reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Kinderbörse!

Neues vom Pubertier – tät ich wirklich gern mal wieder verkünden. Und in die Tasten hauen, um all das Wirren zu verarbeiten, das aus dem Kind tagtäglich in die Welt hinausbüchst. Jedoch: Das Pubertierchen spielt da nicht mehr mit. Scheints über den Sommer hat es circa sieben Entwicklungsstufen übersprungen und präsentiert sich neuerdings als vernunftbegabtes, ja nachgerade ödes Wesen. Man verrichtet seine Schul- und Hausarbeiten, schreibt Noten, die man direkt als gut bezeichnen könnte („Ich hab ne 2 in Geschichte!“ – „Geil! Worum ging’s?“ – „Keine Ahnung.“ – „…“ – Ja irgendwas mit Grenzen.“ – „Von wem?“ – „Äh Deutschland.“ – „Und wann?“ – „Ja früher halt.“ ), nickt verständig auf die Bitte, ob ganz womöglich am Folgemorgen um 5 Uhr auf die ondulatorische Komplettbehandlung und damit einhergehende Lärmbelästigung verzichtet werden können, anstatt sich responsiv brüllend auf den Boden zu werfen. Singen die Alten verzweifelt die einzig memorierte Melodie von „Arielle“, so wird nicht augenrollend das Weite gesucht sondern hilfsbereit gegoogelt und geduldig abgewartet, bis der letzte schiefe Ton von „Unter dem Meer“ verklungen ist. Erklärungen, Mahlzeiten würden zügiger gereicht, wenn alle mithülfen statt auf dem Kanapee Ergebnisse zu fordern, haben sofortigen Dienstantritt zur Folge statt lautes „PECH!!“-Gebrüll und Bühnenabtritt, man kehrt quasi pünktlich aus dem Ausgang heim, zeigt sich nicht nur einsichtig, sondern proaktiv bei der Entscheidung „Abschlussballkleid: hochgeschlossen-elegant vs. Hugh-Hefner-Gedenkparty“, erläutert weise die fade Eindimensionalität von „Stadtmenschen“ und meint damit Altersgenossinnen, deren Leben ein stetiges und sinnloses und alkophiles Abhängen in der City beinhaltet sowie die Anfertigung von Augenbrauen mittels Nike-Schablone. Einzig der eigenmächtige und spontane Wechsel des Radiosenders von Wissensradiobayernzwei auf Hitradioichkreischdenganzentagnurschwachsinn findet statt, aber auch das, ich bin zuversichtlich, wird sich ändern. Kurzum: Gscheid langweilig ist’s geworden. Hab ich mir mal eine List überlegt. Und das Kind, das ich bald nicht mehr so nennen darf, in ein Gespräch verwickelt. Nach fast zwei Stunden, in denen weder geweint noch gebrüllt noch gemotzt noch ferngesehen noch gehandyt, sondern sich einfach nur unterhalten wurde, hab ich meinen Joker gezogen und ein hochnotpeinliches Gespräch über Körper im Allgemeinen und Vermeidung der Entstehung eines unerwünschten kleinen neuen solchen im Speziellen begonnen. Jede Wette, hab ich gedacht, jetzt steigt sie aus, das erträgt doch kein Mensch. Tja, was soll ich sagen? Auch eine halbe Stunde später saßen wir einträchtig auf dem Kanapee. Bald schauen wir gemeinsam Tagesschau statt Contouring-Tutorials, lesen Zeitung statt Jodel-Witze und gehen ins Museum statt den Ponyhof. Ich langweile mich jetzt schon zu Tode.  „Soulweekender“ (Fr&Sa, Zentralcafé, Königstraße), „Querbeat“ (KK, ebd.), „Moonbootica“ (Rakete, Vogelweiherstraße), „Regionaleeigenart“ (Desi, Brückenstraße) und am Samstag „Single Party“ (T90, Flughafen), „Pull the Trigger“ (Hirsch, Vogelweiher), „Hände hoch!“ (Desi), „Bassdusche“ (KK), „Go Gitarre! Go! Special“ (Stereo, Klaragasse), „Tribute to Rammstein“ (Matrixx, Klingenhof), „Grey Area“ (Cult, Dooser Straße). Grad versehentlich was von „Kindbörse“ am Sonntag gelesen, Chance gewittert und gefreut. War dann aber doch nur „Kino“. Puh.

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~