihr erstes Buch.
Kein Wunder also, dass wir mehr über dieses Streetart-Phänomen wissen wollten.

Es ist nicht so, dass wir es nicht versucht haben, wir haben es sogar mit Bestechungsmitteln versucht, die die FIFA rot werden lassen. Aber wie schon vor uns Spiegel online, der Stern oder die Süddeutsche Zeitung, schafften es auch wir nicht Barbara zu einem persönlichen Interview zu überreden. Es freut uns aber um so mehr, dass sie sich bereit erklärt hat via Facebook-Chat unsere Fragen zu beantworten.

Trotz Bestechungsversuchen in FIFA-Manier (Brotzeit und Bier) gibst du keine persönlichen Interviews. Was muss man denn dafür tun, oder wird das immer so bleiben?

Barbara.: Wenn Österreich Fußballweltmeister wird, dann gebe ich dir ein persönliches Interview, versprochen.

Siehst du dich so ein bisschen als die Stimme der Vernunft in einem immer unvernünftiger werdenden Land? Sozusagen das Engelchen auf der Schulter des deutschen Michel?

Barbara.: Ganz und gar nicht. Ich sage meine Meinung und setze mich mit verschiedenen gesellschaftlichen und politischen Themen auseinander. Ich bin eine Stimme von vielen.

Reist du bewusst in andere Städte oder Länder um dort zu kleben, oder ist das immer nur ein Teil des sowieso geplanten privaten Besuchs?

Barbara.: Ich reise gerne. Und wenn ich eine Idee für eine Intervention habe, dann mache ich etwas draus, egal wo ich gerade bin.

Was hältst du von Nachahmern und kam es schon vor, dass Bilder von anderen dir zugeschrieben wurden?

Barbara.: Ich mag das Wort Nachahmer nicht so sehr. Menschen inspirieren sich gegenseitig und das ist auch gut so.

Dein erstes Buch „Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle“ ist als Sammlung deiner Werke bereits veröffentlicht, was kommt als nächstes? Ausstellungen wie bei Banksy, oder ein Klamottenlabel wie Shepard Fairy?

Barbara.: Ein Plakat auf dem Mond kleben, das wäre richtig geil.

Wie siehst du die Wirkung deiner Arbeiten auf die Menschen? Glaubst du, sie bringt die Menschen zum Umdenken?

Barbara.: Umdenken ist ein großes Wort, und ich klebe kleine Zettel. Wenn es mir gelingt, einem Passanten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern oder ihn zum Nachdenken anzuregen, dann macht mich das schon sehr glücklich.

Zwar weiß wohl offiziell nur eine Person, wer sich hinter dem Pseudonym Barbara verbirgt, aber bekommst du öfter aus Freundes- und Familienkreis unbewusst Feedback zu deinen Arbeiten?

Barbara.: Das ist schon vorgekommen.

Hast du auch schon negative Reaktionen auf deine Arbeiten bekommen?

Barbara.: Klar, alles andere wäre auch sehr seltsam. Wer seine Meinung mitteilt, wird immer auch auf Widerstand und Kritik stoßen.

Wie hast du es bislang geschafft unerkannt zu bleiben, obwohl alle deine Werke im öffentlichen Raum angebracht wurden?

Barbara.: Ich passe gut auf mich auf und warte immer auf den richtigen Moment. Außerdem sind die Leute auf der Straße meistens mit ihrem Smartphone beschäftigt und nehmen von mir keine Notiz.

Braucht Deutschland mehr Barbaras, oder reichst du?

Barbara.: Da musst du Deutschland fragen.

Da mir irgendwann mal gesagt wurde „Du bist Deutschland!“, wage ich die Aussage, dass wir viel mehr von deiner Sorte brauchen!
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Vielen Dank für das Interview

Klebe lang und in Frieden!

/Text: Simon Strauss/

/Bilder: Barbara./