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Interview: CAPITAL C – ein Film zum Thema Crowdfunding

Eigentlich wollten wir euch hier „lediglich“ einen, wie wir finden, ziemlich interessanten Dokumentarfilm zum Thema Crowdfunding vorstellen, der am den 1. Oktober in der Meisengeige läuft. Kohle brauchen wir ja alle. Denn gute Ideen haben wir viele. Aber die wollen finanziert werden und die Hosen runter lassen vor laufenden Fernsehkameras wollen wir nicht. Eben. Die Höhle der Löwen. Capital C lässt die Hosen runter, folgt drei Kreativen, deren Leben sich durch Crowdfunding für immer verändert und würzt das Ganze noch mit Experten wie dem Journalisten und Blogger Sascha Lobo oder Scott Thomas (Design Direktor der Obama-Wahlkampfkampagne), die sich auch zu den Gefahren in der Arbeit mit der Crowd äußern.

Aber das folgende Interview hat noch einen anderen Hintergrund: Der „Creative Consultant“ des Filmes ist mit Jan Hagemann ein alter Bekannter. Man kennt ihn zum Beispiel als DJ der Depeche Mode Party „Music For Devoted People“ (Mississippi Queen) oder als Veranstalter der We Want Revenge Party im Cult Club. Als Creative Consultant hat er nicht nur jeden Filmschnippsel unglaublich oft gesehen, sondern die deutschen Drehs komplett begleitet und sich neben seinem normalen Job als Projektmanager für Websites um Orga und Social Media für Capital C gekümmert.

Ihr könnt es euch vorstellen: Entsprechend geht es hier auch um CAPITAL C, aber auch um Crowdfunding an sich, spannende Crowdfunding Projekte und – nicht zuletzt – Jans Lieblingsszene aus CAPITAL C.

CAPITAL C - Bild 06 - ZACH CRAIN

CAPITAL C. Ein Film zum Thema Crowdfunding, der ab dem 1. Oktober auch in der Nürnberger Meisengeige zu sehen ist. Wie bist Du denn in dieses Projekt rein gerutscht?
Ich bin mit dem Regisseur Jörg Kundinger seit etwa 20 Jahren gut befreundet, wir haben früher auch zusammen Musik gemacht. Mittlerweile ist er erfolgreicher Werbefilmer und macht auch viele Musikvideos, aktuell zum Beispiel für Rea Garvey oder Glasperlenspiel. Vor gut drei Jahren hat er mir von seinem Traum erzählt, abendfüllende Kinofilme zu drehen. Mir war in dem Moment klar, dass ich dabei wieder auf irgendeine Weise involviert sein würde.

Hattest Du Dich vor CAPITAL C schon mit dem Thema Crowdfunding beschäftigt oder ein Crowdfunding Projekt gestartet?
Meine allererste Begegnung mit dem, was Crowdfunding für mich ausmacht, hatte ich bereits Anfang der Jahrtausendwende. Damals hatten die Einstürzenden Neubauten der Schallplattenindustrie entsagt und ein „Supporters‘ Project“ gegründet. Es gab gegen einen Unkostenbeitrag von 50 Euro Zutritt zu einer geschlossenen Web-Community, in der man den Studiosessions und Recordings lauschen und unmittelbar Feedback geben konnte. Nach gut einem Jahr erhielt man exklusiv das fertige Album. Natürlich nannte man das seinerzeit noch nicht Crowdfunding, aber es enthielt schon alle Zutaten: Sehr viele Menschen finden sich über das Internet zusammen, um mit vergleichsweise kleinen Beiträgen Großes möglich zu machen. Der Entstehungsprozess lebt von Beteiligung und Transparenz und von dem Gefühl, mit seinem Geld etwas Sinnvolleres anzufangen, als es auf einem Sparbuch verrotten zu lassen.

Der zweite Filmemacher im Bunde, Timmy (Red. Timon Birkhofer), kam dann vor gut drei Jahren konkret mit diesem Thema um die Ecke, das grade in den USA einen riesigen Hype erlebte. Wir waren schnell dafür begeistert. Natürlich hatten wir selbst jeder schon ein gutes Dutzend Projekte als „Backer“ unterstützt, als wir loslegten und Kontakt zu vielen weiteren Kampagnen. Schon alleine für die Recherche, mit welchen Menschen wir beim Dreh sprechen möchten.

CAPITAL C - Bild 02 - BRIAN FARGO

Hat die Arbeit für und mit dem Film deine Sichtweise zum Thema Crowdfunding verändert?
Nur zum Positiven. Natürlich gibt es Projekte, die nach der Finanzierung scheitern. Man muss sich klar machen, dass es sich bei dem eigenen kleinen Beitrag um Risikokapital handelt. Dem gegenüber stehen so viele positive Aspekte: Gesellschaftliche wie die Demokratisierung von Ideen und ihrer Finanzierung, vorbei an Verlagen oder Banken, eine Form des Kapitalismus ohne Zinsen und ohne Schulden. Aber auch ganz praktische Nutzen wie die persönliche Beziehung zum Publikum oder Crowdfunding als Markttest.

Wann kann man Deiner Meinung nach darüber nachdenken, eine Crowdfunding Kampagne zu starten und wann sollte man es lieber lassen?
Je konkreter das Ziel beschrieben und in wenigen Sätzen verständlich erklärt werden kann, desto besser ist es für eine Crowdfunding-Kampagne geeignet. Ansonsten sind fast keine Grenzen gesetzt, auch für Marktnischen ist Crowdfunding ideal. Trotzdem hat es ein kreatives Projekt wie ein Buch oder ein Film hier natürlich einfacher als z.B. ein neuartiger Verbundwerkstoff für den Industrieeinsatz.

CAPITAL C - Bild 03 - JACKSON ROBINSON

Gibt es Crowdfunding Projekte, die Du entdeckt hast und die Dich so richtig beeindruckt haben?
Mich begeistern ständig neue Projekte, darum fokussiere ich mich tatsächlich mal auf Nürnberg: Zum einen möchte ich „Keyve“ nennen, weil er mich seit gut einem Jahr tagtäglich in der Hosentasche begleitet (www.keyve.de). Dann hat kürzlich ein Fürther Projekt für ein Mini-Wasserkraftwerk, mit dem man zum Beispiel beim Wandern am Bach sein Mobiltelefon aufladen kann, kräftig auf Kickstarter für Furore gesorgt: http://blue-freedom.net/. Aktuell läuft außerdem ein Nürnberger Projekt auf Indiegogo, das einen iranischen und einen israelischen Indie-Act gemeinsam auf Tour schicken möchte: http://the-secret-handshake.com.

CAPITAL C wurde vor seinem Nürnberger Start, wenn man sich das Filmplakat anschaut, ziemlich mit Preisen überhäuft. Worin siehst Du die Gründe dafür?
Das sind nicht zwangsläufig alles Preise, sondern die Filmfeste, auf die wir eingeladen und gezeigt wurden. Das ist für sich genommen schon ein großer Erfolg, mit dem wir nicht im Geringsten gerechnet hätten. Oder mit der Tatsache, dass der Film wirklich weltweit gezeigt wird! Ansonsten: Auf dem Filmfest in Zürich haben wir eine „Special Mention“ der Jury bekommen und sogar beim „Gold Panda Award“ in China haben wir es aktuell grade in die Endrunde geschafft. Schon ziemlich überraschend, weil wir im Film auch ein paar beißende Kommentare zu chinesischer Produktpiraterie haben.

Wie oft hast Du den Film schon gesehen?
Puh. In voller Länge ein gutes Dutzend Mal und einzelne Sequenzen liegen sicher deutlich im dreistelligen Bereich.

CAPITAL C - Bild 07 - ZACH CRAIN

Wie lange wird CAPITAL C in Nürnberg laufen?
Das hängt natürlich von den Besuchern ab, sicher ist: ab dem 01.Oktober in der Meisengeige täglich um 18:30 Uhr in Kino 1.

Wo kann man sich Deiner Ansicht nach (außerdem) gut und fundiert zum Thema Crowdfunding informieren?
In Deutschland bietet sicher Startnext als Plattform den komplettesten Service von der ersten Beratung zur eigenen Idee bis hin zur Kampagne am Ende. Sie machen auch jede Menge Workshops in verschiedenen Städten, in 2014 waren sie von der Wirtschaftsförderung organisiert auch zweimal in Nürnberg.

Deine Lieblingsszene aus CAPITAL C?
Ich bin bei den Screenings echt immer wieder erstaunt, für wieviel gute Laune der Film im Publikum sorgt. Man selber wird da ja irgendwann betriebsblind. Ich mag die Szene besonders, in der einer unserer Protagonisten (Zach von Freaker USA) auf den Vorarbeiter einer Textilfabrik trifft, in der er seine Flaschenüberzüge herstellen möchte. Für letzteren der totale Kulturschock, während Zach sich bei seinen nächtelangen Farb-Experimenten in der „Twilight Zone“ wähnt, vom friedlichen Summen der Fließbänder schwärmt und davon berichtet, dass sein Pipi von der trockenen Luft am nächsten Morgen immer ganz seltsam riecht. Im Grunde mag ich aber alle Szenen mit Zach besonders gern.

Interview: David Lodhi
Fotos: Jørg Kundinger

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