reden ist silber

Konfetti! Und außerdem … Reproduktionsgesinnung

„Ich habe Fenster geputzt.“ Dieser Satz ist wahr. „Ich habe geputzte Fenster“ hingegen eine große Lüge, muss es doch qua grammatischer Definition des Plusquamperfektes als einer in der Vergangenheit abgeschlossenen Handlung heißen: „Ich hatte geputzte Fenster gehabt.“ Für ungefähr … sagen wir … fünf Stunden. Seitdem habe ich milchglasig gelbe Fenster. Das passt insofern gut, als sich die sehr harmonisch einfügen in meinen ganzen Rest. Ich habe einen gelben Schreibtisch, auf dem ein gelbes Telefon steht und auch ein gelbes Notebook. Meine früherschwarzen Hosen sind gelb und meine weißen Shirts auch, mein Fußboden ist gelb und die Tapser ebenfalls, auf dem Sofa sind gelbe Fußabdrücke, die ich feinsäuberlich dort hinterlasse, nachdem ich auf meinem gelben Balkon war und dort mit jedem Schritt einen Zentimeter Gelbheit mehr unter die Sohlen gepappt habe. Ich hab gelbes Basilikum und eine gelbe Gießkanne und gelbe Geranien, ich finde das Wort „gelb“ unerhört, je öfter man es schreibt und sagt, desto seltsamer wird es. Gelbgelbgelb. Leg ich mein Handy auf einen Draußentisch und schau ganz kurz woanders hin, so ist das Gerät im nächsten Moment verschwunden, und erst nach einigen panischen Anfällen hab ich begriffen, dass es hilfreich ist, einmal beherzt über die vermutete Aufenthaltsstelle zu pusten, auf dass sich die Wogen teilen und das Gerät wieder freigeben wollen. Angeblich sind die Fichten schuld an allem. Allerdings wenn ich mich auch noch so weit aus dem Fenster lehne und den Hals ganz arg hinausstrecke – keine Fichte weit und breit, sondern nur ganz viel Nichtfichte, und dabei hat man schon eher das Gefühl, dass einem andauernd eine Fichte hinterherläuft und sich grad so schüttelt vor Lachen und dabei säckeweise Gelb über einen auskippt. Aber: Immer wenn ich mich ganz spezialschnell umdreh, dann ist da einfach gar keine Fichte. Trotzdem Fichtenmasterjahr. Heißt so. Weil bei den Bäumen setzt eine „Gesinnung nach Reproduktion“ ein, angeblich, und da muss ich jetzt schon einmal sagen: Pfui Deifi! Wenn das jeder so machen tät! „Ooooh, ich hab so eine Gesinnung nach Reproduktion, geh ich doch einmal hinaus und dann dings ich umeinander, irgendwen wird’s schon treffen, und wenn nicht, dann latscht sicher einer hinein ins Dings und verteilt’s wo’s hingehört, quasi Riesenbiene.“ Also gut, füg ich mich halt in mein Schicksal. Vielleicht wenn ich mir die Wadeln noch mit ein bisschen Kleb einschmier, Bodylotion oder so, dann hält das alles besser, und dann kann ich mit großen Pollenpaketen an den Beinen über Wiesen springen und ganz nebenbei ein bisschen vor mich hin befruchten. Den Rest erledigt die gelbgefüllte Nase und hier und da ein beherztes Niesen. Nur halt lieber vorher schauen, dass da nicht grad das Handy … Naja. „Disco Queen“ (Mississippi Queen, Hafen), „Retro“ (Stadt_Parks), „Pull the Trigger“ (Hirsch, Vogelweiher), „Die linke Party“ (Festsaal, Königstr), „Insert-scary-name-here“ (Cult, Dooser Str), „A.N.A.L + Wehende Fische“ (Z-Bau, Frankenstr), „Die Liga der außergewöhnlichen Liedauswähler (MUZ, Führter Str), „1 Jahr DJ-Duell“ (Stereo, Klaragasse), „Schallfarben“ (Desi, Brückenstr) und a propos „Reproduktionsgesinnung“ darf freilich nicht fehlen die „Single Party“ (T90, Flughafen). So. Vielleicht ist’s auch alles nur Söderstrandstaubschallundrauch. Wär aber auch irgendwie eklig.

// Text: Katharina Wasmeier / Bild: Hannah Rabenstein //

~~ Diese Glosse erscheint unter dem Namen „Runter vom Sofa“ in der Freitagsausgabe der Nürnberger Nachrichten und Nürnberger Zeitung ~~