reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Bamiflü

Dass der Adlatus einfach stehengeblieben war, das hab ich erst nach ein paar Metern gemerkt. Umgedreht hab ich mich dann und irritiert in zwei Augen geschaut, die glaub ich aber schon noch sehr viel irritierter in mich hineingeschaut haben. „Was hast du da grade bitte gesagt?“ wollte man wissen, und ich hab in die Drogerie gesonnen, in die ich grad hineingehen hab wollen, und nachgedacht und wiederholt: „Na dass ich da noch schnell hab hineingehen wollen und eine wasserfeste Wimpi kau… oh“, hab ich mich unterbrechen müssen und bemerken, dass mir da scheint’s ein sehr seltsames Wort aus sehr längst vergangenen Kindertagen über die Lippen gehuscht war. Eine Wimpi, das war früher das, was wir heut elitär „Mascara“ nennen und nicht wissen, ob es die oder der heißt, Hauptsache das erwachsene Wort benutzt. Früher, da hatten wir viele Wörter, die sag ich heut schon auch noch aus Versehen, aber wenn dann eigentlich nur in Verbindung mit ironischem Gelächter und den Freundinnen von damals, die auch noch die von heute sind. Damals, da hatten wir wichtigeres zu tun als uns mit Wörtern aufzuhalten, deswegen war’s wohl erforderlich, alles so kurz zu schrauben wie möglich, und zudem mit einem Klang zu versehen, der den Wörtern den Schrecken der Realität zu nehmen vermochte. Wir schrieben morgen eine „Schulze“ und mussten dann noch „Hausi“ machen, wir wurden ins „Seki“ gerufen und wenn’s blöd lief auch zum „Direx“. Wir brauchten einen „Bleier“ und hatten den „Ratze“ nie dabei, konnten uns an selbigem aber sehr gut morgens treffen, und taten noch in der Kollegstufe der Lehrerin kund, „sponti“ zu entscheiden, ob man gleich den Leistungskurs mit unserer Anwesenheit zu beehren gedachte. Und wenn, dann um erstmal nach der „Wimpi“ der Sitznachbarin zu verlangen. Heute haben wir eigentlich auch keine Zeit mehr, um ordentlich zu sprechen, nur ist uns der Sinn für die Weichheit und Sympathie der Akronyme verlorengegangen. Voller Härte und Verachtung spucken wir Brocken wie „Arge“ in die Welt, anstatt freundlich „Agemei“ zu sagen, „Ich hab Post vom Agemei“, da geh ich doch gleich viel lieber hin, und dass ein „Bamf“ nun wirklich keine herzliche Einrichtung sein kann, das hört wohl jedes Kind. Bamf. Pampf. Matsch. Quatsch. Ein „Bamiflü“ hingegen, da würde man doch gern einmal vorbeiradeln und vielleicht ein paar Hors d’œuvre dabei haben für alle oder Schnitten mit freundlicher Clownwurst. Vor einiger Zeit hab ich mit dem Bürgermeisteramt telefoniert wegen meiner Überlegung, einen kommunalen Außendienst zu installieren, die von der Stadtspitze freundlicherweise geteilt wird. Wegen proaktiv hab ich auch gleich eine gute Bezeichnung parat gehabt, mittels derer die Institution dem Volksmund geläufig gemacht werden könnte. Da war das Bürgermeisteramt dann doch gar nicht mehr so begeistert. Aber gut. Vielleicht wäre „Komadi“ wirklich freundlicher als „KomA“.

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~