reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Männergrippe

Hab ich neulich hier behauptet, die „Wie geht’s dir?“ sei die verbotenste Frage der Welt, ich weiß schon. Aber wie das so ist mit charakterlich gefestigten Persönlichkeiten hat sich zwischenzeitlich die Windrichtung gedreht, und geschwind hab ich mein Fähnchen dort hinein gestellt und lass es munter flattern. Und hoffe, dass mich jemand fragt. Wie es mir geht. Weil dann großer Auftritt. „Wie geht’s dir denn?“, sagt eins, und wenn ich vorher mimisch alles richtig gemacht hab, dann schwingt da schon der Zauber der Sorge mit. „Frage nicht!“, sag ich dann, oder je nach Laune, Frühstück oder Publikum auch „mittel“, „selten besser“ oder „ja wie sieht’s denn aus?!“, wobei ich mich vor letzterer Antwort gern nochmal spiegelblickschnell versichere, dass meine Nase möglichst dick eingesalbt im Lampenschein glänzt. „Was ist denn los?“ erklingt sogleich die Weiterfrage, „erkältet?“ Jetzt kommt meine Stunde. „Schlimmer!“, sag ich mit bedeutungsschwanger gesenkten Lidern, unter denen hervor ich mich ungeteilter Aufmerksamkeit versichere, und dann: „Männergrippe.“ Was dann folgt, macht mir so große Freude, dass ich am liebsten nie wieder gesund sein möcht. Weil Erkältungsvermeldung macht Achselzucken und Abwinkerei und Stelldichnichtsoan. Männergrippenvermeldung jedoch, ja der Wahnsinn! Jetzt könntest du meinen, dass männerseitig da eher ein Abwehrverhalten zutage tritt wegen „Gar nicht lustig fei, blöde Kuh!“, aber weit gefehlt. „Musik in meinen Ohren“ tät ich sagen, wenn stattdessen dort nicht von innen eingestöpselte Pfropfen säßen, doch was ich durch diese hindurch dumpf vernehme, freut mich immer noch genug, weil: aufrichtiges Mitgefühl! „Genieße den Abend, es kann sein, dass du morgen nicht mehr aufwachst!“ heißt es da, oder „Lass dich drücken, womöglich sehen wir uns heute zum letzten Mal!“ oder „Wenn du ein Licht siehst, bleib bitte stehen!“ Auch die Damen zeigen Mordsbestürzung, wenn ich meine Malaise verkünde. Manchmal zuckt es bei den darauffolgenden Kondulationen auch um die Mundwinkel herum. Wegen der Emphase, glaub ich, und wegen Weinen in der Öffentlichkeit nicht so gern gesehen hierzulande. Einzig ein Mann, nämlichst akkurat eins der allzeit schlimmsten Opfer des Infekts und darob mehrmals jährlich knapp dem Tod entrinnend, schimpfte unwirsch, ich würde aller Wahrscheinlichkeit nach überleben, und ich sprach „Jawohl natürlich, weil ich bin eine Frau und stark und tapfer, doch ich kann nicht versprechen, dass ich danach noch die Selbe bin.“ Grade Rüffel bekommen: Darf keine Männergrippe haben weil womit dann sonst künftig Männer verhohnepipeln! Naja, und wenn die Mama das sagt … Tut mir leid!

~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa!“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten ~