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Hingehen: Sommerkollektion – als wär’s das letzte Mal

Die „Sommerkollektion“ zu besuchen war immer schon ein außergewöhnliches Erlebnis. In diesem Jahr bekommt die Ausstellung, Performance und Musikveranstaltung in und auf dem ehemaligen Quelle-Gebäude aber eine besondere Note: Wenn das Quellkollektiv zum dritten Mal die Pforten öffnet, um eine umfangreiche Werkschau der ansässigen Künstler, Musiker und Kreativen zu präsentieren, dürfte es das vorerst letzte Mal sein. Zumindest in diesem Rahmen.

Die weitläufige Dachterrasse mit dem sagenhaften Ausblick auf die Stadt, die verlassenen Flure, die riesigen Hallen – all das wird ab dem 1. Januar 2016 Geschichte sein. Zumindest in der Form, in der sich die zahlreichen Interimsmieter in den vergangenen Jahren eingerichtet, gemalt und vertont, geschweißt und geschwitzt haben. Bagger rein, Kunst raus. Ende.

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„Kunst rein!“ jedoch heißt es vom 10. bis 13. September – und „wir laden alle Bürger herzlich ein, die Gelegenheit zu nutzen, die Quelle ein letztes Mal von innen zu sehen“, so Elnaz Amiraslani vom Quellkollektiv. So schön, so morbid das alte Gebäude ist, so sehr liegt der Fokus aber primär freilich auf dem „außergewöhnlichen Programm“. Vier Tage lang stellen nicht nur die Künstler jedweder Couleur in der Halle aus, sondern bieten zudem ein kunterbuntes Allerlei aus Installationen und Performances, Mitmach-Aktionen und Konzerten.

Wer schon mal da war, weiß: ein fixes Programm gibt es nicht, auch kein elitäres Werke-Abnicken. Vielmehr Kunst an jeder Ecke, an Wänden und auf Fußböden, auch mal in der Luft. Dazu gehört auch ein liebevoll dekorierter Außenbereich im Hof, auf dem in selbstgeschnitzten Couches gefläzt und überdimensioniert Schach gespielt werden kann. Auf ihr treten regionale Musikanten wie Smokestack Lightnin‘, Bambi Davidson oder Broken Features auf.

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Außerdem gibt’s spannende Performances international bekannter Künstler und die sphärischen Klanginstallationen der „Grandbrothers“. Udo Glaim hält einen Vortrag über Ernst Neufert, den Architekten des historisch bedeutsamen Bauwerks. Und Karsten Barnett veranstaltet ein offenes Informationsgespräch für und mit allen Interessierten (keine Angst, bei schlechtem Wetter wird das alles freilich kurzerhand nach drinnen verlegt).

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Noch nicht genug? Dann Rad-Polo spielen auf dem Parkplatz oder mitmachen beim „bunten Picknick“: Um eine Gelegenheit für Begegnung und Austausch mit den ansässigen Asylbewerbern zu bieten, findet das nämlich am Sonntag in der Quelle statt. Nürnberger und Gäste sind herzlich willkommen! Und während das teils nicht ganz beinbruchsichere Gebäude üblicherweise für Besucher nicht betretbar ist, soll sich das an den vier Tagen der „Sommerkollektion“ ändern.

Künstler und Mitglieder des Quellkollektivs werden bereit stehen, um Neugierigen die Chance geben, Fragen zu stellen und sich auf der Ausstellungsflächen rumführen zu lassen. Gefährlich ist da freilich nichts, schließlich ist die ganze Veranstaltung ein „Kinder- und Familienfest“ mit zahlreichen Spiel- und Tobemöglichkeiten.

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„Wir wollen zeigen, wie wichtig unsere Funktion als Netzwerk für das kreative Schaffen in der Region ist und neue Perspektiven für die Entwicklungen einer modernen Stadt aufzeigen“, so Elnaz Amiraslani.

„Hierzu tragen nicht nur unsere Mitglieder mit ihren Arbeiten bei, sondern wir möchten auch unsere Netzwerkpartner aus ganz Deutschland dazu einladen, ihren fantastischen Blick auf das urbane Leben der Zukunft mit Euch zu teilen.“ Also: rüber in die Fürther Straße, rein in den Musikfahrstuhl und rauf zur Sommerkollektion!

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„Sommerkollektion – Als wär’s das letzte Mal“, 10. September, 17-22 Uhr, 11. September, 16-23 Uhr, 12. September, 13-23 Uhr, 13. September 12-20 Uhr — www.facebook.com/Quellkollektiv

 

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// Text + Bilder: Katharina Wasmeier //