reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Fußselfismus

Neues aus der Reihe: juhu Herbst! Nämlich: auf Facebook keine Käsequantenportraits mehr. Diese niederste aller „fotografischen“ Unsitten! Früher so: Ich fahr in Urlaub, am letzten Tag kauf ich 20 Postkarten der billigsten Sorte, rotze auf die den immer gleichen Text von „Essen super, Meer auch, Wetter mittel, Nachbarn nervig“, bei besonders guter Laune verziert mit dem ein oder anderen erquicklichen und aus postvacazioneller Sicht betrachtet vielleicht doch nicht mehr so lustigen Zeichnung, und werfe diese daheim in einen Postkasten, weil vor lauter Aufbruchsstimmung die Karten freilich übersehen worden und erst bei Bezahlung der Brennermaut wieder hervorgekrochen sind. Fünf Wochen später war die Karte dann für gewöhnlich angekommen, und obwohl der Adressat freilich längst mittels epischer Telefonate oder noch epischererer Diavorträge über das Gelingen des Erholungsaufenthalts in Kenntnis gesetzt worden war, erfolgte spätestens jetzt die Bestätigung: Ich war da wirklich, und ich hab an dich gedacht. Heute geht das anders.

Heute muss man, aber das ist freilich längst ein alter Hut, unablässig Selfies schießen, diese Arschgeweihe der Fotografiekunst mit Doppelkinn und Schielaugen, wer kein Selfie vor dem Louvre gemacht hat, der war nicht da. Punkt. Das kommt dann auf Facebook, und alle so „Woaaahboahkraaaaassalterneeeeeeid!“ Kann man schon irgendwie verstehen. Es gibt dann aber noch eine gänzlich andere Unsitte, die ich NICHT verstehen kann, noch nicht mal verstehen WILL, einfach weil sie mich auf penetranteste Art und Weise belästigt und mein persönliches bioästhetisches Empfinden aufs Empfindlichste reizt. Nämlich die, seine nackten Füße zu fotografieren, wo man hängt und steht. Den ganzen Sommer hindurch habe ich mich durch sie hindurchgescrollt: Füße in Pools/ Flüssen/ Meeren, Füße auf Booten/ Terrassen/ Balkonen/ Stränden in den Himmel gereckt.

Wow! Zum einen sind Füße das am ungefähr wenigsten schöne an so einem Menschenleib. Zum anderen sind diese Latschenfotos der größtdenkbare Ausdruck von Mittelmäßigkeit und Feigheit. Ganz offenkundig sehe ich da nämlich jemanden, der nicht die Chuzpe besitzt, einfach nur einen schönen Bergblick abzulichten, ohne sich gegen Verdachtsmomente abzusichern, er habe nur geschickt eine Postkarte abfotografiert, derweil er sich eigentlich im Bielefelder Kohlekeller befände. Zum anderen auch nicht die, im adäquaten Urlaubszustand zu zeigen. Dann wählt man also den Fuß, und das, wo doch so ein Fuß nun in den allermeisten Fällen wirklich nicht … Wobei, vielleicht gilt es gerade das zu honorieren: Seht her, ich werde nie ein Fußmodell werden, das weiß ich ganz genau, aber ich bin im Urlaub und darob derart im Einklang mit mir selbst, dass mir das völlig egal ist. Well … Hab ich wohl wieder mal zu früh krakelt. Entschuldigung.

 

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa!“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten ~